Gewinn-Abzockern das Geschäft verdorben

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Nicht jede Bustour ist schön - wenn Kaffeefahrt-Veranstalter ihre Opfer mit dem Bus ins Blaue entführen, müssen sie damit rechnen, dass die Ordnungsmacht inkognito an Bord ist.

Offenbach ‐ Die goldenen Zeiten für Kaffeefahrten-Veranstalter werden in der Region zu ungemütlichen. Wenn sie ihre Opfer mit dem Bus ins Blaue entführen, müssen sie damit rechnen, dass die Ordnungsmacht inkognito an Bord ist; laden die Gauner in ein bestimmtes Lokal ein, kann dort bereits die Offenbacher Polizei warten, um ihnen das Geschäft zu verderben. Von Thomas Kirstein

Am Montag traf es die Abgesandten der GewinnAbzockfirma „Dr. Böhm & Schneider Finanzdienstleistungen“, die in den vergangenen Monaten zahlreiche ältere Menschen mit amtlich aufgemachten Gewinnbe nachrichtigungen und anschließenden Telefonanrufen verunsichert hatte.

Vorgestern warteten Beamte des Präsidiums Südosthessen und des Offenbacher Ordnungsamts ab, bis die arglosen Teilnehmer ihr versprochenes kostenloses Mittagessen verzehrt hatten. Dann unterbanden sie die geplante Verkaufsveranstaltung.

Von den rund dreißig älteren Leuten aus dem Kreisgebiet, die sich nicht durch öffentliche Warnungen von einer Teilnahme hatten abhalten lassen, beschwerte sich laut Polizeisprecher Henry Faltin niemand über das abrupte Ende.

Sichtlich enttäuschtes Verkäufer-Quartett

Die Kommissare vom Offenbacher Betrugsdezernat konnten diesmal einschreiten, weil zuvor mehrere Anzeigen von Betroffenen eingegangen waren, die sich bei früheren Kaffeefahrten von „Dr. Böhm & Schneider“ über den Tisch gezogen fühlten.

Ein sichtlich enttäuschtes Verkäufer-Quartett blieb auf seiner Ware sitzen. „Ob sie mit ihren zweifelhaften Methoden noch einmal im hiesigen Bereich auf Kundenfang gehen, ist zu bezweifeln“, meint Ingbert Zacharias von der Polizepressestelle. Die vier kommen allerdings ungeschoren davon, weil gegen sie persönlich nichts vorliegt und die Polizei ja einen Betrug verhinderte.

Der Bremer (61), der Duisburger (38), der Cottbuser (33) und die 31-Jährige aus Euskirchen agieren als selbstständige Verkäufer, nicht als Mitarbeiter der dubiosen Firma. Diese Konstruktion macht es den Kunden schwer, auf ihr Stornorecht zu pochen. Weil sie keinen Vertragspartner erreichen, bleiben viele auf bezahlter Ware sitzen, die ihnen mit an Gehirnwäsche grenzenden Methoden angedreht wurde.

Heutzutage gibt es allerdings seltener die berüchtigten Heizdecken. Lukrativer Kern eines modernen Kaffeefahrten-Sortiments sind minderwertige Reisen und wirkungslose Wundermittel wie „Nahrungsergänzung“ und Magnetfeldmatte.

Großzügige Abschläge auf Mondpreise

Die aufgeschwatzten Reisen führen in abgelegene Hotels, wo das Programm wiederum aus Verkaufsveranstaltungen besteht. „Dort gibt’s dann wieder Präparate, die sämtliche Falten glätten, den Alterungsprozess aufhalten, Haare wieder viel und schwarz werden lassen und sämtliche Leiden beseitigen“, treibt Faltin auf die Spitze, für welchen Schund den Opfern mit ausgefeilten Tricks das Geld aus der Tasche gezogen wird.

Der Polizist hat auch eine Antwort auf die oft gestellte Frage, was es denn mit den versprochenen Gewinnen auf sich habe: Es gibt tatsächlich welche, allerdings nie in bar, sondern nur in Form von großzügigen Abschlägen auf Mondpreise beziehungsweise Gutscheinen für überteuerte Reisen.

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