Wettbewerb „Gute Gestaltung“

Gold auch für die Post

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Das „Who is Who“ der Designerbranche traf sich im Capitol, um sich selbst und seine Produkte zu feiern.

Offenbach - Ein nicht informierter Betrachter hätte wohl gerätselt, was das für Menschen sind, die am Freitagabend das Capitol bevölkerten. Für Banker wirkten sie zu smart. Für freie Künstler hatten sie zu viel bürgerlichen Habitus. Von Claus Wolfschlag

Und für Architekten fehlte vielleicht jene kleine Prise Nüchternheit, die den Gesichtern kühler Techniker eigen ist. Wer den Blick auf die ausliegenden schwarz-gelben Broschüren gleiten ließ, sah sich rasch aufgeklärt. Vom 1989 gegründeten Deutschen Designer-Club war da die Rede und vom „Wettbewerb Gute Gestaltung“, der dieses Jahr zum 13. Mal stattfand.

Und dies erstmals in Offenbach, wie Oberbürgermeister Horst Schneider in seiner Grußrede hervorhob. Als wollte er beweisen, dass er zum Image-Trommler tauge, übermittelte er dem Fachpublikum die klare Werbebotschaft von der einstigen Industriestadt Offenbach als neuem Kreativstandort.

Doch die Mitteilung war längst angekommen. Moderator Holger Volland erklärte nämlich, dass Frankfurt wohl die Stadt der Banker sei, Offenbach aber die „Hauptstadt der Kreativen“. Ein Raunen ging durch Teile des Publikums, unter dem sich offenbar auch Nicht-Lederstädter befanden.

Mit dem Vorsitzenden der Gesamtjury, Niko Gültig, präsentierte Holger Volland die acht Wettbewerbskategorien und die Gewinner der Auszeichnungen in Silber und Gold. Zahlreiche Gestalter, Studenten und Werbekunden hatten Arbeiten zum Wettbewerb eingereicht, die eine 47-köpfige Jury begutachtete und prämierte.

Versuchten sich die Moderatoren teils in etwas bemühtem Witz, sekundiert von zwei Clown-Darstellern, so reagierten die Empfänger der Goldpreise auf der Bühne recht unterschiedlich. Manch einer spielte mit, gab feixend einen harmlosen Scherz zum besten. Andere zeigten ihre ehrliche Freude.

Gänzlich aus dem Rahmen fiel der Vertreter des Büros „uebele visuelle kommunikation“, der den Gold-Preis in der Kategorie „Raum/Architektur“ für ein grelles, grobklotzig wirkendes Orientierungssystem der Messe Innsbruck erhielt. „Wir setzen uns hin und machen Kritzel-Kratzel“, äußerte er schnoddrig zur Frage des Moderators nach seiner Arbeitsweise und ergänzte: „Wann gibt’s was zu essen?“

Ansonsten zeigte sich die Palette der ausgezeichneten Arbeiten sehr vielgestaltig. Das Büro „inhouse“ erhielt Gold in der Kategorie „Produkt“ für eine Leuchtenserie der Marke Occhio. Ein Film zu den Lampen erhielt Gold im Sektor „Foto/Film“, ebenso der Clip „Der Wunsch“ der Firma Ogilvy, der für eine unbeschwerte Kindheit ohne Leistungsüberforderung plädierte. Ogilvy hatte auch in der Kategorie „Graphic Finearts“ die Nase vorn mit der Rauminstallation „Vivid Memories“. Sie zeigte im Scherenschnittstil kleine Erinnerungsbilder in großen, freischwebenden Gehirnen, eine Auseinandersetzung mit dem Thema Demenz im Alter.

Gleich dreimal Gold gab es im Sachen Unternehmenskommunikation, für einen gestalteten Geschäftsbericht der Deutschen Post, das Magazin „CARE affair“ und einen sich mit dem Prädikat „Nachhaltigkeit“ schmückenden Tätigkeitsbericht der Takkt AG. Und in der Kategorie „Zukunft“ winkte Gold für die Arbeit der Züricherin Kathrin Schemel über Assoziationsräume von Kindern. Zudem erhielten Marc-André Bruckner und Pietro Huber aus Schwäbisch Gmünd die höchste Auszeichnung für ihr ausklappbares Kanu, das Wanderer bei sich tragen.

Die Kampagnen „Open Happiness“ von Coca-Cola und „Frankfurt baut das neue Städel“, wiederum von Ogilvy, erhielten Gold in der Kategorie „Marketing“. Da lag es nahe, den Grand Prix denn auch der Frankfurter Institution Städelmuseum für den Erweiterungsneubau zukommen zu lassen.

Die gelenkige Ringakrobatin Lara Finn gab zwischendurch eine stimmungsvolle Showeinlage. Schließlich wurde die Modedesignerin Jil Sander zum DDC-Ehrenmitglied ernannt.

Dann regnete es vier Minuten Silber-Lametta von der Decke, und das Personal begann, die Tische für das Essen herzurichten. Im Foyer plauderte die Designerwelt: Männer mittleren Alters mit Brillen, dunklen Anzügen und kurzen Haaren; Frauen in engen, dunklen Kleidern, mit Strumpfhosen und teils etwas zu grellrot aufgetragenem Lippenstift. Ein Mädchen mit Haaren im Stil der 60er Jahre huschte durch den Saal, neugierig von den anderen Frauen begutachtet. Sie sei nur Begleitung eines Preisträgers, erklärte sie und musste grinsen: „Ach, mein türkises Kleid fällt auf? Warum auch nicht, die anderen tragen ja alle Schwarz...“

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