Große Koalition aus Liebe

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Haben ihre Wahl getroffen: Die Stadtverordneten Andrea Karnoll (SPD) und Christoph Rupp (CDU) heiraten im Dezember in ihrer Heimatstadt. Dass ihr Partner jeweils in einer anderen Partei ist, stört sie nicht. Im Gegenteil: Sie sind beide kompromissfähig - politisch wie privat.

Offenbach ‐ Die große Koalition hat einen Hamster. Die Entscheidung, den kleinen pelzigen Kerl mit den dunklen Knopfaugen anzuschaffen, fiel einstimmig. Nur bei der Namensgebung wurde ein Kompromiss geschlossen. Jetzt heißt der Hamster Helmut. Von Katharina Skalli

Nach Helmut Schmidt und Helmut Kohl. Der samtige Helmut wohnt jedoch nicht in einem tristen Berliner Parteibüro, sondern bei Andrea Karnoll und Christoph Rupp. Sie ist bei der SPD, er bei der CDU, und ihr Entschluss zu heiraten, macht sie zur großen Koalition. Zumindest privat.

„Weil Helmut sehr dick ist und nicht raucht, kann er eigentlich nur Kohl sein“, sagt Christoph Rupp. Der Stadtverordnete scheint sicher zu sein. Auch seine Verlobte, die die Empörte spielt, bringt ihn nicht von seiner Meinung ab. Doch dass aus dem Mund ihres Freundes eine Zustimmung kommt, erwartet die Sozialdemokratin ohnehin nicht wirklich. Seine Meinung zu Helmut ist ihr auch nicht so wichtig, denn zumindest im Stadtgeschehen schwingt sie das Zepter. „Ich bin die Regierung und er ist die Opposition“, sagt die lebhafte Blondine und lacht. Das trifft zwar auf ihre Heimatstadt zu, jedoch nicht unbedingt auf das Wohnzimmer der beiden. Da wird meistens gemeinsam entschieden. Dass sie die Hosen anhabe, bestreitet die Sozialdemokratin. Entscheidungen trifft das Polit-Pärchen demokratisch. Unsere Koalition klappt wunderbar“, sagt die 31-Jährige.

Beide wollen etwas für ihre Stadt tun

Seit etwa einem Jahr sind der Revisor und die Studentin zusammen. Am 17. Dezember steht die standesamtliche Trauung im Büsingpalais an. Am 20. August 2011 läuten dann die Hochzeitsglocken mit geistlichem Beistand. Dass sich das Paar in Offenbach trauen lässt, ist für beide selbstverständlich. Sie fühlen sich mit ihrer Heimatstadt eng verbunden. Schon immer. Und so sehr, dass sie als Jugendliche in die Jugendorganisationen ihrer Parteien eintraten und bis heute aktiv Offenbach mitgestalten.

„Wir wollten beide etwas für unsere Stadt tun“, erklären sie heute ihr Engagement, das ungebrochen ist. Ihr politisches Ehrenamt prägt ihren Alltag. Sitzungen, Parteitage, lange Nächte mit komplizierten Anträgen und Berichten. „Das gegenseitige Verständnis für die ehrenamtliche Arbeit war auf beiden Seiten von Anfang an da“, sagt Christoph Rupp. Dass das nicht selbstverständlich ist, wissen beide aus Erfahrung.

Nicht jeder in der Partei freut sich mit den Verlobten

Auch zuhause ist politisches häufig Thema. Gestritten wird jedoch nicht. Beide wissen, dass sie ihren Partner ohnehin nicht überzeugen können, das Lager zu wechseln. Beide sehen es als Vorteil, Parteimitglieder zu sein. Durch ihre parteipolitische Arbeit haben sie gelernt, andere Auffassungen zu akzeptieren. „In einer Partei zu sein, heißt Kompromisse zu schließen und nicht eine Meinung durchzuboxen“, meint Rupp. Der 35-Jährige lacht viel und gerne mit seiner Liebsten. Es sei wichtig, sich selbst nicht immer zu ernst zu nehmen, findet er.

Und weil so viel gelacht wird im Hause Rupp-Karnoll, lassen sich auch die Spitzen besser ertragen, die dem Duo seit dem Bekenntnis ihrer Liebe teilweise entgegen schlagen. Nicht jeder Parteikollege freut sich mit den Verlobten. „Es gibt Menschen, die sehen nur die Partei und nicht die Person, die dahinter steht“, ärgert sich die große Liebes-Koalition. Die Fraktionsvorsitzenden hätten jedoch sehr positiv reagiert. Gleich nach den Eltern wurden Stephan Färber und Peter Freier informiert. Dem Pärchen war es wichtig, dass ihre „Chefs“ frühzeitig Bescheid wissen über ihre Beziehung, die während der politischen Arbeit ihren Anfang nahm und die sie selbst eigentlich gar nicht an die große Glocke hängen wollten.

Humor und ein Schuss Sarkasmus

Dass sie einen ähnlichen Humor haben, merkten sie recht schnell, dass sie sich über die politischen Unterschiede hinweg lieben können, ein wenig später.

Andrea Karnolls herzerfrischendes Lachen steckt an. Christoph Rupp lässt sich oft und schnell verleiten. „Ihr Humor gefällt mir“, sagt er. „Vor allem dieser Schuss Sarkasmus.“ Im Privatleben wird nicht nur gemeinsam gelacht, sondern auch gemeinsam entschieden. Wo geheiratet wird, wer auf die Gästeliste kommt und was serviert wird, bestimmen sie im Team. Bilden sozusagen eine doppelte Regierungsspitze.

Die Koalitionsgespräche sind erfolgreich beendet. Und in der Koalitionsvereinbarung steht nun ein rauschendes Fest mit vollem Programm: Torte, Feuerwerk und Schmetterlinge inklusive. Nicht nur in der Luft, sondern auch im Bauch.

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