Aushängeschilder des örtlichen Wirtschaftslebens suchen Rezepte für die Zukunft.

Gewerbevereine unter Druck

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Erfolgreiche Initiative des Hainburger Gewerbevereins: Der neue Bauernmarkt im Ortsteil Hainstadt lockt jeden Donnerstag Kundschaft an die Offenbacher Landstraße.

Offenbach - Sie verstehen sich als Sprachrohr der lokalen Unternehmen, als Scharnier zwischen Einzelhandel und Verwaltung, als Hüter und Förderer ökonomischer Potenz einer Kommune - die Gewerbevereine und Werbegemeinschaften. Alleine 27 gibt es in der Region Offenbach. Von Matthias Dahmer

Doch vielfach haben diese Aushängeschilder des örtlichen Wirtschaftslebens Patina angesetzt; wird versucht, mit alten Rezepten die neuen Herausforderungen zu meistern. Nicht gerade förderlich ist dabei zudem der Umstand, dass die zeitaufwändigen Aufgaben von den Vereinsspitzen ehrenamtlich geleistet werden. Der Gewerbeverein ein Auslaufmodell?

Auf keinen Fall, meint Karl-Christian Schelzke, Chef des Hessischen Städte- und Gemeindebundes. Die Gewerbevereine seien für die Identität einer Stadt wichtig, gehörten in die Entwicklung einer Kommune eingebunden. Um zu wissen, wohin für sie die Reise gehe, so Schelzke, müssten sie aber mehr Kundenorientierung zeigen, sollten die Bürger fragen, was sie zu kaufen wünschten. „Der Kontakt zum Kunden gehört halt nicht zur traditionellen Aufgabe der Gewerbevereine“, bedauert Schelzke.

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Die Abkehr vom „Weiter so“ ist auch für Frank Achenbach, Referent für Wirtschaftspolitik bei der IHK Offenbach, das Gebot der Stunde. Natürlich hätten die Gewerbevereine beim ehrenamtlichen Engagement mit den gleichen Problemen zu kämpfen wie andere Vereine auch. Doch insbesondere für die Mittelzentren sieht er eine Chance, wenn man dort auch mal Neues ausprobiert. „Nicht immer das gleiche Fest, sich nach außen öffnen, mit pfiffigen Ideen punkten“, formuliert Achenbach, der im Arbeitskreis der hessischen Industrie- und Handelskammern für Raumordnung und Stadtenwicklung an vorderster Front steht. Trotz der fast übermächtigen Konkurrenz der Konsumtempel in den Großstädten ist für den IHK-Mann das Kundenpotenzial nicht verloren. Wenn man denn ein eigenes Profil entwickle und neue Partner mit ins Boot hole. Als positives Beispiel führt Achenbach hierbei die Arbeitsgemeinschaft Stadtmarketing Seligenstadt an, wo Gewerbe und Kommune zusammenarbeiten.

Bislang vernachlässigt bei der Suche nach den richtigen Rezepten wurden nach Ansicht des IHK-Referenten die Hauseigentümer, mit deren Bereitschaft zu vertretbaren Konditionen zu vermieten, jedes Stadtmarketing-Konzept steht und fällt. Frank Achenbach: „Die Hauseigentümer wurden bisher oft außen vor gelassen. Sie haben so vielfach den Bezug zum Wirtschaftstandort verloren.“ Zudem müsse man sie als Vermieter davon überzeugen, nicht auf den „schnellen Euro“ zu setzen. Auch hier kann Achenbach positive Ansätze in der Region erkennen: So verfolge man bei der Neustrukturierung des kleinen Heusenstammer Einkaufszentrums „Alte Linde“ den Weg, eben die betroffenen Hauseigentümer mitreden zu lassen.

In die richtige Richtung gehe dabei zudem die Initiative des Landesgesetzgebers, der 2005 das hessische Gesetz zur Stärkung von innerstädtischen Geschäftsquartieren (INGE) beschlossen hat.

Ein Gewinn wäre es für Achenbach, wenn die Gewerbevereine weitere Berufsgruppen in ihre Runde holen würden. Ärzte oder Steuerberater etwa- „Sie alle generieren Kunden in der Innenstadt“, ist sich der IHK-Vertreter sicher.

Die Gewerbevereine sind zeitgemäßer denn je“, ist Horst Günter Flick, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes für Stadt und Kreis Offenbach, überzeugt. Ihnen seien die Probleme vor Ort, wie Umsatzrückgang und verändertes Kaufverhalten, am besten bekannt, sie hätten den kurzen Draht zu den Behörden. Trotz Globalisierung sieht Flick die Zukunft in „schlagkräftigen“ Gewerbevereinen. Eines müsse ihnen allerdings gelingen: Die persönlichen Befindlichkeiten beiseite zu schieben und sich der Sache widmen. „Die Arbeit des Vorstands muss von den Mitgliedern auch gewürdigt werden“ sagt Flick. Er weiß wovon er redet. Gehörte er doch zu den Gründern des Dreieicher Gewerbevereins.

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