Mit Gott nach Schwarzafrika

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Klaus Denner zieht es rotz aller politischer Unwägbarkeiten nach Namibia.

Offenbach - Er stammt aus Heppenheim, wo der gute Tropfen etwas herber schmeckt. Auch Pfarrer Klaus Denner, der jetzt in den Ruhestand geht, ist eher von zurückhaltender Art. Von Klaus Ackermann

Nur wenn's um geistliche Inhalte und weltliche Hilfestellungen geht, wird der Geistliche Rat zum Überzeugungstäter, der in Offenbach seit 1976 Gutes tut. Kaum einer, der sich seiner Suggestivkraft entziehen könnte. Vor allem bei seinem Lebensthema Namibia, wo er etliche soziale Projekte angestoßen hat, die er nach seiner Pensionierung intensiv betreuen wird - mit Gottes Wort als Botschaft und Hilfe. Und mit ausdrücklicher Befürwortung der Bistumsverwaltung.

Möglichst schnell durch Offenbach“, lautete die Devise des jungen Kaplans Klaus Denner, 1970 vom Steinheimer Kardinal Hermann Volk zum Priester geweiht und anfangs auch in Steinheim wirkend, wo er in der Jugendarbeit Akzente setzte. Diese vornehme Zurückhaltung gegenüber Offenbach war nicht von Dauer, seit er im Oktober 1976 als Pfarrer in Dreifaltigkeit eingeführt wurde. Angesichts seines segensreichen Wirkens auf verschiedenen geistlichen Ebenen in dieser Stadt ist der Heppenheimer längst hier eingeplackt.

Der Pfarrer, der auch den Wirt spielte

Wenn ich nicht zum Pfarrer berufen worden wäre, hätte ich auch einen guten Architekten abgegeben“, sinniert Denner über seine zweite große Leidenschaft, die er schon früh in Dreifaltigkeit ausleben konnte. Denn er hat maßgeblich das neue Pfarrzentrum an der Oberen Grenzstraße geplant. Mit der ihm eigenen Akribie: Da gibt es keine langen Wege zwischen privatem und öffentlichem Bereich, zwischen Jugendräumen, Kegelbahn und Theke mit dem Kühlraum gleich nebenan. Und der große Saal ist sogar teilbar, ideal für die Familienfeier. 1979 war Grundsteinlegung, im Herbst wurde das Pfarrzentrum bereits eröffnet, „schließlich mussten wir Geld verdienen, um die Kredite zu tilgen“, so der Pfarrer, der sich nicht zu schade war, den Wirt zu spielen. Dafür hatte er sogar einen Kurs in der IHK absolviert - und kennt sich seither bestens mit Speiseeis-Verordnungen und Hackfleisch-Zertifikaten aus.

Wahrlich eine aufregende Zeit. Nach dem 2. Vatikanischen Konzil herrschte vor allem im liturgischen Bereich Aufbruchsstimmung. Katholische Jugendgottesdienste mit Sacro-Pop und Texten, die nicht nur aus der Bibel stammten, lockten junge Leute in die Kirchen. Und Denners Vorgänger, Pfarrer Scherbaum, hatte Dreifaltigkeit zum Motor dieser Bewegung gemacht, deren Ausstrahlung erst verblasste, als der frische Schwung, nicht zuletzt durchs neue Messbuch angeregt, auch bei den anderen Gemeinden angekommen war.

Aktiv im Vereinsleben und an der Bütt

Klaus Denner setzte den Akzent dagegen auf ein lebendiges Gemeindeleben, intensivierte die Jugendarbeit, organisierte Familienausflüge, Pfarrfeste, kümmerte sich selbst um Kommunion- und Firm-Unterricht, um besseren Kontakt zur Jugend zu bekommen. Lange Jahre war er auch als Geistlicher Beirat bei der DJK „Eiche“ an vorderster Front. Dass Dreifaltigkeit eine lokale Hochburg des Karnevals wurde, ist ebenfalls Denners Werk, hier selbst für Büttenreden mit humorigem Tiefgang berühmt und von seinem erklärten Vorbild geadelt, dem Mainzer Bajazz Dr. Willi Scheu.

Als Dekan hat Denner wichtige Weichen im katholischen Leben der Stadt gestellt. In seine 20-jährige Amtszeit - davon zehn Jahre als stellvertretender Dekan - wurde eine gemeinsame Fronleichnamsfeier aller Gemeinden initiiert und das Totengedenken auf den Friedhöfen an Allerheiligen belebt, was sich bis heute hält. Vor allem soziales Engagement ist ihm wichtig. So wundert nicht, dass der Bischof den Geistlichen Rat in den Vorstand der Offenbacher Caritas berief, dass er „gegen massive Widerstände“ (so Denner) das ökumenische Hospiz in Offenbach mitgegründet hat, demnächst auch stationär am Ketteler-Krankenhaus, und dass er sich auch für die „Fraternität für Menschen mit Behinderung“ einsetzt.

Mit dem Afrika-Virus wurde Denner übrigens vom zu früh verstorbenen Pater Manfred Förg infiziert, dessen Missionsstation in Nyangana mit Krankenhaus und Mädchenpensionat Offenbacher Gemeinden unterstützten. Mit ihrer Hilfe errichtete der Missionar 14 Kirchen im namibischen Busch. Rucara, eine von Förgs Außengemeinden, und hier besonders „Dr. Fish's Place“ hatten es Klaus Denner besonders angetan, der schon bei einem Besuch 2002 träumte, „wenn ich einmal pensioniert bin, dann baue ich hier eine Lodge und einen Kindergarten“.

Afrikanischer Traum kurz vor der Vollendung

Mittlerweile hat er im Norden Namibias bereits vier Kinderbetreuungsstätten in Betrieb genommen, für deren laufende Kosten die „Else-Tschatsch-Stiftung“ (Mühlheim) aufkommt. Im Sinne von Pater Förg sind auch jene Systeme, die für Wasser in drei Dörfern sorgen.

Auch sein afrikanischer Traum steht kurz vor der Vollendung: Das Castel Kavango, der Sommerresidenz des Papstes - Castel Gandolfo - nachempfunden, ist ein Gästehaus mit Schulungszentrum und Konferenzräumen. Natürlich am Okavango-Fluß, an Dr. Fish's Place. Gebaut hat es die „Father Denner Foundation“, eine Stiftung in die Klaus Denner das Vermögen seiner verstorbenen Mutter einschließlich seines Elternhauses in Heppenheim eingebracht hat. Kein Wunder, dass es den Offenbacher Gottesmann trotz aller politischer Unwägbarkeiten nach Namibia zieht. Auch um zu praktizieren, was Pater Manfred Förg am Herzen lag - Hilfe zur Selbsthilfe. Gottes Wort inklusive!

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