Nachtflüge und Lärm: Große Erwartungen an Leipzig

Leipzig/Offenbach - Die Strategie ist festgezurrt, die Erwartungen aller Akteure sind groß: Im seit Jahren tobenden Streit um den Ausbau des Frankfurter Flughafens und seine dramatischen Folgen für die Region schlägt heute um 10 Uhr vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig die Stunde der Anwälte. Von Marcus Reinsch

Wahrscheinlich zwei ganze Tage wird in Leipzig verhandelt. Denn jeder der acht stellvertretend für insgesamt 200 Kläger zugelassenen Musterkläger wird vortragen, warum die Planfeststellung für die im Oktober eröffnete Nordwest-Bahn des Flughafens aus seiner Sicht eine Katastrophe darstellt. An der Spitze des Widerstands: die Stadt Offenbach.

Deren Prozessbevollmächtigter, der Anwalt Reiner Geulen, zeigte sich gestern Abend in Leipzig optimistisch, das Land Hessen und den Flughafenbetreiber Fraport in die Schranken weisen zu können. Das Land ist in Revision gegangen gegen eine Anordnung des Hessischen Verwaltungsgerichtshofs, der ein vorläufiges Nachtflugverbot verhängte.

Schwerwiegende Fehler

„Die haben schwerwiegende Fehler gemacht. Und die holen sie jetzt ein“, sagte Geulen am Rande eines Treffens aller Klagenden in Leipzig. Dazu gehören neben Offenbach und dem Offenbacher Klinikum die Städte Neu-Isenburg, Raunheim, Rüsselsheim und Mörfelden-Walldorf sowie eine Unternehmer-Familie aus Kelsterbach und ein Ehepaar aus Frankfurt-Sachsenhausen. „Jeder davon hat einen anderen Klage-Ansatz“, erklärte Offenbachs Flughafendezernent Paul-Gerhard Weiß.

Alles rund um den Prozess in Leipzig lesen Sie im Stadtgespräch

„Und das ist ja auch der Sinn von Musterklagen, dass jeder etwas Besonderes darstellt, das aber wieder für die Betroffenheit vieler steht.“ Die prozessbevollmächtigten Juristen und teilweise auch die Politiker dieser Musterkläger kamen gestern Nachmittag zusammen, um „die Klagestrategien nochmal abzustimmen“ und das „Überraschungspotenzial, ob juristisch alles dicht ist, weitgehend zu eliminieren“. Aus der Summe der Betroffenheiten müsse am Ende ein Erfolg für die Menschen in der Region stehen.

Tilgung der Planfeststellung für die neue Bahn

Sei es die höchstinstanzliche Tilgung der Planfeststellung für die neue Bahn - trotz sehr geringer Chancen grundsätzlich angepeilte Maximallösung - oder die Ausdehnung des absoluten Nachtflugverbots von jetzt 23 bis 5 Uhr auf 22 bis 6 Uhr. Die Folgen des Flughafenausbaus auf Offenbach seien allerdings „einzigartig“, sagte Weiß.

Siedlungsbeschränkungen für 80 Prozent des Stadtgebiets, Bau- und Erweiterungsverbote für lärmsensible Einrichtungen wie Kitas, Schulen, Altenheime und das Krankenhaus sowie die Blockade jeder weiteren Entwicklung einer Stadt, das dürfe so nicht bleiben.

Rubriklistenbild: © dpa

Kommentare