Die größten Klima-Sünder

Offenbach - Die Offenbacher laden nicht mehr Schuld am Klimawandel auf sich, als ihnen zusteht. Im Rückblick auf das Jahr 2005 rechnet die gerade vorgelegte erste „Offenbacher Energie- und CO2-Bilanz“ jedem Einwohner 10,6 Tonnen des zur Klimaerwärmung beitragenden Treibhausgases Kohlendioxid zu - insgesamt 1,26 Millionen Tonnen. Von Marcus Reinsch

Das Ergebnis dieser lokalen „Feinbilanz“ entspricht exakt dem Wert, den die vorherige Umrechnung bundesweiter Daten auf eine Stadt in der Größe Offenbachs („Startbilanz“) hatte erwarten lassen.

Aus purem statistischem Jagd- und Sammeltrieb hat sich das Amt für Umwelt, Energie und Mobilität die extrem mühselige Arbeit aber nicht gemacht. Das 110-Seiten-Werk dient als Datenfundament für ein vom Stadtparlament verlangtes Klimaschutzprogramm mit konkreten Verbesserungsvorschlägen. Und damit der Erfüllung der von Offenbach mit dem Beitritt zum Klimabündnis unterzeichneten Selbstverpflichtung, die Emissionen drastisch zu reduzieren. Im Jahr 2030 will Offenbach nur noch für 740 000 Tonnen CO2 verantwortlich sein - 41 Prozent weniger als noch 2005.

Viel zu viel Feinstaub in der Luft

Die Themen Lkw-Fahrverbot und Umweltzone werden für Offenbach wieder akut. Weil Feinstaubmessungen in der Bieberer Straße, der Unteren Grenzstraße und der Mainstraße ergeben haben, dass die Belastung der Anwohner deutlich über den gesetzlichen Grenzwerten liegt, hat das städtische Umweltamt das Hessische Umweltministerium alarmiert.

Das hatte sich vor eineinhalb Jahren geweigert, Luftmessstationen in Offenbach aufzustellen. Es akzeptiere nun aber die Ergebnisse, die Offenbach mit Hilfe von Sammelbehältern auf eigene Faust bekommen hat, erklärte Bürgermeisterin Birgit Simon gestern. In den nächsten Wochen will sie sich mit dem Ministerium über die Konsequenzen der Überlastung unterhalten. Und darüber, ob das Land doch lieber wieder Messstationen spendiert.

Wir nehmen dieses Ziel sehr ernst“, gab Bürgermeisterin Birgit Simon gestern zu Protokoll. Und weil der Lohn des harten amtlichen Kampfes um möglichst viele lokale Daten das Wissen um die größten Offenbacher Energieverbraucher und CO2-Produzenten ist, sei nun auch klar, wo Hebel angesetzt werden müssen.
Der von Umweltamtschefin Heike Hollerbach, Fachreferentin Sabine Swoboda und anderen um eine lange Liste abgeschlossener, geplanter und empfohlener Maßnahmen ergänzte Bericht birgt interessante Erkenntnisse. Beispielsweise die, dass der Offenbacher Energieverbrauch zwar in etwa bundesweitem Durchschnitt entspricht, aber anders zusammengesetzt ist.
Beispiel Pkw-Verkehr: Der ist in Offenbach zwar an mehr als 60 Prozent der CO2-Emissionen im gesamten Verkehrssektor schuld. Doch an der Gesamtbelastung hat eben der einen kleineren Anteil als im nationalen Schnitt. Der Grund ist schnell gefunden: Zum einen ist es typisch für Großstädte, dass Wege auch mit Bus oder S-Bahn zurückgelegt werden. Zum anderen besitzen nur 470 von 1000 Offenbachern überhaupt ein Auto, während es im Bundesschnitt 670 sind.

Für Werte deutlich über dem National-Schnitt sorgt hingegen die Energieversorgung Offenbach (EVO) als Produzentin von Fernwärme und Strom aus der Verbrennung von Müll, Kohle und Holzpellets. Solche „kommunalen Energieerzeugungsanlagen zeigen deutlich ein Handlungspotenzial an“, heißt es. Da könnte der schon verkündete vermehrte Einsatz von selbst produzierten Pellets helfen.

Weitere CO2-Schleudern, deren energetische Bändigung spürbare Bilanzverbesserungen bringen sollen: Gebäude wie das Rathaus, das Klinikum (Jahresenergieverbrauch 2005: 35 Millionen Kilowattstunden) und Schulen (26 Millionen), sanierungsbedürftige Kindertagesstätten, Sportanlagen und einige Immobilien der Wohnungsbaugesellschaften.

Einsparpotenzial schreibt die Empfehlungsliste auch Maßnahmen zu, die vor allem Überzeugungsarbeit bedeuten. Beispielsweise die Energieberatung für Hartz-IV-Empfänger. Weitere Stichworte sind die schon existenten Bürgersolaranlagen, die Sanierung des Waldschwimmbades, ein verpflichtendes Ökofahrtraining für Fahrer im Stadtkonzern, Mobilitätsmanagement in Betrieben und mehr. Es gibt dutzende Ansprechpartner. Sie sollen im September zu einer Offenbacher Klimaschutzkonferenz eingeladen werden.

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