Gleich gibt’s Hafen-Geld

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Kultur der Kreativen: Beim Neujahrempfang vertonte das Junge Filmorchester Deutschland Stummfilmchen.

Offenbach - Als Herr über eine Dauerbaustelle braucht man die entsprechende Ausrüstung. Von Veronika Szeherova

So steht Bernd Kracke, Präsident der Offenbacher Hochschule für Gestaltung (HfG), zum Abschluss des Neujahrsempfangs mit Paisleymuster-Helm und Schaufel auf der Bühne und lacht: „Wir werden weiter graben.“

Die Idee der Fachbereiche, ihren wiedergewählten Präsidenten als Bauarbeiter auszustaffieren, zündet. Die Domizilträume der HfG erreichen in diesem Jahr eine eine entscheidende Phase. „Die finale Entscheidung über unser wichtigstes Entwicklungsprojekt, den Neubau am Hafen, fällt nächste Woche“, verkündet Kracke. Oberbürgermeister Horst Schneider bestätigt: „Wir warten auf die Freigabe der Planungskosten für die HfG, nächste Woche dürfte das in trockenen Tüchern sein.“ Den notwendigen Grundstückstausch oder -handel mit dem Land und die Zukunft des alten Standorts vertieft der OB an diesem Abend nicht als Thema. Er freut sich, dass die erste Baugrube für das neue Wohn- und Arbeitsviertel im Ex-Hafen bereits ausgehoben ist: „Ich empfehle jedem, dort einen Spaziergang zu machen.“ Schmunzelnd fügt er hinzu: „Vielleicht, wenn es ein bisschen wärmer ist.“

Schlossplatz wird in diesem Jahr weiter verschönert

Auch der Schlossplatz wird in diesem Jahr weiter verschönert. „Es entsteht ein harmonisches Ganzes, ein neuer Hotspot der Stadt“, sagt Kracke. Voller Spannung und Zuversicht schaue er in die Zukunft. „Die HfG will ein attraktiver Ort für Forschung und Lehre sein - in räumlicher, menschlicher, finanzieller und auch in sozialer Hinsicht“, so der Hochschulpräsident. „Wir gehen den Weg der permanenten Erneuerung und Optimierung, den Offenbacher Weg.“

Horst Schneider dürfte diese Formulierung gefallen. Spricht doch auch er gern über erfolgreiche Projekte der HfG, wie „Like Offenbach“ und die Stadtführungen mit Loimi Brautmann, über den immer attraktiver werdenden Schlossplatz und die neue Dependance an der Geleitsstraße. „Stück für Stück hat sich die HfG in die Kapillaren der Stadt hineingearbeitet, und das ist gut so“, sagt Schneider. Er wünscht sich noch mehr Raum für Kreativität in Offenbach, plant für nächste Woche „ernsthafte Verhandlungen, das Badehaus im Allessa-Gelände für die Stadt zu bekommen.“ Dort könnten neue Räume für das Gründerzentrum „Ostpol“ und die HfG entstehen.

Hochschulförderung ist Thema des Neujahrsempfangs

Auch Hochschulförderung ist Thema des Neujahrsempfangs. Das Forschungsförderprogramm LOEWE (Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz) sei bisher an den Kunsthochschulen vorbeigegangen, kritisiert Kracke in Richtung der hessischen Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, Eva Kühne-Hörmann. „Beim Thema Exzellenz sind Kunsthochschulen mit am besten aufgestellt, daher war eine Förderung zunächst nicht drin“, räumt sie ein.

Udo Corts, Vorsitzender des Hochschulrats, findet klare Worte: „Auch wenn es unpopulär ist, das zu sagen, aber unsere Studenten kommen erst über eine Aufnahmeprüfung zu uns. Wir sind eine Elitehochschule, ein Leuchtturm am Main, und das müssen wir ausbauen und fördern.“ An den OB gewandt fordert er „ein bisschen mehr als Solidarität. Nicht nur die HfG sollte etwas für die Stadt tun, auch die Stadt muss sich die Frage stellen, was sie - auch ohne Geld - für die Hochschule tun kann.“

Ein Septett des Jungen Filmorchesters Deutschland ist für die Musik des Abends zuständig. Auch dabei beweist die HfG ihr Gefühl für den Puls der Zeit. Die Musiker begleiten zwei Kurz-Stummfilme, ein Genre, das neu erwacht ist, sich den Herausforderungen von Paradigmenwechseln stellt. Und das passt schon wieder zu Offenbach - und zur HfG.

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