Geteilte Markt-Meinung

Offenbach - (tk) Stadt und Beschicker haben eine Umfrage zum Wochenmarkt gestartet, erste Ergebnisse sickern durch: Die eingeholte Meinung ist geteilt, ziemlich genau halbe-halbe.

50 Prozent der Befragten geben einfach nur gute Noten und finden, dass man eigentlich nicht viel verändern müsse; die anderen 50 Prozent meinen, dass viel getan werden sollte, stellen sehr konkrete Forderungen, etwa nach einer echten Verpflegungszone.

Am nächsten Donnerstag sollen die Stadtverordneten die Projektvorlage für die Umgestaltung des Wilhelmsplatzes absegnen. Über das Vorhaben ist bereits lang und ausgiebig geredet worden. Der Magistrat rühmt sich einer beispiellosen Bürgerbeteiligung. Deren Ergebnisse sind noch detailliert im Internet nachzulesen.

Vielleicht wäre auch alles unter üblichem Offenbacher Gegrummel, letztlich aber akzeptiert, über die Bühne gegangen. Mit diesen Aussichten ist es allerdings seit der überraschenden und allgemein empörenden Kastanienfällung vorbei. Der Skandal hat die Diskussion neu belebt.

Kurz vor der Entscheidung am 7. Mai erreicht Stadtverordnete und Magistrat ein offener Brief der Lokalen Agenda 21, jenem überparteilichen Zusammenschluss von Bürgern, die auf die Entwicklung Offenbachs in vielerlei Hinsicht Einfluss nehmen wollen. Die Agenda ist in viele Prozesse eingebunden, ihre Mahnungen werden meist ernst genommen. 500 Unterschriften haben die Mitglieder gesammelt, um die Baumfällung zu verurteilen.

Die Forderungen im aktuellen offenen Brief haben nun allerdings wenig Aussicht auf Erfolg. Noch einmal aufgerollt wird das Verfahren kaum. Unter anderem verlangen die Unterzeichnerinnen um Barbara Levi-Wach auch, neue Kastanien statt der bislang vorgesehenen Arten (Blumeneschen eventuell Spitzahorn) zu pflanzen. Grundsätzlich solle die Planung hinsichtlich der Gesamtgestaltung, der Verkehrsführung oder der Oberflächengestaltung, Beleuchtung und Kostenumlegung auf die Anwohner noch einmal überdacht werden beziehungsweise den Bürgern ein weiteres Mal detailliert vorgelegt werden. Unter anderem heißt es in dem Schreiben, Aufenthaltsqualität sei über die Parkraumbewirtschaftung zu stellen.

Dies erwächst wohl daraus, dass die ursprünglichen Finanzierungspläne der Stadt über den Haufen geworfen wurden. Der Investor, der den Umbau bezahlen und sich sein Geld über Parkgebühren wiederholen sollte, hat sich nicht gefunden. Dass die Wilhelmsplatz-Pläne nicht Altpapier wurden, hat das Konjunkturprogramm der Bundesregierung verhindert. Es versetzt die Stadt in die Lage, das Projekt selbst zu bezahlen.

Stadt-Pressesprecher Matthias Müller gibt dem Agenda-Vorstoß kaum eine Chance. „Am Wilhelmsplatz gab es so viele unterschiedliche Interessen auszugleichen, die nur in einem Kompromiss enden konnten.“ Klar sei, dass der Wochenmarkt seinen Charme behalten werde, dass aber etwas getan werden müsse, um angesichts der Konkurrenz im Umland bestehen zu können. „Alles ist lange und intensiv genug kommuniziert worden“, sagt Müller, „und jetzt entscheiden die gewählten Volksvertreter.“

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