SOH will einstiges Vorzeigeprojekt loswerden

Recyclingzentrum nach wie vor Verlustgeschäft

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Die Hoffnungen haben sich zerschlagen: Der ESO konnte das Recyclingzentrum nicht auf Kurs bringen.

Offenbach - Bei der Stadtwerke Offenbach Holding (SOH) denkt man darüber nach, das erst im Dezember 2013 von der Gemeinnützigen Offenbacher Ausbildungs- und Beschäftigungsgesellschaft (GOAB) übernommene Recyclingzentrum wieder abzustoßen. Von Matthias Dahmer 

Grund: Der ESO, unter dessen Dach die einstige GOAB-Sparte geschlüpft war, fährt offenbar erhebliche Verluste mit der Einrichtung ein. Im vergangenen Jahr soll das Defizit bei einer halben Million Euro gelegen haben. SOH-Sprecherin Regina Preis will die unserer Zeitung vorliegenden Informationen nur im Grundsatz bestätigen: Derzeit würden in Sachen Recyclingzentrum alle Optionen geprüft. Grund der Überlegungen sei die Entwicklung der Weltmarktpreise für wiederverwertungsfähige Rohstoffe, über deren Verkauf sich das Zentrum refinanziere. „Diese Preise sind seit Übernahme der GOAB-Einrichtung tendenziell rückläufig“, so Regina Preis.

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Im Recyclingzentrum werden Elektro-Altgeräte wie Kühlschränke, Staubsauger und Ähnliches verwertet. Pro Jahr bereitet man so an drei Standorten 10 000 Tonnen Elektro-Altgeräte zu weiterverarbeitungsfähigem Rohmaterial auf. Der ESO hatte das einstige Vorzeigeprojekt kurz vor Eröffnung des GOAB-Insolvenzverfahrens für 100.000 Euro erworben und 28 von 32 Mitarbeitern übernommen. Damals gab man sich noch optimistisch: „Wir sind zuversichtlich, dass wir das Recyclinggeschäft auf Kurs bringen können“, meinte ESO-Geschäftsführer Markus Patsch im November 2013. Er ging seinerzeit davon aus, durch Optimierung von Betriebsabläufen die Produktivität erhöhen zu können. Auch durch die Nutzung von Synergien mit Entsorgungspartnern erhoffte sich Patsch ein positives Ergebnis.

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Insider weisen darauf hin, dass das rückläufige Recyclinggeschäft schon 2010 einer der Gründe war, warum die GOAB in finanzielle Schieflage geriet. Hinzu kam, dass der Bund seine Eingliederungshilfen für Arbeitslose halbierte und der Sozialfirma Verträge mit praktisch unkündbaren Mitarbeitern zu schaffen machten.

Die einst aus zwölf Einzelbetrieben bestehende GOAB mit zuletzt 205 Mitarbeitern ist seit Dezember 2013 ein Teil Offenbacher Sozialgeschichte. Im Insolvenzverfahren wurde versucht, das umfangreiche Angebot zur Ausbildung und Qualifizierung von Benachteiligten weitgehend – wenngleich zerstückelt und unter veränderten Trägerschaften – zu erhalten.

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