„Es gibt viele Wege nach Rom“

+
Was Friedrich Rixecker von der IHK-Offenbach empfiehlt.

Offenbach ‐ Welche Tipps kommen aus der Wirtschaft? Mit Friedrich Rixecker, bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Offenbach zuständig für Aus- und Weiterbildung, hat unser Redaktionsmitglied Peter Schulte-Holtey gesprochen.

Was sollten Eltern und Schüler jetzt vor allem beachten?

Aus Sicht der ausbildenden Wirtschaft und der IHK Offenbach ist für die weiterführende Schule wichtig, wie es um die Lehrer- und Unterrichtsversorgung bestellt ist und wie dort spätestens ab der 7. Klasse Berufsorientierung und die Vorbereitung der Berufswahl betrieben wird. Dies wird aus den Schulprogrammen, die es für jede Schule gibt, ersichtlich. Interessant für die Auswahl der Schule ist sicher auch, ob unterrichtsergänzende Projekte, zum Beispiel aus dem Bereich der Naturwissenschaften, angeboten werden.

Sollte man sich nicht frei machen vom sozialen Druck und der allgemeinen Meinung, dass es unbedingt das Gymnasium sein soll? Was können Eltern tun, um Fehlentscheidungen zu vermeiden?

Das - gute - Gymnasium und damit der direkte Weg zur allgemeinen Hochschulreife wünschen sich natürlich alle Eltern für ihre Kinder; ich tue das auch. Aber man sollte Kinder damit nicht überfordern - die Abbruchquoten liegen bei rund einem Drittel und sind in den letzten Jahren erheblich gestiegen. Jeder einzelne Abbruch ist eine vermeidbare Enttäuschung für die Jugendlichen, zumal es viele „Wege nach Rom“ gibt. So kann etwa der Hochschulzugang auch begleitend zu einer Berufsausbildung erworben werden.

Das Fernziel muss doch nicht unbedingt immer ein Studium sein. Sollten Eltern und Jugendliche nicht viel mehr für eine berufliche Ausbildung begeistert werden, müsste man nicht in den Schulen verstärkt dafür werben?

Genau das ist unser Anliegen. Die demografische Entwicklung schreitet voran, die Unternehmen brauchen gut ausgebildete Fachkräfte und gut qualifizierte Schulabgänger, auch ohne Abitur, werden Mangelware - daraus ergeben sich hervorragende Chancen, auch ohne Studium.

Worauf sollten sich Jugendliche, die sich jetzt für die weiterführende Schule entscheiden müssen, vorbereiten? Gibt es denn Berufe bzw. Berufszweige, von denen Sie sagen, das werden in Zukunft die „Renner“ in Deutschland, auf die sollte man sich schon frühzeitig vorbereiten?

Die Entscheidung für ein Berufsfeld sollte ausgehen von den individuellen Neigungen und Kompetenzen. Die IHK Offenbach bietet hier einen Online-Test an, dessen Auswertung auch Hinweise auf in Frage kommende Berufsfelder gibt. Unabhängig hiervon ist es unerlässlich, sich einen Überblick über möglichst viele Ausbildungsangebote zu verschaffen - etwa während der IHK-Ausbildungsmesse im April. Und die Berufe, die dort angeboten werden, sind diejenigen, für die hiesige Unternehmen auch in Zukunft einen Bedarf sehen. Wichtig ist auch, dass kein Ausbildungsberuf eine Sackgasse ist - mit modularer Weiterbildung oder einem ergänzenden berufsbegleitenden Studium kann die eigene Qualifikation jederzeit auf sich ändernde Rahmenbedingungen auf dem Arbeitsmarkt angepasst werden.

Kommentare