Mysteriös: Wer hat den Grabstein geklaut?

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Der schwere würfelförmige Grabstein wurde abtransportiert - wie ist unbekannt, Spuren gab es keine mehr.

Offenbach ‐ Niemand muss sich groß anstrengen, um nachzuvollziehen, wie die Offenbacherin Renate G. vom Schlag getroffen wurde, als sie am vergangenen Freitag zu der letzten Ruhestätte ihres Mannes kam: Grabstein weg, die beiden meterhohen Lavendelbüsche weg, die Fläche leer und wie mit zusätzlichem Sand eingeebnet. Von Thomas Kirstein

Lediglich das kleine provisorische Holzkreuz, das nach der Beerdigung bis zur Steinsetzung das Grab kennzeichnete, weist noch darauf hin, wo auf dem Neuen Friedhof Rüdiger G. vor elf Jahren mit noch nicht einmal 50 Jahren die letzte Ruhestätte fand. Seine Witwe wollte das Kreuz damals nicht entfernen, bald war es vom Lavendel überwuchert. Auf eine Umrandung verzichtete Renate G., „weil mein Mann Friedhöfe hasste und ich es so wenig friedhofsmäßig wie möglich wollte“.

Deshalb waren der Grabstein und seine Position auch eher etwas ungewöhnlich: ein Sandsteinwürfel mit einer Kantenlänge von etwa einem halben Meter, mittig im Grabrechteck positioniert, zu einem Drittel in der Erde verborgen, der Name in Bronzebuchstaben. In diesem Sommer spielte Renate G. mit dem Gedanken, das Grab doch einfassen zu lassen, zog den einer Offenbacher Natursteinfirma erteilten Auftrag dann aber wieder zurück.

Natursteinfirma oder ESO zunächst verdächtigt

Nur noch das vorher von einem Lavendelbusch verborgene provisorische Holzkreuz und eine planiert wirkende Fläche markieren die letzte Ruhestätte von Rüdiger G. auf dem Neuen Friedhof.

Der schwere Brocken ist jetzt spurlos verschwunden. Wie bei der Natursteinfirma schwört man bei der Friedhofsverwaltung Stein und Bein: Ein versehentliches Abräumen vor Ablauf der satzungsmäßigen Totenruhe von 25 Jahren sei nicht passiert. Oliver Gaksch, Sprecher des Stadtdienstleisters ESO: „Wir haben die Unterlagen geprüft und die Mitarbeiter gefragt und können hundertprozentig ausschließen, dass wir etwas damit zu tun haben.“ Wenn der ESO abräumt, dann radikal: Dann wäre das Holzkreuz weg, die Fläche mit Mutterboden bedeckt und mit Gras eingesät.

Zwei Männer müssen den Brocken gestemmt haben

Wer hat also den Stein geklaut? Unter den Arm geklemmt haben kann ihn niemand. Auf 300 Kilogramm schätzt Volker Rode das Gewicht des Würfels. In seinem Linsengerichter Steinmetzbetrieb war der Stein 1999 gearbeitet worden. „Für den Abtransport waren mindestens zwei starke Männer mit einer stabilen Sackkarre notwendig“, ist der Fachmann sicher.

Juristin Renate G. hat Strafanzeige bei der Polizei gestellt: wegen Verdachts des Diebstahls und der Störung der Totenruhe. Ein Gedanke macht ihr zu schaffen: „Wie kann ich mir sicher sein, dass nichts in der Tiefe angerührt wurde?“

Zeugen gesucht

Beim ESO hofft man nun, dass Friedhofsbesucher in diesem Herbst in der Reihe 7 der Abteilung CII etwas beobachtet haben könnten. Telefonisch unter: 069/ 8065 2554 nimmt die Friedhofsverwaltung Hinweise entgegen.

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