Großer Bahnhof für Kreativität

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Ob sich auch der zunehmend verödende Hauptbahnhof je wieder wie „Pfönix“ aus der Asche erheben wird?

Offenbach - Am Offenbacher Hauptbahnhof vermutet der Passant eigentlich in erster Linie Züge. Gestern aber war in der sonst brachliegenden ehemaligen Schalterhalle eine farbenfrohe Landschaft voller Fahr- und Flugobjekte zu bewundern. Von Jenny Bieniek

Gestaltet wurde sie von Offenbacher Schülern, die sich in den Ferien oder werktags am Jugendkunstmobil „Jukumo“ kreativ betätigt haben. „Die Kinder sind dankbar für das Angebot und immer voller Tatendrang“, erzählt Ann-Katrin Ott (27), die in Frankfurt Kunstpädagogik studiert und Spaß daran hat, ihr theoretisches Wissen in die Praxis umzusetzen. „Es ist schön, wenn man Kindern etwas beibringen kann.“

Das seit drei Jahren angebotene Ferienprogramm „KiKuReDo“ (Kinder-Kunst-Recyling-Dorf) entstand auf Initiative der Stadtwerke-Holding in Kooperation mit der Jugendkunstschule. Aus recycelbaren Materialien wie Pappe, Holz, Ton, Knete, Federn, alten CDs, Flaschen oder Korken ist dort und am „Jukumo“ mit viel Fantasie allerlei entstanden. Alle transportablen Kunstwerke waren gestern in der Ausstellung zu besichtigen.

„Manche Eltern haben Berührungsängste, was Kinder und Kunst angeht“, hat Bahar Sarkohi (26) beobachtet. „Mit dem Projekt können wir die Kinder langsam heranführen und Interesse wecken, ganz ohne Aktionszwang“, weiß die Offenbacherin. Freies Arbeiten gehöre zum Konzept.

„Alles in Bewegung“ lautete das diesjährige Semestermotto. Entsprechend waren in der Schalterhalle Schiffe, Gespenster, Autos, Windräder, Ufos und Luftballons zu sehen – die fliegen schließlich auch. Natürlich konnten die kleinen Künstler ihrer Fantasie auch im Bahnhofsgebäude freien Lauf lassen. Sie griffen beherzt zu Farbe und Kleister.

Mutter Neila Mehmoud hat erst kürzlich von dieser Aktion erfahren. Sie findet das Angebot des „Jukumos“ toll, „weil es allen offen steht und im Freien stattfindet“. So könnten sich die Kinder auf den Spielplätzen austoben und gleichzeitig kreativ gestalten.

Sohnemann Sagib (7) hat sein aus bunt angemalten Holzstücken und Bechern gebautes Piratenschiff zur Ausstellung beigesteuert. Bruder Rayan (5) hat ein Boot gebaut – und eine Keksverpackung kurzerhand zum Kiel umfunktioniert.

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