Aufnahme von bis zu 1000 Flüchtlingen

Gewerbe-Immobilie im Kaiserlei: Noch zu wenig Notausgänge

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Markierungen auf dem Hallenboden zeigen die freizuhaltenden Fluchtwege zwischen den Bettenlagern an.

Offenbach - So viel Leben war ewig nicht auf dem Areal Kaiserleistraße 19. Lange ist es her, dass dort die Firma Emda dentistisches Zubehör wie etwa Zahnarztstühle fabriziert hat. Von Markus Terharn

Derzeit herrscht reges Kommen und Gehen: Sicherheitspersonal öffnet die Schranke für Fahrzeuge des Technischen Hilfswerks. Bundeswehrsoldaten legen eine Rauchpause auf dem Parkplatz ein. Der Kran der Feuerwehr setzt einen Duschcontainer ab. Es ist ein Lärm wie auf einer Baustelle. Kein Wunder: Schon gestern Abend sollte die der Firma Fissler gehörende Gewerbe-Immobilie in einen Zustand versetzt sein, der die Aufnahme von 260 Flüchtlingen ermöglicht. 222 wurden in der Nacht erwartet. Wann die Kapazität von 1000 erreicht ist? In der Frage halten sich die Teilnehmer am gestrigen Ortstermin, Vertreter von Stadt Offenbach und Regierungspräsidium Darmstadt, jedoch bedeckt. „Das ist Sache der Politik“, heißt es unisono. „Wir sind nur fürs Bauliche zuständig.“

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Feuerwehrleute haben Container mit Duschen auf dem Gelände zwischen Kaiserleistraße und Nordring abgeladen. Es sind aber längst nicht genug.

Und da ist genug zu tun. Zug um Zug soll aus der provisorischen städtischen Notunterkunft ganz offiziell eine Außenstelle der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge (HEAE) in Gießen werden. Das dauert indes nun doch wieder etwas länger als bislang kommuniziert. Auch drinnen bietet sich ein Bild reger Bautätigkeit. Im Hintergrund kreischt eine Flex. Auf dem Boden der früheren Fertigungshalle sind weiße Linien aufgemalt, es riecht noch frisch nach Farbe. Den Grund erläutert der zuständige Mann aus Darmstadt, RP-Abteilungsdirektor Christian Dornblüth: Es gilt die Fluchtwege zu markieren. Ausgerechnet vor die Fenster, wo wohl mancher gern sein Feldbett aufstellen würde, dürfen keine hin. 60 Betten sollen in die erste Halle, 200 in die zweite. Sie kommen aus der Turnhalle des Berufsschulzentrums am Buchhügel, das somit, anders als zunächst geplant, keine Flüchtlinge aufnehmen muss.

Flüchtlingsunterkunft am Kaiserlei: Bilder

Im Übergang zum Bürotrakt (alte Anschrift: Nordring 150) sollen die Asylsuchenden empfangen und medizinisch untersucht werden. Ohne Gesundheitscheck wird niemand aufgenommen. Wer die Einrichtung später betreiben soll, ist noch nicht entschieden; in Frage kommen Hilfsorganisationen wie das Deutsche Rote Kreuz oder der Arbeiter-Samariter-Bund. Mittelfristig sollen vor allem Familien in den früheren Büros untergebracht werden. Dort gibt es helle, freundliche Räume mit Fensterbändern, weißen Wänden und abgehängten Decken. Der Teppichboden ist herausgerissen, der Estrich gereinigt. Trotzdem kann es bis zu zwei Wochen dauern, bis die ersten Menschen dort nächtigen. Als Ursache nennt RP-Mann Dornblüth die fehlenden Notausgänge in den oberen Stockwerken des Dreigeschossers. Werden da doch wesentlich mehr Personen befristet wohnen, als je dort gearbeitet haben.

Weiteres Problem: Noch immer fehlt es an Duschen. Bislang sind auf dem Gelände erst 16 installiert, die Beschilderung lässt auf niederländische Herkunft schließen. Bei 1000 Menschen, das ist die anvisierte Obergrenze am Standort, halten Fachleute 100 Duschgelegenheiten für notwendig. Wann die da sind, vermag niemand zu sagen. Höchstes Lob seitens der Verantwortlichen gilt dem THW sowie den Mitarbeitern von Feuerwehr und Stadtdienstleister ESO. „Gemeinsam werden wir das schaffen“, gibt sich Oberbürgermeister Horst Schneider zuversichtlich. Vielleicht hat er die Inschrift auf den WC-Containern gelesen: „Toi Toi“...

Flüchtlinge in Offenbach angekommen: Bilder

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