Haftstrafen für kokainsüchtige Diebe

In großem Stil Räder geklaut

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Offenbach - Da waren keine Bewährungsstrafen mehr drin: Weil sie zur Finanzierung ihrer Kokainsucht unabhängig voneinander jeweils mehr als 100 Räder in Offenbach und Umgebung gestohlen hatten, verurteilte das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Manfred Beck zwei Männer, 25 und 41 Jahre alt, zu Haftstrafen.

Der Jüngere, bei dem noch ein Raubüberfall auf ein Juweliergeschäft hinzukam, muss für zwei Jahren und acht Monaten hinter Gitter, der Ältere bekam ein Jahr und acht Monate aufgebrummt.

Die Polizei kam dem 41-Jährigen auf die Schliche, nachdem sie in Neu-Isenburg und im südlichen Offenbach einen extremen Anstieg der Fahrraddiebstähle bemerkt und intensiv Streifen eingesetzt hatte, um den Täter zu fassen. Als einer Streife in Neu-Isenburg der polizeibekannte 41-Jährige mit einem hochwertigen Mountainbike entgegenkam, entschlossen sich die Beamten, den Mann zur Herkunft des Rades zu befragen. Sie wussten, dass er süchtig ist und wohl kaum legal an das Rad gekommen sein dürfte.

Keine glaubwürdige Geschichte

Der Mann hatte keine große Chance, sich eine glaubwürdige Geschichte auszudenken. Denn der Eigentümer des Drahtesels, der diesen leichtsinnigerweise unabgeschlossen in einer offenen Garage abgestellt hatte, lief als sportlicher Typ die anliegenden Straßen ab und traf auf Polizei und Dieb. So bekam er sein Rad im Wert von fast 2000 Euro zurück, und der 41-Jährige wanderte ins Gefängnis.

Es stellte sich nämlich heraus, dass er noch eine Strafe von drei Jahren wegen anderer Diebstähle absitzen musste, sich aber nie zum Haftantritt gemeldet hatte. Der 41-Jährige zeigte sich vor Richter Manfred Beck reuig und bereit, sich einer Therapie gegen seine Drogensucht zu unterziehen.

Dies kann er jedoch erst in etwa zwei Jahren, weil erst dann die Strafe so gering ist, dass erprobt werden kann, ob in einer Therapieeinrichtung außerhalb des Gefängnisses eine Aussicht auf Heilung von seiner Sucht besteht. Einmal war der Mann schon in einer Therapieeinrichtung gewesen, wurde aber wenige Monate nach Entlassung rückfällig. Er gab als Aufkäufer einen Ausländer an, der die von ihm gestohlenen Räder fast jedes Wochenende in sein Herkunftsland verschoben habe.

Rädern an Bahnhöfen und vor Schulen geklaut

Der 25-Jährige, der in Hanau lebte und bürgerlichen Verhältnissen entstammt, hatte sich zusammen mit einem Kumpel auf den Diebstahl von Rädern an Bahnhöfen und vor Schulen in Offenbach und Umgebung spezialisiert. Meist stahlen die beiden diese Räder an Freitagen, um sie samstags in Frankfurt auf dem Flohmarkt zu verkaufen.

Da dort aber ständig Polizeibeamte die Herkunft der verkauften Waren überprüfen, hatten sie nie mehr als zehn Fahrräder dabei. Diese konnten sie nach ihren Angaben meist direkt nach Öffnung des Flohmarkts an Menschen mit geringen Einkünften verkaufen, welche Räder für sich oder ihre Kinder suchten. Meist waren deshalb der 25-jährige und sein Bekannter schon weg, als die ersten Beamten in Zivil die Stände kontrollierten. In die Fänge der Ordnunghüter gerieten sie am Ende aber doch auf dem Flohmarkt.

Juwelier überfallen

Der 25-Jährige hatte zudem einen Juwelier überfallen. Um nicht für Jahre im Gefängnis zu sitzen, gab er die zahlreichen Fahrraddiebstähle zu und offenbarte seinen Mittäter. Dieser habe ihn zu dem Raubüberfall auf den Juwelier gezwungen. Der Mittäter sei nämlich sein Dealer, und er habe bei ihm Schulden gehabt. Da er diese aus den Fahrraddiebstählen nicht mehr habe begleichen können, habe der Dealer ihm die Pistole auf die Brust gesetzt und ihn zum Raub gezwungen. Nach Einschätzung der Polizei ist der Mittäter als gewaltbereit einzuschätzen, die Angaben des 25-Jährigen seien glaubhaft.

Das Gericht teilte die Einschätzung der Polizei. Dennoch verurteilte es den 25-Jährigen für die Fahrraddiebstähle und den Raubüberfall zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren und acht Monaten. „Die Gerichte verlangen einhellig, dass ein Straftäter, der zu der Tat gezwungen wurde, sich vor der Tat der Polizei offenbart“, so Richter Manfred Beck in seiner Begründung.

Was bedeutet Sicherheitsverwahrung?

Was bedeutet eigentlich Sicherungsverwahrung?

Inzwischen geht der 25-Jährige, der sich noch auf freiem Fuß befindet, einer Arbeit nach. Eine Bewährungsstrafe ist für ihn wegen der Taten trotzdem nicht drin. Möglicherweise kann der Mann aber nach Haftantritt bald in den offenen Vollzug wechseln.

mad

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