GOAB-Chef will Gehälter beschneiden

Offenbach - Reaktion auf Verfall der Rohstoff-Preise

Der mit dem weltweiten Einbruch der Konjunktur verbundene Verfall der Rohstoff-Preise bringt auch die stadteigene Gemeinnützige Offenbacher Ausbildungs- und Beschäftigungsgesellschaft (GOAB) in die Bredouille. Die 100 festangestellten Mitarbeiter sollen nun auf einen Teil ihres Gehalts verzichten, um die Einbußen aufzufangen.

Geschäftsführer Jürgen Schomburg fürchtet, in diesem Jahr für im Recycling-Zentrum an der Mühlheimer Straße gewonnene Metalle und Kunststoffe rund 500 000 Euro weniger zu erwirtschaften als im Vorjahr. Angesichts eines jährlichen Gesamtumsatzes von zehn Millionen Euro reißt der absehbare Rückgang ein tiefes Loch in die Kasse. Der dramatische Preisverfall bei den Rohstoffen lasse sich weder durch Mengensteigerungen im Recycling noch durch Mehrerlöse in anderen Abteilungen oder neue Projekte kompensieren.

Das schreibt Schomburg in einem „Rundschreiben an das Stammpersonal“, das unserer Zeitung vorliegt. Unter der Überschrift „Erlösrückgänge sozial verträglich bewältigen“, wirbt er dafür, Leistungszulagen vorerst nicht mehr auszuzahlen, die jüngste Tariferhöhung zunächst nicht umzusetzen oder auf die Jahressonderzahlung für 2009 zu verzichten. Die vorgeschlagenen Gehaltskürzungen würden sich nach Schomburgs Rechnung auf 523 000 Euro summieren. Wobei der GOAB-Chef betont: „Nicht alles muss so, und nicht alles muss sofort geschehen.“ In jedem Fall habe er bereits das Lohnbüro angewiesen bei der Auszahlung des Januar-Gehalts zunächst die alte Tabelle zu verwenden und die Tariferhöhung nicht zu berücksichtigen.

Bei einer Dienstversammlung am morgigen Freitag will er mit den Mitarbeitern über die nun notwendigen Schritte sprechen und nach Möglichkeit Einvernehmen herstellen. In seinem Schreiben an die Mitarbeiter deutet Schomburg an, dass ohne einen Gehaltsverzicht Kündigungen drohten. Das wäre ein Novum in einem stadteigenen Betrieb in Offenbach. Schomburg verweist allerdings auf das Städtische Klinikum, wo die Mitarbeiter ebenfalls auf einen Teil des Tariflohns verzichten, um so betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden.

Die GOAB, die insbesondere Jugendlichen und Langzeitarbeitslosen in zahlreichen Projekten Wege in das Arbeitsleben eröffnet, will vermeiden, ein drohendes Defizit auf die Stadt abzuwälzen. Seit Jahren erhalte die gemeinnützige Gesellschaft keine „ungebundenen Zuschüsse“ aus dem Rathaus, das als wichtiger Auftraggeber ebenso wie die Mainarbeit allerdings für Leistungen der GOAB bezahlt. Die Aufsichtsratsvorsitzende, Bürgermeisterin Birgit Simon (Grüne), sei noch nicht über die finanziellen Probleme unterrichtet worden. Kämmerer Michael Beseler (SPD) bestätigte, der Magistrat habe sich bislang nicht mit der Situation bei der GOAB befasst. Es sei aber in jedem Fall zu begrüßen, wenn ein Geschäftsführer wie nun Schomburg frühzeitig versuche, Gegenmaßnahmen zu ergreifen, wenn ein Defizit drohe.

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