Getanzte Heimatgefühle

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Vereinsvorsitzender Christos Michailidis, Anastasoula Ioanina Siaraya und Maria Mitrou von der griechischen Gemeinde, umgeben von der Tanzgruppe der jüngsten Kinder. Beim Tanz fühlt man sich dem Heimatland ein Stück näher.

Offenbach ‐ Griechenland ist das Sorgenkind der Europäischen Union. Der Staat ist pleite. Christos Michailidis, Anastasoula Ioanina Siaraya und Maria Mitrou von der Griechische Gemeinde Offenbach umgehen das Thema mit einem Lächeln: „Wir leben in Deutschland, was hier geschieht, ist für uns primär wichtig.“ Von Veronika Szeherova

370 Menschen besuchen regelmäßig das Gemeindezentrum an der Speyerstraße. Ungefähr jeder zehnte Offenbacher mit griechischer Abstammung ist demnach aktives Mitglied. Betritt man die Räume, fühlt man sich trotz des eisigen Winterwetters in das 2400 Kilometer entfernte mediterrane Land versetzt: Der Sirtaki erklingt aus den Lautsprechern, aus der Küche duftet es lecker nach Gyros und Tzatziki. Das Stimmengewirr ist griechisch, die Bilder und Poster an der Wand sowieso.

Im Mittelpunkt des Vereinslebens steht der traditionelle Tanz. Es gibt drei Altersstufen, die sich jede Woche zu Sirtaki und anderen Gruppentänzen treffen. Ob Kinder, Jugendliche oder Erwachsene, es geht immer rund. Die Fröhlichkeit ist ansteckend. Jeden Samstag tanzen Frauen und neuerdings auch Paare.

Tradition wird nicht nur beim Tanz groß geschrieben

„Das ist der beste Ort und die beste Möglichkeit, das Heimweh zu vergessen, wenn es mich doch mal packt“, sagt Maria Mitrou, die seit 19 Jahren in Deutschland lebt. Vor sechs Jahren entdeckte sie die Gemeinde für sich. „Seitdem ist sie zu meinem zweiten Zuhause geworden.“

Christos Michailidis ist seit 14 Jahren im Verein aktiv und seit sechs Jahren dessen Vorsitzender. Er ist zufrieden mit der Entwicklung, die die Gemeinde in dieser Zeit genommen hat. Ein Computerraum mit modernen Geräten steht zur Verfügung. Hausaufgabenbetreuung gehört ebenso zum Angebot wie Informationsveranstaltungen über Beruf und Ausbildung. Muttersprachlicher Unterricht wurde von Anfang an offeriert. „Wir möchten künftig aber auch Deutschkurse für Griechen anbieten“, verrät Michailidis. Gespräche mit der Stadt und der Volkshochschule laufen derzeit. Der Vorsitzende ist optimistisch: „Die Zusammenarbeit mit der Stadt verlief bisher immer sehr konstruktiv.“

Tradition wird nicht nur beim Tanz groß geschrieben. An griechischen Festtagen wie dem Nationalfeiertag „Ochi-Tag“ am 28. Oktober und vor allem zum griechischen Osterfest feiert man ausgelassen in den Vereinsräumen. „Insbesondere für die Kinder ist es toll, wenn sie viele Feste zweimal feiern dürfen - deutsch und griechisch“, schmunzelt Anastasoula Ioanina Siaraya. „Vor allem Neujahr und Ostern lohnen sich sehr. Kuchen und Süßigkeiten gibt es dann leicht zeitversetzt doppelt.“

Während viele deutsche Vereine über Mitgliederschwund und Nachwuchsprobleme klagen, ist das bei den Griechen kein Thema. Viele junge Leute zieht es in die Gemeinde. „Gefühle wie Zusammenhalt, ein Stückchen Heimat und kulturelle Identität machen unseren Verein attraktiv“, meint Michailidis. Außerdem werde viel Wert auf Jugendarbeit gelegt, sei es beim Sport, Theaterprojekten oder Computerkursen. Angebote für Frauen sind ebenfalls ein wichtiger Bestandteil des Vereinslebens, beispielsweise mit Infoabenden zu Themen wie Ausbildung, Erziehung, Gleichstellung in der Arbeitswelt. „Unterstützung in allen Lebenslagen, das Wegholen der Jugendlichen von der Straße sind die Ziele des Vereins“, fasst Christos Michailidis zusammen.

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