Gewahrsam unter Wasser

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Gruselstunde im Hof des 2. Polizeireviers: Die Fäkaliengrube ist nur eins der Probleme, die gelöst werden müssen, um das Zentralgewahrsam in einen guten Zustand zu bringen.

Offenbach ‐ Wenn dem einen oder anderen Zeitgenossen im Keller der Berliner Straße 213 die Augen feucht werden, liegt das in der Natur der Sache. Von Marcus Reinsch

Unter den Diensträumen des 2. Offenbacher Polizeireviers befindet sich das sogenannte Zentralgewahrsam des Südosthessen-Präsidiums. Wer hier landet, hat oft allen Grund, Rotz und Wasser zu heulen. Allein: Wenn Gefahr besteht, dass Gefangene während ihres nur kurzen Aufenthalts sogar nasse Füße bekommen, stimmt was nicht auf der Zellenetage.

Was da nicht stimmt, ist kein Geheimnis, bisher aber eher als interne Angelegenheit gesehen und schon gar nicht so anschaulich formuliert worden, wie es Andreas Schneider und Ulla Peppler nach einem Besuch des Reviers getan haben: Die beiden Offenbacher Stadtverordneten schreiben in ihrer Klage über die baulichen Unzulänglichkeiten des Polizeidomizils von „Wasser, das aus der Wand kommt wie aus einem Springbrunnen“. Von „Schimmelbildung, die bei ständig feuchten Räumlichkeiten nicht mehr ausgeschlossen werden kann“. Von „einer Fäkaliengrube, die inzwischen als Störung der Öffentlichen Sicherheit und Ordnung bezeichnet werden“ könne. Und davon, wie verständlich es sei, „dass die Toleranzgrenze und die Geduld der Mitarbeiter überschritten sind“.

Das Problem, haben Schneider und Peppler vor Ort erfahren, liege sowohl an der maroden Kanalisation wie am von der Stadt an das Immobilienmanagement des Landes vermieteten Gemäuer selbst. Schon seit den siebziger Jahren stehe der Keller regelmäßig unter Wasser. Früher sei das zwei, drei mal im Jahr passiert, heute aber sei es nach starken Regengüssen an der Tagesordnung. Schneider: „Die Lage spitzt sich zu.“

Wissen nicht, was passiert, wenn es wieder stärker regnet

Das will Polizeipressesprecher Henry Faltin so nicht bestätigen. Nicht mehr. Die Stadt habe zwischenzeitlich Sofortmaßnahmen ergriffen. Stadtsprecher Matthias Müller erklärt‘s genau: Eine Entwässerungsleitung wurde stillgelegt und eine provisorische Regenwasserleitung erstellt. „Momentan hält es“, sagt Faltin. „Wir sind aber keine Propheten und können nicht sagen, was passiert, wenn es mal wieder stärker regnet.“

Mit meteorologischem Glück werden Polizisten, Verdächtige und Auszunüchternde auch nicht mehr herausfinden müssen, ob es das im Ernstfall schnell einige Zentimeter hoch im Keller stehende Wasser vielleicht sogar bis über den Sockel der Zellenebene schafft. Denn die Stadt will das Problem aus der Welt schaffen, bevor die Ordnungshüter in die Verlegenheit kommen, ihre schwarzen Schäfchen ins Trockene bringen zu müssen. Zu den Kollegen nach Hanau beispielsweise. Das wäre zeit-, material- und personalintensiv.

Stadtsprecher Müller erklärt den Fahrplan für die Sanierung: „Man hat bis zur Mitte des Hofes graben müssen, um zu wissen, woran es liegt. Wir werden jetzt verschiedene Sanierungsvarianten überprüfen und mit der Projektvorlage in die politischen Gremien gehen“. Die Stadtverordnetenversammlung habe dann wohl in der März-Sitzung eine Entscheidung über die Ausschreibung eines Sanierungsauftrags für einen möglicherweise sechsstelligen Betrag zu treffen.

Eine Investition, die weh tun wird, weil überall in Offenbach Bedarf herrscht und es überall eilt, die Stadt aber bekanntlich nicht im Geld schwimmt.

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