Ehrgeizige Pläne für KWU-Areal

Neues Stadtviertel nahe des Kaiserlei-Kreisels

Die Berliner Straße heute – mit dem scheibenförmigen, langgezogenen Gebäude (links) und dem Y-Gebäude (rechts). J  Foto: Georg

Offenbach - Es geht um das 44 .600 Quadratmeter große Areal zwischen Berliner Straße, Goethering, Strahlenbergerstraße und Kaiserleikreisel. Dort soll nach den Vorstellungen des Projektentwicklers CG-Immobilien (Berlin/Leipzig) ein neues Mischgebiet mit 1100 Mietwohnungen, Gewerbe und Büros für etwa 3000 Menschen entstehen. Von Michael Eschenauer 

Wie Markus Selinger, Geschäftsführer der für das Projekt verantwortlichen CG-Tochter „Artist Living“, gestern berichtete, wurde die Bauvoranfrage bei der Stadt Offenbach zwar noch nicht positiv beschieden. „Wir sind allerdings guter Hoffnung, in Kürze mit der Stadt einig zu werden.“ Jürgen Amberger, Leiter der lokalen Wirtschaftsförderung, sprach von einem „guten und runden Konzept“. Markus Eichberger, kommissarischer Leiter des Planungsamtes, sieht angesichts der jetzt vereinbarten Nutzungsmischung von etwa 40 Prozent Gewerbe und 60 Prozent Wohnungen die Vorgaben für das als Mischgebiet ausgewiesene Areal erfüllt.

Im Idealfall könnten die Bauarbeiten Anfang nächsten Jahres beginnen. 2020 ist als Termin für die Einweihung denkbar. Die CG-Gruppe hat bereits alle Häuser und Grundstücke gekauft, ausgenommen das Macrander-Hotel an der Strahlenbergerstraße. Da sei man noch in Verhandlungen, so Selinger. Das Entwicklungskonzept funktioniere aber auch ohne das Hotel. Außerdem hofft man, eine zusätzliche Fläche am Kaiserleikreisel von der Stadt kaufen zu können. Dies ist möglich, wenn das Rund wie von der Stadt geplant kommendes Jahr durch zwei große Verkehrskreuzungen ersetzt wird. Das fragliche Grundstück reicht dann bis fast an die A 661 heran.

Arbeitstitel „Artist Living“

Die Pläne der CG-Gruppe, die bundesweit als Projektentwickler tätig ist, sehen vor, den langgezogenen, leerstehenden Bürokomplex direkt an der Berliner Straße und das schräg dahinter stehenden sogenannte Y-Haus (im Volksmund: KWU-Gebäude) unter Beibehaltung der Höhen komplett zu entkernen und umzubauen. Realisiert werden soll in den seit zehn Jahren leerstehenden, 1973 für die Kraftwerkssparte von Siemens errichteten Häuser ein neues Wohnkonzept für Berufstätige: Unter dem Arbeitstitel „Artist Living“ laufen die Planungen für 700 Apartments für leitende Angestellte, die zeitweise ins Rhein-Main-Gebiet versetzt wurden. Einzige äußerliche Veränderung: Das Gebäude wird durch Herausschneiden eines Teils in der Mitte eine U-Form erhalten. Alle übrigen Gebäude auf dem Grundstück sollen abgerissen werden.

Aus dem leerstehenden KWU-Bürohochhaus an der Berliner Straße soll ein Kurzfrist-Mietshaus für Manager aus allen Teilen Deutschlands und Europas werden. Zu erkennen ist die Aussparung in der Mitte des Gebäudes.

Das neue Viertel wird geprägt durch eine sechsgeschossige Randbebauung. Dort plant „Artist Living“ im wesentlichen Mietwohnungen, aber auch Gewerbe, vorzugsweise im Erdgeschoss. Auf dem derzeit in der Kreiselmitte liegenden Grundstück neben der Autobahn soll ein Hochhaus mit Hotel, Büros und Einzelhandel im Erdgeschoss gebaut werden. Weiteres Gewerbe ist an der nordwestlichen Ecke des Grundstücks vorgesehen. Die Bruttogeschossfläche liegt – das Hotel eingerechnet – bei 136 000 Quadratmetern. Zwischen den Gebäuden will man Grünflächen anlegen. Die CG-Holding arbeitet mit dem bekannten Berliner Architekten Eike Becker zusammen. Als Käufer der verschiedenen Objekte kommen Immobilienfonds, Pensionskassen oder Lebensversicherungen in Frage. Es gibt laut Selinger bereits Interessenten.

Kern des Projekts ist die Idee, „Kurzfrist-Mietwohnungen für Manager“ anzubieten. „Für Leute, die von ihrer Firma für ein bis zwei Jahre in eine andere Stadt versetzt werden, gibt es derzeit nur Hotels und Boardinghäuser. Beides ist teuer und unpersönlich. Da wollen wir ansetzen“, so Selinger. Die CG-Gruppe ist mit der Idee seit einem Jahr in Offenbach unterwegs. Das Konzept sieht vor, dass die neuen Bewohner der beiden ehemaligen Bürohochhäuser nur ihre Koffer mitbringen müssen, aber trotzdem eine persönlich nach ihren Vorstellungen eingerichtete Wohnung vorfinden. Das Angebot, das in den USA und Großbritanien bekannt ist, wobei dort die Wohnungen um die 4000 Euro kosten, soll für Offenbach preislich entschärft werden. „Wir kalkulieren mit 1000 bis 1500 Euro als Monatsmiete. Hinzu kommen für die Einrichtung etwa zwei Euro pro Quadratmeter“, so Selinger.

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Denn, und das ist das Besondere: In den Wohnungen mit Größen zwischen 45 und 65 Quadratmetern gibt es lediglich Küche, Bad und Einbauschrank. Den Rest der Einrichtung mieten die neuen Bewohner je nach Geschmack aus einem Katalog hinzu. Ist das Gastspiel in Offenbach zu Ende, geht das Inventar zurück an den Möbelvermieter. Ähnliche Wohn-Projekte verfolgt CG-Immobilien in Berlin, Leipzig und Düsseldorf. Für den Standort Offenbach spreche die Nähe zum von Wohnungsmangel geplagten Frankfurt. Offenbach sei zudem preisgünstiger und gut angebunden, nicht zuletzt durch die neue Mainbrücke an der EZB. Selinger spricht von einer Erfolgsidee. Bundesweit gebe es mindestens 800.000 höherrangig Beschäftigte, die immer mal wieder über einige Monate in eine fremde Stadt abgeordnet würden.

In der Offenbacher Verwaltung herrscht eine gewisse Skepsis gegenüber dem Projekt. 700 Manager-Apartments seien am Markt nicht so einfach absetzbar, so die Kritik. Beobachter der Immobilienszene fragen sich auch, ob die CG-Gruppe am Ende genügend Investoren für ihr Vorhaben finden kann. Hinter der Nachricht, das Vorhaben sei auf einem guten Weg, stecke auch die Intention, potentielle Geldgeber zu gewinnen und zu beruhigen.

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