Sorgen ja, aber noch keine Verzweiflung

Offenbach (tk/ikt) - Bei der Betriebsversammlung der Gemeinnützigen Offenbacher Ausbildungs- und Beschäftigungs-GmbH (GOAB) hat Jürgen Schomburg ein Wort benutzt, das etliche Mitarbeiter hellhörig machte: Insolvenz.

Im Gespräch mit unserer Zeitung klärt der Geschäftsführer auf: Ja, von Pleite habe er gesprochen – bundesweit hätten etliche große Arbeitsmarkt-Dienstleister dicht machen müssen. Insolvenz sei immer „eine theoretische Entwicklung in der Branche“.

Der geht es nach den Kürzungen seitens des Bundes wirklich nicht gut. Er habe Sorgen, sei aber nicht verzweifelt, sagt Schomburg, der die städtische GOAB seit 1992. 1985 wurde die Firma gegründet, um Langzeitarbeitslose zu beschäftigen, ihnen anständige Arbeitsverhältnisse anzubieten, Benachteiligten eine Ausbildung zu ermöglichen und möglichst viele Menschen über Qualifikationen in den sogenannten ersten Arbeitsmarkt zu bringen. Die GOAB betreibt unter anderem ein florierendes Recyclingzentrum für Elektroschrott und eine Fahrradwerkstatt.

Belegschaft schrumpft

Seit die staatlichen Zuschüsse, etwa die „Eingliederungstitel“ des städtischen Jobcenters Mainarbeit und der Arbeitsagentur, spärlicher fließen, schrumpft die Belegschaft der GOAB. 2010 waren es 600 Beschäftigte, 2012 sind es nur noch halb so viele, erklärt Schomburg.

Seit zwei Jahren spart der Bund, innerhalb von drei Jahren sollen drei Milliarden Euro wegfallen. „Wir sind im zweiten Jahr“, sagt Schomburg. Das schmelzende Budget trifft alle Träger von Eingliederungsmaßnahmen. In Offenbach sind das unter anderem der Internationale Bund, der Caritas-Ableger Carijob und der städtische Verein Starthaus. Auch sie können nicht mehr so viele Stellen wie früher anbieten.

Für Schomburg ist das Ende noch erreicht. Die Ein-Euro-Jobs werden sich nach seiner Einschätzung auf 70 oder 80 reduzieren. Weniger Auszubildende sind es bereits. So verlagern sich die Schwerpunkte von echter Beschäftigung von Menschen, die nichts anderes finden, auf die Vermittlung in Arbeitsverhältnisse. „Die, bei denen das nicht klappt, bleiben dann eben daheim“, meint ironisch-resigniert der Geschäftsführer,   „ aber auf der Couch wird niemand fitter.“

Durch Zuschüsse und Verkaufserlöse erwirtschaftet das Unternehmen einen Umsatz von mehr als zehn Millionen Euro pro Jahr. Doch aufgrund der Kürzungen musste die GOAB konventionell Beschäftigte einstellen, um den Betrieb aufrecht zu erhalten.

Vergangenes Jahr rote Zahlen geschrieben

Durch höhere Kosten hat das Unternehmen vergangenes Jahr rote Zahlen geschrieben. „Wir konnten den Verlust aber aus unseren Rücklagen decken“, berichtet Schomburg. „Wir brauchen noch keine Liquiditätsspritzen von der Stadt.“

Die GOAB will sich den kleineren Eingliederungsbudgets anpassen. „Wenn dieser Kurs beibehalten wird, werden wir nicht größer werden“, wagt der Chef einen Blick in die Zukunft. Diese hänge stark davon ab, welche Arbeitsmarktpolitik sich nach den Wahlen auf Bundes- und Landesebene durchsetze.

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Perspektiven auf Arbeitsmarkt

Schomburg kritisiert die politische „Vollbremsung“ wegen ihrer sozialen Auswirkungen. „Es wird leichter für die Besseren und bleibt genauso schwer für die Schwächeren“, analysiert er. Dies beobachte er sowohl bei Erwachsenen als auch bei Jugendlichen. „Wer keinen Abschluss hat, geistert nach wie vor herum.“ Öffentlich bezuschusste Arbeit sei unersetzlich für Menschen, die ohne Unterstützung kaum auf dem Arbeitsmarkt bestehen könnten.

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