Gewaltprävention an Schulen

Mit dem Koffer in die Klasse

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Geber und Nehmer des Methodenkoffers: Winfried Männche (Sicheres Offenbach), Peter Schneider (Schuldezernent), Dr. Peter Bieniussa (Staatliches Schulamt), Fanni Mülot (Geschwister-Scholl-Schule), Christiane Rogler (Rudolf-Koch-Schule) und Dr. Michael Koch (Jugendamt, von links).

Offenbach - Rahmenkonzept und Methodenkoffer zur Gewaltprävention an Schulen: „Klingt trocken, ist aber ein gelebtes Modell“, betont Schuldezernent Peter Schneider. Und das klappt seit zehn Jahren. Von Markus Terharn 

Der Koffer ist kein Gepäckstück, sondern ein Reader, wie es neudeutsch heißt: 100 Seiten stark, plus CD, plus Broschüre zur CD. Damit arbeiten derzeit zwölf Schulen, jährlich mehr als 2000 Menschen. Seit dem Start im Jahr 2005 haben 17.699 Personen an diesem Programm teilgenommen – und zwar Schüler, Lehrer und Eltern. Dass das Thema angekommen ist und das Angebot angenommen wird, belegen die Zahlen. Denn der Finanzbedarf, den die Schulen anmelden, übersteigt das zur Verfügung stehende Geld, 55.000 Euro pro Jahr, um durchschnittlich 20.000 Euro. Der städtische Zuschuss lag für 2014 bei 21.000 Euro vom Jugendamt aus Sachmitteln für Gewaltprävention plus 4000 Euro für Jugendkulturarbeit, Sport und Jugendhilfe. Mit 25.000 Euro zuzüglich 10 000 für Medienrisiken und Suchtprävention beteiligte sich der Förderverein Sicheres Offenbach. Dazu kommen nochmal 1100 Euro aus dem Topf Kommunale Prävention.

Das Gefühl, Opfer geworden zu sein, hat schwerwiegende psychosoziale Folgen, so Bürgermeister Schneider. Ziel ist daher, es gar nicht so weit kommen zu lassen und die Persönlichkeit zu stärken, als Teil des Schulalltags.

Gewaltprävention im Schulprogramm verankern

Mit dieser Idee trat Sicheres Offenbach vor zehn Jahren an die Schulleiterdienstversammlung, berichtet der stellvertretende Vorsitzende Winfried Männche. Und fand in Dr. Michael Koch vom Jugendamt einen kompetenten Mann, der ein wissenschaftliches Konzept entwickelt hat und die Anträge der Schulen bewertet. „Es ist ja nicht damit getan, dass da einmal ein Training stattfindet“, betont Koch. „Die Gewaltprävention muss im Schulprogramm verankert und im Unterricht integriert sein.“ Wichtig sei, dass Pädagogen und Sozialarbeiter wüssten, was zu tun sei, wenn Gewalt drohe.

Ein Erfolg: „Die Haltung an den Schulen hat sich gewandelt, weg von der Annahme, für dieses Problem sei das Jugendamt zuständig“, hat Dr. Peter Bieniussa als Leiter des Staatlichen Schulamts für Stadt und Kreis beobachtet.

Klassisch und modern: Die besten Spick-Methoden

Das können Leiterinnen zweier beteiligter Schulen bestätigen. Fanni Mülot von der Geschwister-Scholl-, einer Integrierten Gesamtschule, ist dankbar für die professionelle Beratung und spricht von einem hilfreichen Angebot – nicht zuletzt in finanzieller Hinsicht. Und: „Wir haben es mit eigenen Ideen weiterentwickelt.“ Ergebnis: Vandalismusschäden an Bushaltestelle und Wänden zum Beispiel seien kein Thema mehr.

Für die Rudolf-Koch-Schule (Schule ohne Rassismus, auf dem Weg zur Kulturschule und zertifiziert in Sachen Gesundheit) sagt die Direktorin Christiane Rogler: „Der Effekt ist schwer in Zahlen zu messen. Aber es gibt einen spürbaren Wohlfühlfaktor.“ Über die Arbeit in Projekten und im Unterricht schreibe das Gymnasium regelmäßig Berichte. „Das ist Pflicht, und das ist auch gut so.“

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