Eine gelungene Premiere bei Gericht

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Elisabeth Fritz, die neue Präsidentin des Offenbacher Amtsgerichts, begrüßte gstern Morgen die Teilnehmerinnen des Girls‘ Day. Nach einer Führung durch das Gebäude besuchten die rund 40 Mädchen eine fiktive Gerichtsverhandlung.

Offenbach - Schlagartig kehrte Ruhe ein, als Richterin Livia Horn den Gerichtssaal am Offenbacher Amtsgericht betrat. Und der Fall, den sie verhandelte, hätte durchaus auch ein „echter“ sein können, wenn nicht gestern Girls’ Day gewesen wäre und die Gerichtsverhandlung somit eine fiktive. Von Sabine Simon

Rund 40 Mädchen waren der Einladung des Offenbacher Amtsgerichts gefolgt und informierten sich gut drei Stunden über die verschiedenen Berufe in diesem Bereich. Justizfachangestellte, Rechtsanwältin, Richterin, Staatsanwältin, Rechtspflegerin oder Wachtsmeisterin. Die Berufe am Gericht sind vielfältig. Auf dem Programm stand auch das Lösen eines Kreuzworträtsels mit Begriffen aus der Justiz. Die beiden Gewinnerinnen – Franziska Hemler und Verena Volzmeier – nahmen als Preis einen Einkaufsgutschein mit nach Hause.

Höhepunkt des gestrigen Vormittags war allerdings die Gerichtsverhandlung, die Auszubildende des Amtsgerichts gemeinsam mit ihren Ausbildungleiterinnen Anja Lewerenz, Jessica De Nittes und Regina Plewnia organisiert hatten: Richterin, Staatsanwältin und Verteidiger, ein Angeklagter, ein Polizeioberkommissar und eine Zeugin – von einer richtigen Gerichtsverhandlung war die gestellte Szenerie kaum zu unterscheiden.

„Das ist auch der Sinn der Sache. Wir wollen den Mädchen und junge Frauen zeigen, wie es bei Gericht zugeht. Natürlich befolgen wir bei unserem kleinen Schauspiel auch die echte Strafprozessordnung“, sagte Oberamtsanwalt a.D. Leonhardt Gallei, der die Auszubildenden zur und zum Justizfachangestellten über Wochen bei der Vorbereitung des Girls‘ Day unterstützt hatte.

Bilder vom Girls Day in der Region

Girls Day in der Region

Verhandelt wurde übrigens eine Strafsache. Ein junger Mann, gespielt von Azubi Stephan Lamm, hatte in einem Geschäft zwei Paar Herrenhandschuhe gestohlen. Da er zu einer vorherigen Verhandlung nicht erschienen war, wurde er von der Polizei zu Hause abgeholt und mit Handschellen in den Saal geführt. Die beiden Zeugen, eine Angestellte des Geschäfts sowie Polizeioberkommissar Hauser aus Neu-Isenburg, wurden gespielt von den Azubis Irina Dshenshera und Matthias Herber. Die Auszubildende Sarah Wiesen führte das Protokoll der Verhandlung. Livia Horn, übrigens auch im echten Leben Richterin am Offenbacher Amtsgericht, saß nicht allein in Raum 270. Unterstützt wurde sie von Oberstaatsanwältin Annette von Schmiedeberg, dem Rechtsanwalt Alois Simrock und Wachtmeister Bernd Glaw – alle auch in Wirklichkeit Recht und Gesetz verschrieben. Auch Götz Trolldenier, Geschäftsleiter des Amtsgerichts, stand bei der Planung des Girls‘ Day unterstützend zur Seite. Er sagte: „Das war eine gelungene Premiere dieser Veranstaltung und wir möchten so etwas gern in jedem Jahr anbieten“. Es hätte rund 70 Anmeldungen gegeben, leider habe man aus Platzgründen nur 40 Mädchen zusagen können. „Aber ich denke, dass es geglückt ist, einen interessanten Vormittag zu organisieren“, erklärte Trolldenier. Elisabeth Fritz, die neue Präsidentin des Offenbacher Amtsgerichts, hatte die Mädchen am Morgen begrüßt und sprach auch zum Abschied ein paar Worte.

Und Spaß machte es den jungen Damen. „Eigentlich würde ich gerne etwas mit Tieren machen. Aber nach dem heutigen Tag könnte ich mir auch vorstellen, Verteidiger zu werden“, sagte die zwölfjährige Sophie Ulrich aus Frankfurt im Anschluss. Die ein oder andere hat sich offenbar schon für einen Beruf entschieden.

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