Gläubig ohne Kirchensteuer?

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Der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch.

Leipzig/Fulda/Offenbach - Kann man in Deutschland gläubiges Mitglied der katholischen Kirche sein, ohne Kirchensteuern zu zahlen? Diese Frage muss das Bundesverwaltungsgericht heute in einem Grundsatzurteil beantworten.

Damit steht das Steuersystem auf dem Prüfstand, das den Kirchen jedes Jahr Milliardeneinnahmen sichert. Verhandelt wird der Fall des Freiburger „Kirchensteuer-Rebellen“ Hartmut Zapp. Er hatte 2007 beim Standesamt seinen Austritt aus der römisch-katholischen Kirche als „Körperschaft des öffentlichen Rechts“ erklärt und keine Steuern mehr gezahlt. Zugleich erklärte er, weiter gläubiges Kirchenmitglied zu sein. Das gehe nicht, meinte das Erzbistum Freiburg und klagte gegen diesen „Kirchensteuer-Austritt“. Vor dem Verwaltungsgerichtshof Mannheim bekam das Erzbistum Recht. Jetzt wird die Revision Zapps in Leipzig verhandelt.

Ganz oder gar nicht

Während die Leipziger Richter noch entscheiden müssen, ist der Fall für die katholische Kirche klar. In einem Dekret der Bischofskonferenz hieß es vergangene Woche eindeutig: Entweder Kirchenmitglied mit allen Rechten und Pflichten - oder gar nichts. Allerdings wird nicht jeder Abtrünnige wie bisher automatisch exkommuniziert, sondern erhält zuerst einen Brief vom zuständigen Pfarrer, der zu einem Gespräch über die Beweggründe - und die kirchenrechtlichen Folgen - des Austritts einlädt.

Der Offenbach Dekan Michael Kunze folgt der Argumentation der Bischofskonferenz: „Die katholische Kirche in Deutschland, als Glaubensgemeinschaft definiert sich auch als eine Solidargemeinschaft - treu nach dem Motto ,einer trage des anderen Last’“, sagte er unserer Mediengruppe. Trete er aus dieser Solidargemeinschaft aus, nehme er die Folgen in Kauf. Allerdings: „Die Umsetzung dieses Dekrets wird sich in der Praxis erweisen.“

„Viele Wiedereintritte: Richtiger Weg“

Auch für Kunzes Hanauer Kollegen Andreas Weber ist die Frage der Austritte ein „sehr komplexes Thema“. Jeder Austritt sei schmerzlich, denn wer austrete, kehre der Kirche und auch der Pfarrei vor Ort den Rücken. Es gehe nicht vordergründig um das Geld, sondern um die „Gemeinschaft der Glaubenden untereinander und mit Gott“. Weber: „Wenn ich dazu gehören will, ist es selbstverständlich, dass ich meinen Anteil einbringe. Das gilt für jeden Verein und umso mehr für die Gemeinschaft der Kirche. Sie übernimmt im Auftrag Jesu auch viele caritative und soziale Aufgaben in unserem Staat, gerade auch in der Pfarrei vor Ort.“ Zudem sei der Austritt für viele nicht endgültig. „Wir, hier in meinem Dekanat Hanau, erleben gerade im Moment auch wieder viele Wiedereintritte. Das ist der richtige Weg“, sagt Weber.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, hat unterdessen Verständnis für den Wunsch vieler Katholiken nach raschen Reformen in ihrer Kirche geäußert. „Mir selbst geht es auch manchmal so, dass ich ungeduldig werde“, sagte der Freiburger Erzbischof gestern beim Eröffnungsgottesdienst der Herbst-Vollversammlung der deutschen Bischöfe in Fulda. An die deutschen Bischöfe appellierte Zollitsch, mit Demut den Dialog mit dem Kirchenvolk zu führen.

dpa/re

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