Dem Gewitter auf den Fersen

Offenbach - (alk) „Gerade bei Gewittern stehen Meteorologen immer auf dem Schlauch“, gibt Dr. Gerhard Steinhorst zu. Der für die Wettervorhersage Zuständige im Vorstand des Deutschen Wetterdienstes ist immer wieder mit Bürgern konfrontiert, die sich nach einer Unwetterwarnung wundern: „Bei mir war doch gar nichts.“

Zu bestimmen, ob sich ein lokal beschränktes Gewitter drei Kilometer weiter westlich oder östlich entlädt, fällt den Meteorologen bislang schwer. Mit dem neuen Super-Rechner erwarten sie nun deutliche Fortschritte. „Künftig werden wir unsere Modell mit unterschiedlichen Randbedingungen durchrechnen“, sagt Steinhorst. So werde es möglich, Wetterlagen genauer räumlich zuzuordnen.

So sei es durchaus möglich, für den nächsten Tag zum Beispiel anzugeben, wie groß die Wahrscheinlichkeit eines Sommergewitters im Freibad auf der Offenbacher Rosenhöhe im Vergleich zum Langener Waldsee sein wird. Wer sich bei der Wahl der besten Liegewiese auf die Prozentzahlen des DWD verlässt und trotzdem nass wird, hat dann eben Pech gehabt.

Aufgrund der neuen Möglichkeiten des Super-Rechners werde sich die Vorhersage mittelfristig verändern. So werde im Wetterbericht bald nicht mehr von „überwiegend bedeckt und gelegentlichen Schauern“ die Rede sein. Stattdessen sollen Angaben über die prozentuale Wahrscheinlichkeit eines Regengusses in bestimmten Regionen zum Standard werden.

Doch nicht nur Sonnenanbeter profitieren vom technischen Fortschritt: „20 Prozent des Rechners gehören der Bundeswehr“, erläutert DWD-Sprecher gerhard Lux. Nach der Aufgabe des Standorts Traben-Trarbach nutzt das Amt für Geoinformationswesen der Bundeswehr nun das Offenbacher Superhirn, um das Wetter an allen Einsatzgebieten der Bundeswehr weltweit zu berechnen. Zudem hält das Meteorologische Rechenzentrum in Offenbach Reserven vor, die anderen Behörden des Bundesverwaltung für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung zur Verfügung stehen.

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