Großer Wunsch Gesamtschule

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„Ich bin noch im Dienst.“ Fürs Foto legt Schulleiter Eckart Hengel schnell die Krawatte an. Schließlich soll ein guter Eindruck von der Mathildenschule rüberkommen. Das Modell mit dem Pausenhof-Drachen schenkten ihm Schüler zum Abschied.

Offenbach - Der letzte Arbeitstag von Eckart Hengel liegt mitten in den Sommerferien. Bis zum 31. Juli hat der Leiter der Mathildenschule noch jede Menge zu tun. Es gilt noch Lehrer-Zeugnisse zu schreiben, Verwaltungsangelegenheiten zu klären und das Büro zu räumen. Von Simone Weil

Für die Zeit danach hat sich der 66-Jährige vorgenommen, es mit weniger Arbeit „zu versuchen“. Allerdings bieten Haus und Garten in Langenselbold reichlich Betätigungsmöglichkeiten. Darüber hinaus möchte der gebürtige Esslinger mit grünem Parteibuch sich politisch wieder etwas mehr engagieren und sich in Wirtschaftsfragen fit machen.

Die Arbeit als Schulleiter sei ein stressiger Knochenjob, meint Hengel. „Aber es hat mir auch Spaß gemacht“, fügt er schnell hinzu. Immerhin hat der Pädagoge ein Jahr drangehängt, um unter anderem die Frage der Nachfolge geklärt zu wissen. Dass sein Stellvertreter Oliver Schröder diese Aufgabe übernimmt, ist für den zweifachen Familienvater beruhigend. „Außerdem sollten sich wichtige Projekte verfestigen können“, erklärt der scheidende Schulleiter.

Ein großer Wunsch ist für ihn in 13 Jahren an der Grund-, Haupt- und Realschule nicht in Erfüllung gegangen: „Die Mathildenschule müsste zur Integrierten Gesamtschule werden“, hofft der Pädagoge weiter. Dazu hätte es vor allem mehr Platz bedurft, stünde aber dem Quartier mit schwieriger Sozialstruktur gut zu Gesicht.

Von den 770 Mathildenschülern haben 70 Prozent einen ausländischen Pass, die Schüler stammen aus 42 Nationen. „Hier ist die Welt zu Hause“ steht denn auch im Logo der Einrichtung. Mit diesem Slogan ist es dem Schulleiter ernst, er ist für ihn mehr als ein rührseliges Bekenntnis. Deswegen hat er sich immer um Zusammenarbeit im Stadtteil bemüht wie kein Zweiter. Entstanden ist dabei ein dichtes Netzwerk von Kooperationen und Hilfsangeboten. Die evangelische Schlosskirchengemeinde, die mit der Schule Hausaufgabenhilfe anbietet und sie damit ein wenig vom Raummangel entlastet, gehört ebenso zu den Partnern wie die Organisation Jumina und der italienische Bildungsträger progetto scuola.

Nicht zuletzt deswegen, weil er für seine Schüler möglichst viel rausholen will, hat sich Hengel im Auffinden von Fördertöpfen einen Namen gemacht. Bei seiner offiziellen Verabschiedung hatte ein Redner gesagt, so wie die Sonnenblume sich nach der Sonne richte, habe der Pädagoge sich immer den Finanzierungsmöglichkeiten zugewandt. Nur mit zusätzlichen Angeboten ließen sich soziale Gerechtigkeit, Bildungsförderung und Integration verwirklichen, glaubt der Deutsch- und Sozialkundelehrer. Deswegen setzt er sich konsequent für den Ausbau zur Ganztagsschule ein. In der Grundschule wird mit der Kita 4 das Offenbacher Modell des ganztägigen Unterrichts weiterverfolgt.

Ab Jahrgangsstufe fünf gibt es bis zum neunten Schuljahr verbundene Haupt- und Realschulklassen mit hoher Durchlässigkeit und Förderkursen - dadurch erhöhte sich die Zahl der Abgänger mit Mittlerer Reife. Mit lerntherapeutischen Angeboten in den Ganztagsklassen der Förderstufe werden Schüler fit gemacht und sogenannte Projektklassen sollen helfen, den Übergang in den Beruf zu erleichtern.  

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