Gewölbe am Bierbrauerweg

Verwitterte Stadtgeschichte

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Alte Fässer zeugen davon, dass in den Felsenkellern einst Apfelwein lagerte.

Offenbach - Ein provisorischer Zaun, dahinter Bäume, die ihr Laub verloren haben, Moos und Efeu bedecken das Mauerwerk und die kaum erkennbaren Türen: Die Eingänge zu Offenbachs wohl am wenigsten bekannten Bauwerk könnten unscheinbarer nicht sein. Von Matthias Dahmer

Wie Finger bohren sich am Bierbrauerweg historische, für die Öffentlichkeit nicht zugängliche Kellergewölbe in das Gestein unterhalb des oberen VfB-Sportplatzes. Dass sie derzeit aus dem Dunkel der Vergangenheit geholt werden, ihr Inneres buchstäblich erhellt wird, ist dem Zahn der Zeit geschuldet.

Alte Fässer zeugen davon, dass in den Felsenkellern einst Apfelwein lagerte.

Nachdem im Sommer das Erdreich am Sportplatz auf mehreren Quadratmetern abgesackt war, musste die Stadt handeln: Die fünf etwa elf Meter hohen Luftschächte, die von den Felsenkellern auf den Platz münden und zum Teil von verfülltem Gestein umgeben sind, werden in diesen Wochen aufwändig abgestützt und saniert.

Scheinwerfer und Baulampen erhellen abschnittsweise die zwischen 40 und 70 Meter langen, bis zu fünf Meter hohen und zum Teil miteinander verbundenen Gewölbe. Es riecht modrig, Schutt versperrt mitunter den Weg. Dass dort einst der Nachschub für durstige Kehlen der Region lagerte, ist nur schwer vorstellbar. Doch schon im nächsten Keller legen riesige, verwitterte Holzfässer Zeugnis davon ab, dass die Gewölbe früher Getränke beherbergten. Bierbrauer (daher Bierbrauerweg) bunkerten dort ihren Gerstensaft und zur Kühlung benötigtes Eis. Noch vor zwei Jahrzehnten, weiß man im sich um die Keller kümmernden Liegenschaftsamt, nutzte ein Frankfurter Unternehmen die Offenbacher Stollen zur Lagerung von Apfelwein.

Der Vorstellung, dass die Gewölbe irgendwann wieder in irgendeiner Form reaktiviert werden könnten, erteilen die Fachleute angesichts von Zustand und Zuschnitt des ohnehin nicht ausreichend belüfteten Gemäuers eine klare Absage. Ein ähnlicher, in privater Hand befindlicher Keller an der Bieberer Straße gegenüber dem Kickersstadion, der auch zum Kellersystem im Bieberer Berg gehört, diente Anfang der 90er Jahre für einige Zeit als Kneipe, später als Disco.

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Wirklich gesicherte Fakten zur Geschichte der unterirdischen Räume sind rar. Mit verbliebenen Stollen, die einst durch Kalkabbau am Bieberer Berg entstanden sind, haben die Keller nach Expertenmeinung nichts zu tun. In einigen Gewölben an der Bieberer Straße, so viel ist belegt, suchten Anwohner im Zweiten Weltkrieg Schutz vor Fliegerbomben. Und in einem Keller am Bierbrauerweg soll in jüngster Vergangenheit ein findiger Zeitgenosse eine Champignonzucht untergebracht haben.

Angesichts der beschränkten Möglichkeiten kann sich das Team vom Liegenschaftsamt nur darauf beschränken, die immerhin digital vermessen Felsenkeller unter Sicherheitsaspekten vor dem gänzlichen Verfall zu bewahren. Was die laufende Sanierung der Luftschächte angeht, kann Amtsleiter Jürgen Amberger seinen Mitarbeiter denn auch bescheinigen, sie hätten umsichtig gehandelt.

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