Ein Grab wird es für Jennifer niemals geben

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Jennifer Bauer ist eine lebenslustige Frau. Die 27-Jährige hat sich jedoch schon intensiv mit einer Frage auseinander gesetzt, die viele andere in ihrem Alter vermeiden. Was passiert mit dem eigenen Körper nach dem Tod? Ihrer soll für „Körperwelten“ plastiniert werden.

Offenbach ‐ Die evangelische Kirche hält Totenwache und mahnt vor der „menschenverachtenden Ausstellung“. Das ist die eine Seite. Auf der anderen Seite gibt es diejenigen, die von den „Körperwelten“ restlos begeistert sind. Von Veronika Szeherova

So jemand ist Jennifer Bauer. „Ich möchte meinen Körper nach meinem Tod plastinieren lassen“, sagt die junge Frau aus Bieber ohne Umschweife. Den Vertrag mit dem Heidelberger Institut für Plastination hat sie schon vor einem Jahr geschlossen. Damit soll ihr Körper eines Tages Bestandteil der umstrittenen Ausstellung werden.

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„Menschliche Anatomie hat mich immer schon fasziniert“, erzählt die 27-Jährige. Ihr Vater ist ein hochrangiger Kriminalpolizist. „Deswegen wollte ich ursprünglich in die Gerichtsmedizin“, sagt Jennifer. Einer ihrer Leistungskurse war Biologie. Doch aus dem Medizinstudium wurde wegen des Notenschnitt nichts, gesteht sie. Schließlich entschied sie sich für eine Ausbildung zur Hotelfachfrau. Das Interesse an Anatomie indes blieb.

Die Körperwelten-Ausstellung 2004 in Frankfurt schaute sie sich genau an. „Ich fand sie total spannend“, erinnert sie sich. Durch Zufall sah sie eine Fernseh-Doku über eine amerikanische „Body Farm“. Dort wird an Leichen der Verwesungsprozess studiert. Die Erkenntnisse daraus helfen Rechtsmedizinern und Pathologen bei der forensischen Untersuchung von Körpern. „Ich fand es so gut und nützlich, dass man mit den toten Körpern noch etwas Sinnvolles machen kann“, schwärmt die junge Frau. „Mir kam der Gedanke, mich selbst dafür später zur Verfügung zu stellen, aber das ging leider nicht.“

Als sie einige Jahre darauf eine weitere Körperwelten-Ausstellung besuchte, fand sie dort Informationen zur Körperspende am Heidelberger Institut für Plastination. Daheim ging sie sofort ins Internet auf die Homepage des Instituts. „Ich habe das Formular durchgelesen, ausgefüllt, ausgedruckt und hingeschickt“, erzählt sie schmunzelnd. „Es war eine völlig spontane Aktion.“

Thema Tod hat für sie keinen Stellenwert

Nur ihre Familie und den engsten Freundeskreis hat sie anfangs informiert. Die Reaktionen seien positiv gewesen, freut sich Jennifer. „Eigentlich war es gar kein Thema, alle akzeptierten meine Entscheidung problemlos.“ Ihre Familie sei ohnehin sehr liberal. „Wir sind weder religiös noch Friedhofsgänger.“ Ein Grab wird es für die Körperspenderin also nicht geben. „Dazu besteht auch keine Notwendigkeit“, sagt sie mit fester Stimme. „Warum sollten diejenigen, die mir nahe stehen, einen Ort aufsuchen, wo mein Körper unter der Erde vergammelt? Das ist unsinnig.“ Nach der Plastination könne der Körper wenigstens noch für Studienzwecke einen Wert haben. „Der menschliche Körper ist etwas so Wunderbares, es ist doch schade, sein Potential auch nach dem Tod zu vergeuden“, sagt die Hotelfachfrau.

Im Alltag hat das Thema Tod für sie keinen Stellenwert. „Ich genieße einfach mein Leben.“ Die meisten Bieberer kennen sie von der Fastnacht, bei der sie schon lange aktiv ist. „Ich bleibe immer dieselbe, egal, was mit meinem Körper mal passiert“, sagt sie und lacht.

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