Negativrekord rund um Hans-Böckler-Siedlung

Grün-gelbe Stärken in Rumpenheim

Bürgel/Rumpenheim - Nach der Wahl ist vor der Wahl. Das beinhaltet aktuell die Suche nach möglichen Koalitionspartnern. Die Redaktion erlaubt sich nochmals einen Blick zurück aufs lokale Ergebnis: Wie verteilten die Bürger im weiten Mainbogen ihre Kreuzchen? Von Martin Kuhn 

In den Stadtteilen ist alles besser – sagt mancher. Und einige liebäugeln sogar mit Ortsbeiräten oder Abspaltung von der „Offenbacher Zentralregierung“. Der Tenor lautet: Dann wird alles besser. Äußert sich das etwa in Wahlbeteiligung? Und steigt die mit der Entfernung vom Stadtkern? Ja – aber nicht signifikant. Sie ist generell nicht berauschend. Während die Statistiker für Offenbach 32,9 Prozent ausgerechnet haben, sind’s in Bürgel (Wahlbezirke siehe Grafik) 35,1, in Rumpenheim 36,2 Prozent. In absoluten Zahlen liest sich das so: Von den 6535 wahlberechtigten Bürgelern gingen 2292 an die Urne. In Rumpenheim waren’s am Sonntag von 4975 Berechtigten am Ende 1802, die ein oder mehr Kreuze auf dem Zettel machten. Allerdings gibt es feine Unterschiede, die die Verantwortlichen in allen Parteien aufschrecken sollten. Das ist der Fall im Wahlbezirk 70.

Zu dem gehört die Hans-Böckler-Siedlung mit ihren gut 450 Wohnungen. Mieter sind Migranten, Arbeitslose, Ältere, die sich zunehmend zurückziehen. Um ein besseres Image mühen sich Nassauische Heimstätte und Gemeinnützige Baugesellschaft – bei der Kommunalwahl wirkt sich das nicht aus. Von 797 Wahlberechtigten geben lediglich 146 ihre Stimme ab; magere 18,3 Prozent. Interessant: Das Forum Neues Offenbach holt im Wahlbezirk 7,6 Prozent. Die rechtspopulistischen Republikaner haben 2,5, die AfD 10,8 Prozent. Das ist wenigstens unter den allgemeinen Befürchtungen...

Das gestaltet sich in Bürgel teilweise anders. Rund um die katholische Kirche (Wahlbezirk 71) sichern sich die AfD 12,5, die Republikaner 2,5 Prozent, im unteren Teil der von-Behring-Straße sieht’s ähnlich aus: AfD 12,5, Republikaner 2,2. Als nicht unbedingt große Hochburgen dürfen die Christdemokraten das Gebiet um die Seestraße mit seinen Ein- und Zwei-Familien-Häusern ansehen (36,2), die Sozialdemokraten sind entlang der Schöffenstraße die stärkste Kraft (29,0).

Von Durchgefallen bis Gut: Noten für Wahlplakate

Im Stadtteil mit dem wohl dörflichsten Charakter liegt das Votum für die Öko-Partei über dem Schnitt. Da könnte der persönliche Kontakt ausschlaggebend sein. Oder die Tatsache, dass der Fluglärm nicht so aufs Rumpenheimer Gemüt drückt. Im alten Ortskern, Wohnort von Bürgermeister Peter Schneider, wählen 19,8 Prozent grün. Im neueren Baugebiet Süd-West (Ernst-Reuter-Schule) wohnt der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir, Grünen-Ergebnis: 22,0 Prozent. Nicht zu verschweigen ist das gute liberale Abschneiden: In den genannten Gebieten sind’s 13,5 und 12,8, in Biebernsee letztlich 17 Prozent.

Da lässt sich lediglich spekulieren, wie weit örtlich begrenzte Themen (Masterplan, Neubaugebiete, Ortsumfahrung, Schlosspark) den Ausschlag gaben. Es scheint aber zunehmend schwierig, den Wähler für Kommunalpolitik zu interessieren. Wie auch? In finanziell engen Zeiten (seit gut 20 Jahren) und unter dem Schutzschirm-Diktat fehlt es den Parteien an Geld und somit an Argumenten, um sich deutlich voneinander zu unterscheiden.

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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