Gipseier-Trick ohne Wirkung

+
Schon seit 10 Jahren ist Andrea Jagust Zeuge der Zustände auf der Verkehrsinsel in der Bahnunterführung Bismarckstraße.

Offenbach - Die Bahnunterführung Bismarckstraße ist eines von vielen Offenbacher Stadttauben-Paradiesen. Die Brückenverstrebungen des Unterbaus bieten den als Salmonellen-Überträger in Verruf geratenen Vögeln ideale Ruhe- und Nistgelegenheiten. Das wirkt sich günstig auf ihre Vermehrung auf. Von Domenico Sciurti

Entsprechend sieht die Gegend rund um Wald- und Feldstraße aus. Grauweißer Kot bedeckt Eisenträger, den Boden der Verkehrsinsel, die Ampeln, die Verkehrsschilder, Zäune, Lampen.

Gegenmaßnahmen mussten her, und zwar welche, die keinen Tierschützer-Protest entfachen. In der „AG Tauben“ des städtischen Projekts „Besser leben in Offenbach“ wurde vor drei Jahren ein Plan vorgebracht, der sich pfiffig anhörte: Lasst uns einen Bauwagen so umbauen und aufstellen, dass er den Täubchen als Nistplatz und auch als Toilette dient. Legen sie dann ihre Eier rein, kommt unser Eierdieb und tauscht das Gelege gegen Gipsimitate aus. Während diese eifrig, aber wirkungslos bebrütet werden, werden keine neuen Eier gelegt. Weil nichts mehr schlüpft, werdern die Tauben weniger.

So die Theorie im Jahr 2008, die sich auf Vorbilder in Wiesbaden, Karlsruhe und anderen Städten berufen konnte. Die Praxis in Offenbach sieht bislang allerdings anders aus. Das Umfeld der Bahnunterführung strotzt nach wie vor Taubenkot. Die Vögel mögen sich eben partout nicht aufs städtische WC im Bauwagen beschränken. Auch auf das Nistangebot haben sie sich noch nicht wie gewünscht eingelassen. Erst in letzter Zeit fangen die Tiere an, dort ihre Eier zu legen.

„Es ist wirklich hässlich hier“

„Es ist wirklich hässlich hier“, sagt Andrea Jagust von der benachbarten Drogerie und Parfümerie Fortuna. Sie erinnert sich daran, wie seinerzeit jemand von der Stadt bei ihr vorstellig wurde und um eine Unterschrift für eine nicht näher definierte Maßnahme gegen Tauben zu erhalten. „Als dann auf einmal der Wagen da stand, dachte ich zuerst, er sei ein vergessenes Überbleibsel einer Baustelle, bis ich merkte, dass es sich um eben besagte Maßnahme handelt“, sagt sie. Einen Effekt kann sie nicht erkennen. Die Geschäftsfrau beklagt ein weiterhin von Tauben-Hinterlassenschaften stark verschmutztes Umfeld.

Auch bei „Besser leben“ wird erkannt, dass die Verbesserung noch nicht durchschlagend war. „Leider kam es nicht zu dem erhofften Erfolg. Alles dauert länger als angenommen“, bestätigt Projektleiterin Sabine Süßmann von der Stadtwerke Offenbach Holding.

Netz soll unter die Brücke gespannt werden

Man habe deshalb beschlossen, nun doch ein Netz unter die Brücke zu spannen, damit sich die Tauben dort nicht mehr niederlassen können. Der Wagen bleibt, wo er ist. Vorerst.

Zwei neue Einsichten habe man aber durch das Projekt gewinnen können, fügt Sabine Süßmann hinzu: Erstens brauchen die Vögel wohl länger als gedacht, um sich an einen neuen Nistplatz zu gewöhnen. Zweitens zeigt die heutige, fast unveränderte Kot-Situation, dass Tauben ihre Gewohnheit, ihr Geschäft immer gerade dort zu verrichten, wo es ihnen danach ist, kaum ablegen, um der Stadt eine Freude zu machen. Aber wenigstens eine Hoffnung bleibt der städtischen Sauberfrau Süßmann und ihren Besser-leben-Mitstreitern: Wenn der Gips-Ei-Trick endlich greift, sollte die Population der Bahnüberführungs-Tauben allmählich kleiner werden.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare