Woche der Wiederbelebung

Mit Stromstößen Leben retten

Dieses Piktogramm weist auf einen Defibrillator hin.

Offenbach - Die Woche der Wiederbelebung rückt das Thema Reanimation in den Fokus. Im Falle eines Herzstillstands sollte jeder helfen können. Allerdings gibt es in Offenbach zu wenig Defibrillatoren. Von Harald H. Richter

Ein Passant bricht zusammen, wie vor einem Lebensmittelmarkt am Marktplatz geschehen. Dank beherzten Eingreifens des Filialleiters wird der Mann durch Reanimation vor dem Herztod bewahrt. Entsprechendes Wissen wird in Kursen gelehrt.

Wer nicht Bescheid weiß, kann trotzdem helfen, sofern ein Defibrillator (Defi) in der Nähe ist. Die Schockgeber gibt es ab 500 Euro. Sie eignen sich wegen einfacher Bedienbarkeit und sprachgebender Schritt-für-Schritt-Anleitung für eine Anwendung durch Laien.

Defibrillatoren können durch gezielte Stromstöße Herzrhythmusstörungen beenden. Die Geräte werden auf Intensivstationen, in Operationssälen, Notfallaufnahmen sowie Fahrzeugen des Rettungsdienstes bereitgehalten. Seit Jahren sind auch in Offenbach öffentlich zugängliche Gebäude mit Defibrillatoren ausgestattet. Ihre Standorte sind durch ein grün-weißes Piktogramm gekennzeichnet.

Im Stadtgebiet gibt es sie unter anderem im Rathaus, bei Arbeitsagentur und EVO sowie mehreren Betrieben, ebenso beim Deutschen Wetterdienst und in einigen Einkaufszentren. Das für solche Fälle geschulte Personal im Waldschwimmbad auf der Rosenhöhe verfügt ebenfalls über ein Gerät. Obwohl jeder damit umgehen kann, scheuen selbst größere Handelsunternehmen diese Anschaffung, weil sie keine Pflicht sei, wie eine Stichprobe ergeben hat. Stattdessen wird auf die betrieblichen Ersthelfer verwiesen, die imstande seien, Wiederbelebungsmaßnahmen zu ergreifen.

„Es ist wahr, Schockgeber sind nicht gesetzlich vorgeschrieben, ihre Anschaffung ist aber sinnvoll“, sagt Detlef Rottmann, Leiter Rettungsdienst und Katastrophenschutz beim ASB in Offenbach. „Da wir regelmäßig die Betriebsersthelfer im Ringcenter schulen, haben wir vor Jahren die Anschaffung eines Geräts für dieses Einkaufszentrum gesponsert.“ Wenn dort jemand in akute Gefahr gerät, kann ihm jeder Laie das Leben retten.

Während der laufenden Aktionswoche soll das Bewusstsein in der Bevölkerung fürs Handeln im Notfall geschärft werden. Die Helferquote beim Herzstillstand ist im internationalen Vergleich sehr gering: Nur in 17 Prozent der Fälle werden einfache, lebensrettende Maßnahmen ergriffen. „Bei einem Herzstillstand sind es nur wenige Minuten, die über Leben und Tod entscheiden“, macht Rottmann deutlich. „Bis zum Eintreffen der Rettungskräfte vergeht also wertvolle Zeit. Die Überlebenschancen eines Betroffenen steigen aber um ein Vielfaches, wenn ein Defi in der Nähe ist und jemand ihn zum Einsatz bringt.“

Viele Menschen wagen es nicht, in einer solchen Situation lebensrettend einzugreifen. Sie haben Angst, etwas falsch zu machen, und fürchten Konsequenzen. Diese Sorge ist aber unbegründet. „Mit wenigen, einfachen Schritten kann ein Herzstillstand festgestellt, der Notruf gewählt und die Herzdruckmassage begonnen werden“, ist DRK-Rettungsassistent Till Wendt überzeugt.

Wo sich im eigenen Wohnumfeld ein Defi-Standort befindet, lässt sich nicht konkret feststellen. Es gibt zwar eine App, die zu Defibrillatoren führt. Aber die weist Lücken auf, weil die Geräte nicht zentral registriert werden. Übersichten im Internet sind unvollständig.

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