Interview: „Gewisse Resignation“

Offenbach ‐ Mit jungen Straftätern hat Jugendrichter Volker Weimar am Offenbacher Amtsgericht tagtäglich zu tun. Unser Redaktionsmitglied Fabian El Cheikh hat mit ihm gesprochen.

Herr Weimar, was sagen Sie zu dem Vorwurf, dass Richter zu milde urteilen?

Das stimmt so einfach nicht. Es gibt gewisse, medienwirksame Fälle, die diesen Eindruck erwecken. Auch Richter sind nur Menschen, es gibt sicher welche, die härter urteilen, andere milder. Es ist hier ja kein Computer, der die Strafe ausspuckt. Jeder Richter bewertet die Situation ein wenig anders.

Viele Bürger verstehen nicht, dass Jugendliche, die Unrecht begangen haben, nach der Verhaftung häufig wieder auf freien Fuß kommen. Warum geschieht das?

Ich kann eine Person nur in U-Haft nehmen, wenn Haftgründe vorliegen. Das ist auch richtig so. Wenn ich jemanden einsperren will vor der Verurteilung, sind mir ganz enge Grenzen gesetzt. Da müsste schon eine so hohe Straferwartung vorliegen, dass Fluchtgefahr besteht. Oder derjenige hat in der Vergangenheit so viele Straftaten begangen, dass die Gefahr besteht, er könnte seine Tat wiederholen.

Können Wiederholungstäter, sozusagen Stammgäste der Justiz, überhaupt noch auf den rechten Weg zurückgeführt werden?

Das ist natürlich ein großes Problem. Man verfällt da schon in gewisse Resignation. Es handelt sich hier ja um Leute, die meist keinen Schulabschluss haben, die gesellschaftlich nicht integriert, die sozial gescheitert sind. Sie leben in ihrer eigenen, kriminellen Subkultur. Die da raus zu holen, ist schwierig.

Haben Sie den Eindruck, dass Schulen oder Familien versagen? Handelt es sich bei jugendlicher Kriminalität um die Konsequenz falscher oder fehlender Erziehung?

Ja, den Eindruck hat man schon manchmal. Man fragt sich, ob in solchen Familien Erziehung überhaupt noch stattfindet, dass Kindern entsprechende Grundwerte vermittelt werden, dass man das Eigentum anderer zu achten hat oder auch die körperliche Integrität eines Menschen. Von Seiten schulischer oder staatlicher Stellen wird viel getan, leider aber oft erfolglos.

Sind alternative Sanktionen wie das Ableisten sozialer Stunden, etwa in Altenheimen, wirkungsvoller als eine Haftstrafe?

Wir machen ja beides. Dinge wie Ladendiebstahl, Schwarzfahren, leichte Körperverletzungen, also die Masse der Fälle, kann man nicht immer gleich mit Freiheitsentzug ahnden, besonders nicht bei Ersttätern. Da sind soziale Maßnahmen wie das Ableisten von Arbeitsstunden durchaus ein wirkungsvolles Instrumentarium.

Rubriklistenbild: © Fabian El Cheikh

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