Umweltamt erläutert geplantes Maßnahmenpaket für bessere Luft

Die Grenzwerte überschritten

Offenbach - Die Luft wird dünn in Offenbach. Die Sorge darum ist so groß, dass im Rathaus an einem Maßnahmenpaket gearbeitet wird, um die Stickstoffdioxid-Belastung wirksam zu verringern. Im Politischen Salon von AWO und Volkshochschule war das am Montagabend Thema. Von Harald H. Richter

Die Ausgangssituation ist eindeutig und gebietet rasches Handeln. Die Notwendigkeit ergibt sich aus einem Verwaltungsgerichtsurteil, wonach das Land Hessen verpflichtet wird, „den für die Stadt Offenbach geltenden Luftreinhalteplan so zu ändern, dass dieser die erforderlichen Maßnahmen zur schnellstmöglichen Einhaltung des über ein Kalenderjahr gemittelten Immissionsgrenzwert für NO2 in Höhe von 40 ng/m³ im Stadtgebiet Offenbach enthält.“ Ab Jahresbeginn 2015 waren alle Kommunen angehalten, unter dem Grenzwert für den gesundheitsschädlichen Stoff zu bleiben, der überwiegend durch Pkw- und Lkw-Abgase erzeugt wird. Offenbach erfüllt die Vorgabe nicht, Wiesbaden und Darmstadt ergeht es ähnlich. Seit langem ist die Luftbelastung durch Stickstoffdioxid viel zu hoch, übersteigt fast regelmäßig das Zulässige. „Wir müssen dringend etwas tun“, sagt Heike Hollerbach, Leiterin des Umweltamts. Dort arbeite man an einem Papier zur Verschärfung des Luftreinhalteplans.

Hollerbach ist mit Fachreferentin Dr. Irene Haas in den Politischen Salon im Else-Herrmann-Haus gekommen, um erste Vorschläge zu präsentieren. „Die EU hatte 24 Regionen eine Schonfrist bis Ende 2014 eingeräumt“, erinnert Haas. Auch das Rhein-Main-Gebiet bekam einen blauen Brief, zumal seit 2010 der europaweit zulässige Grenzwert für die menschliche Gesundheit bei 40 ng/m³ festgeschrieben ist.

Ergebnisse sind ernüchternd

An verkehrsnahen Orten – auch in Offenbach – liegen die gemessenen Konzentrationen freilich höher. Zur Feststellung bestehen an der Bieberer, der Main- und der Unteren Grenzstraße Passivsammler des Landesumweltamts. Die Behörde unterhält an letzterem Standort seit November 2013 zusätzlich eine Luftmessstation, so dass dort schon Jahresdurchschnittswerte ermittelt werden konnten. Die Ergebnisse sind ernüchternd: „43,3 für 2014 und 40,4 für das vergangene Jahr“, berichtet Haas.

Nach Recherchen unserer Redaktion liegen die an der Messstation dokumentierten Tagesmittelwerte derzeit sogar deutlich über dem Erlaubten. So ist während der vergangenen acht Tage eine Überschreitung auf bis zu 50,8 ng/m³ Stickstoffdioxid festgestellt worden. Dieser Wert betraf den 2. April, also Samstag. Am 31. März, ein herkömmlicher Werktag, wurden 47,3 ng/m³ gemessen. Das legt die Vermutung nahe, dass neben dem Berufs- regelmäßig auch der Individualverkehr zu Belastungsspitzen führt.

Der Luftschadstoff beeinträchtigt besonders die Atemwege und die Herz-/Kreislauf-Funktionen. „Deshalb sind Maßnahmen am Verursacher ansetzen“, sagt Haas und zielt auf Beschränkung, Verminderung und Vermeidung des Kfz-Verkehrs ab. Erschwert wird das Vorhaben durch den Umstand, dass der Kfz-Bestand in Offenbach weiter steigt – bei den Nutzfahrzeugen um etwa vier Prozent auf 3201 (Ende 2015) und bei Pkw von 48.980 (2008) auf 51.162 (2015). „Positiv ist zu vermerken, dass der Pkw-Anteil mit grüner Plakette in fünf Jahren von 41.215 auf 47.836 gestiegen ist, bei gleichzeitig rückläufiger Zahl Umweltschädlinge.“

Pollen, Tonerstaub, Hundehaare im XXL-Format

Offenbach hat zügig einen zusätzlichen Katalog zu entwickeln und dem Land zu liefern, da bisher ergriffene Maßnahmen nicht ausreichen. Heike Hollerbach wird konkret. „Wir müssen Synergien schaffen, den Luftreinhalteplan mit vorhandenen weiteren Programmen und Plänen vernetzen.“ In das verlangte Maßnahmenpaket sollen ein gesamtstädtisches Lkw-Durchfahrtsverbot, eine Verschärfung der Umweltzone sowie eine wirksame Veränderung der Verkehrsraumaufteilung hineingeschrieben werden. „Eine Frage wird sein: wem wollen wir Vorrang geben, dem Netz der Hauptverkehrsadern oder alternativen Möglichkeiten“, stellt die Amtsleiterin in den Raum. Dazu zählt, die ÖPNV-Angebote zu verbessern, zur vor 2015 geltenden Taktverdichtung zurückzukehren, die Busflotte zu erneuern und ihre Linien zu verstärken, das Jobticket zu bewerben sowie die Elektro- und Car-Sharing-Mobilität zu verbessern.

Neben weiteren Schritten zum Reduzieren der Luftschadstoffe sehen die Fachleute Handlungsbedarf beim Klimaschutzkonzept und der CO2-Bilanz zum Reduzieren von Treibhausgasen. „Wir werden alsbald fünf weitere e-Mobil-Standorte im Stadtgebiet einrichten und mit Elektrofahrzeugen sowie Pedelecs bestücken“, verspricht Hollerbach schnelles Handeln. „Auch in der Großstadt Offenbach muss eine multimodale Mobilität aus Bus, Bahn, Fahrrad und Auto gelingen.“

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