Gewinn trotz Niederlage

Tour durch Leder- und selbst ernannte Kreativstadt

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Ansehnliche Etappe auf der Tour durch die Stadt: Gästeführerin Monika Krämer und Oberbürgermeister Horst Schneider stellten neuen Offenbachern auch das wiederaufgebaute Rumpenheimer Schloss vor.

Offenbach - Es gibt etliche Möglichkeiten, um eine Stadt kennenzulernen. Auch Neubürgern in Offenbach erschließt sich das unbekannte Wohnumfeld erst nach und nach. Ihnen bietet Oberbürgermeister Horst Schneider seine Begleitung an. Von Harald H. Richter 

Zwei Mal im Jahr unterbreitet er seine Offerte, die an diesem Samstag von 30 Interessierten angenommen wird. Darunter sind auch einige Alteingesessene, die aus berufenem Munde einiges darüber erfahren möchten, was sich in ihrer Stadt tut.

Mit ihnen begibt sich der Verwaltungschef vom Rathaus aus zunächst zu Fuß durchs Kulturkarree und danach per Bus auf eine zweistündige Rundtour. Für jeden Teilnehmer hat Stadtführerin Monika Krämer vertiefendes Informationsmaterial dabei und gibt unterwegs kundige Erläuterungen. Am Anfang stehen Tradition und Geschichte, Bildung und Kultur der vor 60 Jahren zur Großstadt gewordenen Kommune. Markierungszeichen sind das Gotteshaus der Französisch-Reformierten Gemeinde, Büsingpalais und -park, Bibliotheken und Museen, Stadtarchiv, von Metzlerscher Badetempel und der Ende des 19. Jahrhunderts errichtete Baukomplex der ehemaligen Schnupftabakfabrik. Der OB verweist darauf, dass infolge Umbauarbeiten im Rathaus das Bürgerbüro alsbald in dieses Quartier wird umziehen müssen. „Ob nur zeitweilig oder dauerhaft, bleibt abzuwarten“, sagt er.

Kein Stillstand

Der seit 1832 bestehenden Hochschule für Gestaltung mit ihren heute rund 600 Studierenden und dem Isenburger Schloss gilt im Vorüberfahren das Augenmerk, bevor sich die Gruppe dem prosperierenden neuen Hafenviertel nähert. Der Busfahrer laviert sein Transportmittel zwischen Betonmischern und Baustellenkippern hindurch, die untrüglich indizieren, dass hier auch am Wochenende kein Stillstand herrscht. Schließlich sollen die Wohn- und Gewerbegebäude möglichst termingerecht hochgezogen werden. Schneider weist darauf hin, dass etwa die Hälfte derer, die auf der Main-Halbinsel zwischen Hafenbrücke und Fluss bereits Wohnraum bezogen haben, aus der benachbarten Metropole stammt. Hedwig Ehlert freilich zog vor geraumer Zeit vom Frankfurter Dornbusch nach Bieber, beäugt dennoch interessiert, was sich im Hafenviertel tut. Sie ist gewissermaßen Rückkehrerin, „denn ich habe früher schon einmal in Offenbach gewohnt, und die Söhne leben ebenfalls hier.“

Vorbei an Heyne-Kunst-Fabrik, Boxclub und alternativem Kulturzentrum Hafen 2 in der Kurve des Nordrings ist der Kaiserlei das nächste Ziel. „Durch die Europäische Zentralbank im Osten Frankfurts erwarten wir einen deutlichen Stadtentwicklungsschub auch für unsere Stadt“, ist der OB überzeugt. Er erwähnt die Überlegungen zum Bau einer Multifunktionsarena und den für 2016 zu erwartenden Beginn der Umgestaltung des Kreisels. In unmittelbarer Nachbarschaft der Hyundai-Zentrale, die sowohl ihr Deutschland- als auch Europageschäft von Offenbach aus koordiniert, könnten nach Schneiders Einschätzung in den nächsten Jahren Firmenniederlassungen auf Gewerbeflächen für Besiedlung sorgen. Auch die Umnutzung bestehender Liegenschaften sei wahrscheinlich.

Zwei lokale Wahrzeichen verschwinden

Zwei lokale Wahrzeichen verschwinden

Den Dreieichpark rechts liegen lassend, wirft die Gruppe an der Frankfurter Straße einen Blick auf die Zentrale des Deutschen Wetterdienstes. Dort geht unter der Woche Neubürger Andreas Müller seiner Arbeit nach, vor ein paar Monaten aus der Wetterau zugezogen. Erst kürzlich hat er an einem ebenfalls von Monika Krämer geführten Stadtspaziergang entlang der Kaiserstraße teilgenommen, um mit seiner neuen Heimat vertraut zu werden: „Dabei bin ich auf die Rundfahrt mit dem Oberbürgermeister hingewiesen worden und habe mich gleich dafür angemeldet.“

OB Schneider, dessen Familie väterlicherseits seit vier Generationen in Offenbach verortet ist, zeigt den Teilnehmern auch sein Wohngebiet mit Altem Schlachthof, Wetterpark und Buchhügel. Bürgel, Rumpenheim und Waldheim sowie das Wohngebiet An den Eichen sind letzte Stationen dieser Tour, die im Stadion endet. Mit Freikarten zum Besuch des Fußball-Länderspiels der deutschen Frauenelf gegen Frankreich versehen, mischt sich die Gruppe unter die rund 5300 Zuschauer und feuert das Team um Bundestrainerin Silvia Neid lautstark an. Allerdings vergebens, denn die Partie geht 0:2 verloren. „Macht aber nix, denn alles Erlebte war für mich ein Gewinn“, zieht einer der Neu-Offenbacher sein persönliches Fazit.

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