Es gibt wieder mehr echte Jobs in Offenbach

Offenbach ‐ Eine saubere Formel, die müsste es geben. Oder bequemerweise gleich einen Computer, der aus der Summe aller geputzten Klinken, der Knotendichte im Gründernetzwerk und der Zahl der Teilnehmer am Sommerfest der Kreativwirtschaft ableiten könnte, wie gut Offenbachs Wirtschaftsförderung arbeitet. Von Marcus Reinsch

Gibt‘s aber leider nicht. Dass die hiesigen Standort-Werber erfolgreich sind, lässt sich allerdings gut an den Misserfolgen konkurrierender Kollegen in anderen Städten ablesen. Beispiel Groß-Umstadt. Da hatte die Fischer Stahlbau GmbH bis zum Sommer ihren Hauptsitz.

Dann siedelte sie mit Sack und Pack, dem Glas-und-Stahl-Ableger Glasscon GmbH, rund 70 Jobs und ihrem Gewerbesteuer-Potenzial ins Offenbacher Gewerbegebiet Waldhof um. Dem alten Domizil weint das Unternehmen keine Träne nach, wie Geschäftsführer Ekkehart Fischer gestern als Gastgeber der Bilanzvorstellung der Wirtschaftsförderung versicherte.

In Groß-Umstadt habe sein Unternehmen echte Mühen der dortigen Wirtschaftsförderung erst bemerkt, als die Wind vom geplanten Umzug bekam - zu spät. In Offenbach hingegen sei die Firma, die schon anspruchsvolle Großprojekte wie den neuen Tower des Frankfurter Flughafens und die gigantische Dachkonstruktion des Weiterstädter Einkaufstempels Loop5 gestemmt hat, schon jetzt „sehr, sehr zufrieden“. So zufrieden sogar, dass sie den gemieteten Gebäudekomplex kaufen will.

Offenbach ist wieder Gründerstadt Nummer 1

Sowas hört Offenbachs oberster Wirtschaftsförderer Jürgen Amberger samt sechs Mitarbeitern gerne - auch wenn es mit den Fischer-Firmen ohne Lockruf vom Amt geklappt hat. Grundsätzlich zählt die Oberbürgermeister Horst Schneider unterstellte Abteilung weit mehr als Antrittsbesuche und die Einführung in hiesige Unternehmerkreise zu ihrem Dienstleistungskatalog. Investoren schätzen die Wirtschaftsförderer vor allem als Wegbereiter. Amberger und Co. kennen sich aus mit den Behörden, mit denen es Ansiedlungswillige zu tun bekommen. Für den OB ist das ein Segen, „weil sich die Dinge sonst auch mal im bürokratischen Gestrüpp aufhängen“.

Das scheint selten zu passieren. Offenbach ist wieder Gründerstadt Nummer 1 geworden, bis Ende November zählte die Stadt 80 Neuansiedlungen mit etwa 600 neuen Arbeitsplätzen, und Amberger spürt „Aufbruchstimmung“.

Das verliert zwar an Aussagekraft, weil es auch an Insolvenzen nicht mangelt, die noch dazu nicht als statistisches Gegengewicht zu den Erfolgsmeldungen erfasst werden. Doch eine andere Zahl lässt keine Zweifel, dass es wieder aufwärts geht: Ende März dieses Jahres gab es in Offenbach 45 268 und damit 124 mehr sozialversicherungspflichtige Jobs als zum Vorjahreszeitpunkt. Mit nur 44 344 echten Arbeitsplätzen war der Tiefpunkt vor fünf Jahren erreicht gewesen; die 47.655 Jobs aus dem Jahr 2000 allerdings sind noch in weiter Ferne. Zumal Offenbachs Wandel vom Industrie- zum Dienstleisterstandort weitergeht. Zukunftsträchtig, aber nicht immer jobintensiv.

Elf neue Unternehmen innerhalb der Stadtgrenzen

Die Bestandspflege ist also ein weiterer Schwerpunkt der Förderer. Ihnen gelang es, in diesem Jahr elf Unternehmen innerhalb der Stadtgrenzen umzusiedeln und so 105 Arbeitsplätze zu behalten. Dafür sind die Werber ständig in der Wirtschaftswelt unterwegs. Als Anhaltspunkt dafür, dass die Konjunktur Offenbach nicht links liegen lässt, gelten auch 150 „Flächenanfragen“. Damit haben zwar zehn Unternehmen weniger als im Vorjahr nach einem Grundstück oder Büro gefragt. Doch in der zweiten Jahreshälfte hat das Interesse deutlich angezogen.

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