Große und kleinere Probleme

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Hier konzentrieren im Quartier sich Probleme: Anwohner fordern, dass nach Abriss des alten Zentralbaus die „zusammengefahrene Lortzingstraße“ (links) saniert wird. Der kleine Stummel an der Beethovenstraße (geradeaus) könnte für die Zeit des Schulneubaus gesperrt werden, damit Kinder die gegenüberliegende Grünfläche als Pausenhof nutzen. Vorteil: Mama und Papa könnten morgens und mittags nicht mehr den Schulweg zuparken.

Offenbach  ‐ Den Job hat Horst Schneider sich selbst ausgesucht. Folglich muss der Verwaltungschef sich mit den Anliegen der Offenbacher auseinander setzen. Und deren Probleme sind sehr unterschiedlich. Frei nach Liedermacher Reinhard Mey: Was für den einen groß und wichtig erscheint, ist für den anderen nichtig und klein.  Von Martin Kuhn

Das ist wieder einmal zu erleben, als Horst Schneider im Quartier rund um Klinikum und Beethovenschule den Bürgern ganz nah sein möchte.

Der marode Zustand der Grundschule ist immer ein Thema, obwohl die Elternschaft naturgemäß sich alle vier Jahre ändert. Derzeit reiben sich Mütter und Väter an den Neubauplänen, denen bekanntlich ein Stück Schulhof und einige Bäume geopfert werden könnten. Die Argumente für Neubau und gleichzeitigem Erhalt der Freiflächen wiederholen sich: Die Kinder benötigen Platz, im Quartier fehlt ohnehin ein Spielplatz, die Bäume bilden eine kleine grüne Lunge.

Dem widerspricht Schneider im Saal des Mehrgenerationenhauses nicht. Er versteht auch die Aufregung - wird aber unwirsch, wenn ihm während der langwierigen Debatte vorgeworfen wird, mit verdeckten Karten zu spielen. Das Gegenteil sei doch der Fall: „Wir haben von Anfang an gesagt, dass dort der Grundstücksverkauf eine Option sein kann.“ Schließlich sei es eine Auflage der Kommunalaufsicht, dass die Stadt fürs 250-Millionen-Paket der Schulsanierung Vermögenswerte veräußere.

Aktueller Zeitplan: Die Stadt sei kurz davor, einem Anbieters im ÖPP-Verfahren den Zuschlag zu erteilen, es fehlen noch eine Wirtschaftlichkeitsprüfung und letztlich eine Entscheidung. Für die Bauzeit gebe es bereits Überlegungen: Containerdorf, Straßensperrung.

Mit dem zweiten Punkt ginge die Stadt ein weiteres Problem an, das seitens der Bürger aufs Tapet kommt: „Viele Eltern parken morgens alles zu, um ihre Kinder nur kurz in die Schule zu bringen - kontrolliert denn da niemand?“ Fehlt eigentlich der Zusatz: und das in der Knöllchenhauptstadt Deutschlands.

Bei solchen Fragen verweist der Oberbürgermeister gerne an seinen Ordnungsamtsleiter Peter Weigand. Der sagt: „Machen wir ohnehin.“ Und mit der Aufstockung der Stadtpolizei ab 1. Januar 2011 verspricht er zudem mehr Fuß- und Fahrradstreifen auch zu späten Stunden. „Dann können wir drei Schichten besetzen und bis ein Uhr nachts unterwegs sein.“ Derzeit endet dieser Streifendienst um 21 Uhr - für viele zu spät, die abends beim Gang durch den Anlagenring gern ein sicheres Gefühl hätten.

Und noch eine Zusage geben Weigand und Schneider: Auch in Tempo-30-Zonen, mittlerweile an vielen Stellen etabliert, werde die Geschwindigkeit überwacht. Das scheiterte früher an der Technik, heute sind neue Messverfahren „eigentlich in jeder Stelle Offenbachs anzuwenden“. Natürlich hat Peter Weigand aktuelle Zahlen parat: In der Schubertstraße kontrollierte das Ordnungsamt morgens um 9 Uhr. Ergebnis: Etwa ein Drittel aller Autofahrer hielt sich nicht an Tempo 30. Spitzenwert: 47 Stundenkilometer. Einer anderen Forderung der  Anlieger möchte Schneider indes nicht nachkommen: Weitere Einbahnstraßenregelungen, etwa in der Weikertsblochstraße, soll es nicht geben. Seine Argumente: Das erzeuge mehr Verkehr und verleite zu schnellerem Fahren.

Während also Autofahrer zu viel Gas geben, dröhnen die Flieger. An ein „Trostpflaster Nachtflugverbot“ will im Offenbacher Süden ohnehin niemand so recht glauben. „Was unternimmt die Stadt weiter?“ Schneider setzt mit Magistrat und Stadtverordnetenversammlung auf den juristischen Weg und gibt zu: „Politisch haben wir als kleine Großstadt da nur geringe Hebel.“

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