Gnadenlos statt gerecht

Offenbach - „Gnadenlos gerecht“ hieß eine Sendung von Sat.1, deren erste Folge im August 2008 ausgestrahlt wird. In der Reality-Doku machen echte Sozialfahnder des Kreises Offenbach als verdeckte Ermittler Jagd auf mutmaßliche Hartz-IV-Betrüger. Von Matthias Dahmer

Die Serie schlägt bundesweit Wellen und trägt dem damaligen Landrat „Hammerhart“ Peter Walter (CDU) scharfe Kritik ein.  Mit diesem unrühmlichen Kapitel aus Walters Amtszeit beschäftigt sich seit gestern das Amtsgericht Offenbach: Weil er sich in seinen Persönlichkeitsrechten verletzt fühlt, hat Markus A. den Kreis Offenbach auf Schmerzensgeld verklagt.

Sorgte für viel Wirbel: Helena Fürst als Sozialfahnderin in der Dokusoap „Gnadenlos gerecht“ auf Sat 1.

Denn so wie ihn die Schnüffler des Sozialamts im Juni 2008 behandelt haben, das findet er eher gnadenlos denn gerecht. Ohne seine Einwilligung und mit versteckter Kamera hätten ihn die Behördenmitarbeiter gefilmt, sagt er am Rande des Prozesses. Sein Gesicht und auch ein Firmenschild seien zwar unkenntlich gemacht worden. Doch noch während der Sendung, die im November 2008 ausgestrahlt wurde, habe ihn ein Bekannter angerufen und ihm geraten, sofort den Fernseher einzuschalten, er sei darin zu sehen.

Vorhaben scheitert an Tücken der Technik

Ob der damals 39-Jährige, zu Recht oder zu Unrecht in die Fänge der Fahnder geriet, ist unklar. Es spielt gestern für Richter Norbert Habermann auch keine große Rolle. Für ihn konzentriert sich alles auf die Frage, wie in der fraglichen Sendung mit den Persönlichkeitsrechten des Klägers umgegangen wurde.

Weshalb das Anschauen einer Aufzeichnung der Sendung hilfreich wäre. Einen solchen Mitschnitt wollte der Anwalt von Markus A. als Beweismittel eigentlich auch zur Verhandlung mitbringen. Doch das Vorhaben scheitert an den Tücken der Technik: Der Videorekorder im Anwaltsbüro hat am Abend zuvor die Kassette zu Bandsalat verarbeitet.

Habermann lässt sich davon aber nicht beirren. Er zitiert aus dem seinerzeitigen Medienecho - unter anderem die Berichterstattung der Offenbach-Post - auf die Doku des Privatsenders und kommt auch ohne die Sendung angeschaut zu haben zu dem Schluss: Der Kreis hat in der ganzen Sache keine gute Figur gemacht. Er deutet deshalb an, „eine gewisse Persönlichkeitsverletzung“ zu erkennen. Um die Sache aber nicht hochzuspielen, schlägt er vor, dass sich die Streithähne vergleichen. Doch mit welchem Betrag ist in einem solchen Fall die Verletzung des Persönlichkeitsrechts abzugelten? Kläger Markus A. fordert mindestens 2000 Euro, einen Betrag, den Habermann nicht nachvollziehen kann. Er hält ein Schmerzensgeld von um die 1000 Euro für vertretbar.

Bevor es zu einem solchen Vergleich kommt, wollen sich alle doch den vom Kläger zu beschaffenden streitigen TV-Beitrag vom November 2008 anschauen. Will heißen: Fortsetzung folgt.

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