Große „Identifikationsflächen“

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Ideen- und Geldgeber, Koordinatoren und Künstler sind an der Plakataktion beteiligt. Erstes Motiv, an etwa 90 Bushaltestellen zu sehen bis in den Januar hinein: das Isenburger Schloss aus ungewöhnlicher Perspektive.

Offenbach ‐ Auch das andere Plakat hatte im ungemütlichen Schneegestöber des gestrigen Nachmittags durchaus seinen Reiz gehabt: Mallorca, Flug und Hotel, Halbpension, 189 Euro. Von Marcus Reinsch

Wenn der Winter Offenbach richtig in die Zange nimmt, ist Fernweh ein naheliegendes Gefühl. Dass die eine Botschaft an der Bushaltestelle gegenüber des Offenbacher Rathauses nun trotzdem einer anderen weichen musste, hatte zwei Gründe. Den, dass der Internet-Reiseveranstalter die von der „Ströer Deutsche Städte Medien“ (DSM) vermarktete Werbefläche nicht länger gebucht hatte. Und den, dass die DSM der Stadt erlaubt, die Seitenwände der Bushaltestellen für pachtfreie Mitteilsamkeit in eigener Sache zu nutzen, wenn sich kein zahlender Kunde findet. Genau das passiert jetzt.

Die ersten fünf Plakate:

Offenbacher Motive für Plakat-Aktion

Die „Top 10 Offenbach“ betitelte Plakataktion, die die wichtigen, schönen, bedeutenden Orte der Stadt aus ungewöhnlichen Perspektiven zeigen will, ist eine breit angelegte Gemeinschaftsarbeit. Im Rotary-Club Offenbach wurde die Idee geboren, in der Dr. Marschner-Stiftung fanden sich Zuspruch und Zuschuss. Städtische Öffentlichkeitsarbeiter koordinierten die Mühen aller Beteiligten, und mit der Künstlerin Agnes Stockmann und dem Fotografen Jon Pahlow waren auch schnell zwei ausführende Offenbacher Kreative im Boot. Was sie geschaffen haben, wird nun - nacheinander und meist in für die DSM umsatzschwachen Monaten - für jeweils insgesamt etwa drei Wochen an 90 Bushaltestellen für „besondere Merkmale, die Offenbach von anderen Kommunen unterscheidet“, werben.

Fünf Motive existieren bisher. Das erste zeigt einen Gewölbegang des Isenburger Schlosses; weitere Lockrufe haben Stockmann und Pahlow bei Fahrradtouren durch die Stadt aus allen Blickwinkeln betrachtet und schließlich festgehalten. Betonbögen im Dreieichpark etwa oder, kombiniert mit einer der Schrifttypen aus dem Klingspormuseum, das Büsingpalais. 10.000 Euro haben Rotarier und Dr. Marschner-Stiftung für die 1,78 mal 1,19 Meter großen Plakate gegeben, weitere Sponsoren werden gerade überzeugt.

Rumpenheimer Schloss, Wetterpark, Kickers

Zu viele von ihnen können es nicht werden, betont Stadtsprecher Matthias Müller: „Top 10“ sei weder im Sinne einer Hitparade zu verstehen, die ein Motiv als wahrnehmungswürdiger als ein anderes definiert, noch gebe das eine Maximalzahl an Motiven vor. Das Rumpenheimer Schloss stehe auf der Liste, der Wetterpark, natürlich die Kickers und vieles mehr. Und da sei auch das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren, das als Untertitel der Offensive mit Informationen zum jeweiligen Motiv auf die Plakate gedruckt ist: „Vielfalt erleben in Offenbach.“

Begeisterung sei vielleicht „ein hehres Ziel“, meinte Gerd Petermann von den Rotariern gestern. „Aber man muss ja mal anfangen, der Negativ-Spirale etwas entgegen zu setzen und wenigstens versuchen, einen gewissen Stolz auf Offenbach zu entfachen.“ Meint Oberbürgermeister Horst Schneider sowieso. Es gebe „ein größeres Bedürfnis nach positiven Identifikationsflächen, - objekten- und subjekten“. Und dass da nun aufgeholt werde, dafür sei zu danken.

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