Elektro Rösler schließt aus Altersgründen

Große Marktstraße: Jack-Wolfskin-Filiale gibt auf

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Leere statt Outdoorbekleidung: Nach weniger als einem Jahr ist der Jack-Wolfskin-Store an der Großen Marktstraße zu. Die heute US-amerikanische Marke ist übrigens regionaler Herkunft: 1981 erfand sie der Hanauer Ulrich Dausien für seine Sine-Läden.

Offenbach - Nach nicht einmal einem Jahr in guter City-Lage an der Großen Marktstraße ist die hiesige Filiale des Outdoor- Bekleiders Jack Wolfskin schon wieder dicht. Wie es mit den Räumen weitergeht, ist bislang unklar. Von Veronika Schade 

Einige hundert Meter weiter steht ein weiterer Umbruch an: Das Traditions- geschäft Elektro Rösler schließt zum Monatsende. „Tatze statt Edelbesteck“ hieß es noch vor einem knappen Jahr an der Großen Marktstraße 3: Nach Schließung der traditionsreichen WMF-Filiale hatte im August die Outdoor-Marke Jack Wolfskin den Laden in guter Innenstadtlage bezogen. Doch es wurde nur ein kurzes Gastspiel. Seit vergangener Woche sind die Geschäftsräume wieder leer. Der Grund dafür ist die Insolvenz des Franchise-Nehmers.

2014 war die Freude bei der städtischen Wirtschaftsförderung groß gewesen, als die renommierte Marke dort einzog und die in Offenbach allgegenwärtige Gefahr eines weiteren Ramschladens gebannt war. Geschäftsführer Christian Fülbier war zuversichtlich, dass sich sein Umzug vom KOMM-Center an die gut frequentierte Fußgängerzone lohnen würde. Die erhofften Geschäfte blieben indes aus: „Wir konnten grundsätzlich unsere Bilanzzahl gegenüber dem KOMM verbessern, aber es reichte trotzdem nicht.“ Fülbier, der 16 Jahre für den in Idstein ansässigen Outdoor-Anbieter tätig war, wurde von seinem Lizenz-Geber angehalten, die Filiale zu schließen. „Das Finanzloch war zu groß, sie haben die Reißleine gezogen“, sagt er. Für die Misere macht er allerdings nicht den Standort Offenbach verantwortlich: „Es ist ein allgemeines Problem der Outdoorbranche.“ Auch in anderen Städten stagnierten die Geschäfte. Aktuell mitverantwortlich sei der viel zu warme Winter.

Wie es mit dem Ladenlokal weitergeht, steht noch nicht fest. „Wir bekamen vom Mieter immer ein positives Feedback“, berichtet City-Managerin Birgitt Möbus. „Daher hat uns diese Entwicklung selbst überrascht.“ Es sei alles zu frisch, das Objekt noch nicht in der Flächendatei aufgenommen. Der Immobileinbesitzer sei daran interessiert, die Räume möglichst bald und gut zu vermieten. „An diesem Standort waren bisher immer gute Mieter, so wie wir sie uns wünschen“, sagt Möbus. Einige hundert Meter weiter, an der Großen Marktstraße 46, wird das Ende einer Ära eingeläutet: Das Traditions-Fachgeschäft Elektro Rösler schließt zum 31. Juli. Inhaber Gert Rösler hat diesen Entschluss aus Altergründen gefasst. „So wie es die letzten Jahre gelaufen ist, würde niemand den Laden übernehmen“, bedauert Schwiegersohn Stefan Rösler. Die Anteilnahme und Bestürzung bei den treuen Kunden sei groß. In den nächsten Wochen gibt es einen Abverkauf.

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Auch Möbus trauert um den Laden: „Er ist Kult. Wo sonst hat man Schräubchen in so kleinen Mengen kaufen können und wurde so toll beraten?“ Leerstand wird es dort aber, wenn es gut geht, nicht geben: Ein Nachmieter steht kurz vor der Vertrags-Unterzeichnung. „Es ist ein modernes Elektronik-Fachgeschäft“, verrät Rösler. Christian Fülbier dagegen sieht seine Zukunft nicht mehr im Einzelhandel. Zwar habe er interessante Angebote bekommen, auch von Jack Wolfskin an anderen Standorten: „Aber mir reicht es jetzt erstmal.“ Er versucht eine berufliche Neuorientierung zum Erzieher, absolviert ein Praktikum in einer Kita als Einstiegsqualifizierung. „Dort habe ich weder Ärger mit Ladendieben noch mit schlecht gelaunten Kunden“, sagt er auf einen guten und zukunftssicheren Arbeitsplatz hoffend.

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