Einzelhandel

Große Regenschirmparade

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In Ruhe die rabattierten Angebote begutachten konnten gestern die Kunden des Kaufhauses M. Schneider.

Offenbach - Das Wetter macht den Einzelhändlern in der Innenstadt einen Strich durch die Rechnung. Nach einem letztlich guten Weihnachtsgeschäft ist es am Tag des Umtauschs nach dem Fest nicht besonders eng an den Wühltischen. Von Veronika Szeherova und Fabian El Cheikh

Es plätschert, plätschert und plätschert. Regenschirme sind gestern Mittag auf der Frankfurter Straße ausgesprochen zahlreich unterwegs – bei einem Sauwetter, das geradewegs zur Flucht in die Läden anregt. Könnte man meinen, ist aber nicht überall der Fall. Der große Tag nach Weihnachten, wenn es daran geht, unliebsame oder doppelte Geschenke umzutauschen und Gutscheine oder Bares in Materielles einzulösen, dieser Tag ist für die Offenbacher Händler zu einem Großteil ins Wasser gefallen.

„Die Besucherfrequenz ist ganz gut“, berichtet zwar Christiana Baudach, Geschäftsführerin der Galeria Kaufhof. Eng wird’s an den Wühltischen dennoch nicht. Nur wenige Kunden kommen, um ausgiebig einzukaufen, sie haben vielmehr ein klares Ziel vor Augen. Etwa ein Offenbacher Ehepaar, das namentlich nicht genannt werden möchte. Mit Kassenzettel und einem Stein für ein „Pandora-Armband“ ausgerüstet geht es zur Schmuck-Abteilung. „Ich habe ein Teil doppelt geschenkt bekommen“, erklärt die Frau. „Mein Mann hat es beim Kauf verwechselt.“ Ein anderer Stein ist schnell gefunden, schon ist die Mission erfüllt. „Sonst haben wir nichts umzutauschen, dieses Jahr sind wir mit den Geschenken sehr zufrieden.“

Höheres Niveau als 2011

Ebenfalls zufrieden zeigt sich Stefan Becker, Geschäftsführer des Kaufhauses M. Schneider. Der gestrige Tag sei zwar unauffällig verlaufen, „genau wie im Vorjahr“. Doch im gesamten Dezember seien die Verkaufszahlen über das Niveau von 2011 gestiegen. Besonders gut verkauften sich Gutscheine. „Bis Ende Januar werden die meisten eingelöst“, weiß Becker. Viele Kunden stehen mit ihren bereits gestern an den Kassen. Jedoch nicht, um Winterbekleidung wie Mäntel und Jacken zu erwerben. „Das Wetter ist dafür nicht optimal“, erläutert der Geschäftsführer. „Die Leute kaufen eher Blazer oder Blusen.“ Deshalb hat das Kaufhaus die Preise für Winterbekleidung bereits reduziert.

Das Wetter ist schuld. Diese kaufmännische Binsenweisheit bestätigt KOMM-Manager Frank Middendorf: „Wir haben zu 70 Prozent Textilläden. Bei diesem Wetter verkauft sich das Wintersortiment schlecht.“ Spätestens, wenn die neue Kollektion ansteht, müssten Rabatte herhalten, „um die Lagerware loszuwerden“. Voll sind gestern im KOMM vor allem die Gänge und Cafés, in der Parfümerie geht’s munter her, und auch in der Buchhandlung wird gestöbert. In vielen anderen Läden fördert die gestrige Momentaufnahme zwischen den Regalen dagegen vor allem eins zutage: Leere. „Die Wochentage im Dezember verliefen für uns zäh bis zufriedenstellend“, berichtet Middendorf. „Dafür waren die Samstage sensationell. Ganz besonders der 1. Dezember.“ An Heiligabend seien sehr viele „Last-Minute-Käufer“ gekommen.

Das Wetter entscheidet

Dass am Donnerstag nicht ganz so viel los ist, erklärt der KOMM-Manager auch damit, dass die Zahl der Umtausche von Jahr zu Jahr zurückgehe. „Dafür verkaufen sich Geschenkgutscheine immer besser. Unser Gutschein-Automat ist im Dezember heißgelaufen.“ Doch wer nicht bald einlöst, tut es womöglich gar nicht mehr. „Viele Gutscheine landen mit dem Geschenkpapier im Müll“, weiß Middendorff. Oder sie werden verlegt und nie wieder gefunden.

Gute Gelegenheit, in einen nachweihnachtlichen Einkaufsrausch zu verfallen, ist der kommende verkaufsoffene Sonntag in der Innenstadt, erstmals direkt nach Weihnachten vom Gewerbeverein Offenbach veranstaltet. „Durch diese Aktion wollen wir den Schwung des Weihnachtsgeschäfts mit ins neue Jahr nehmen“, drückt Christiana Baudach, die auch Vorsitzende des Gewerbevereins ist, die Hoffnung aus, dass der Einzelhandel munter ins neue Jahr rutscht.

Von 12 bis 18 Uhr haben die Geschäfte am 30. Dezember rund um die Frankfurter Straße geöffnet. Becker hat eigens für dieses Wochenende mehr Mitarbeiter eingeplant. „Wir setzen stark auf den verkaufsoffenen Sonntag.“ Auch im KOMM steigt kurzzeitig die Zahl der Verkäufer. „Viele Läden stellen für die stark frequentierte Zeit Aushilfen ein“, sagt Middendorf, „auch nach Weihnachten“. Um im Januar attraktiv zu bleiben, sind in den Geschäften Preisaktionen geplant. Schon jetzt locken großflächig die roten „Sale“-Schilder, werden Waren mit bis zu 70 Prozent Rabatt angeboten. Letzlich aber entscheidet, wie immer, das Wetter...

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