Karin Jost übernahm Rahmengeschäft

Gründerin zeigt sich verärgert über Banken

Offenbach - „Leider lernt man erst fleißig, wenn man mitten drin hängt“, sagt Karin Jost unserer Zeitung. Bereut hat die Schreinergesellin den Schritt in die Selbstständigkeit dennoch nicht.

Seit Januar 2008 verdient die 39-Jährige ihr Geld mit dem Laden KH Rahmen in der Frankfurter Straße 80 in Offenbach. „Es macht irre Spaß, wenn die Kunden die gerahmten Bilder abholen und ein Strahlen in ihre Gesichter kommt.“

Elf Jahre hatte Jost bei einem Galeristen in Kronberg gearbeitet. Dann habe sie „einen anderen Wirkungsgrad“ gesucht, scherzt die junge Frau in der Latzhose. „Der Wunsch wuchs, in die Selbstständigkeit zu wechseln.“ Der Start sei in der Branche nicht einfach, da Konkurrenten wie Discounter Rahmen recht günstig anbieten. Den Unterschied bei der Qualität würden die Kunden erst nach Jahren sehen. Deshalb beschloss die Frankfurterin, ein etabliertes Geschäft zu übernehmen.

Konrad Häggele fertigte seit 30 Jahren Rahmen in Offenbach und wollte seinen Laden verkaufen. Jost übernahm ihn samt Kundenstamm. Sie sucht zwar mittlerweile neue Räumlichkeiten, weil die Miete zu teuer ist. Aber: „Ich bleibe in Offenbach. Die Leute hier sind gemütlich.“

Etwa 700 Muster hängen alleine an einer Wand ihres Geschäfts. Sieben Kilometer Leisten lagern in anderen Räumen. Bilder von Künstlern, Galerien und Privatleuten rahmt Jost. Auch für Teddys oder Spielzeugautos wünschen Kunden manchmal diese Ausstellungsmöglichkeiten. Zehn bis 16 Rahmen stellt die Schreinerin am Tag her.

Bevor der Traum von der Selbstständigkeit verwirklicht werden konnte, musste Jost aber einige Probleme meistern. Sehr enttäuscht zeigt sie sich von den Banken: „Das war eine richtige Katastrophe.“ Eine Klein-Gründung scheine nicht beliebt zu sein, obwohl der Betrieb bestehen könne, mutmaßt sie. Das Problem: „Ich wollte nicht genug Geld, das ist bitter“, erklärt Jost. Einen Kredit über 15 000 Euro habe sie aufnehmen wollen. Der sei ihr verweigert worden. 50 000 Euro hätte sie bekommen. An kleineren Krediten verdiene die Bank offenbar nicht genug, mutmaßt die Jungunternehmerin. Schließlich habe die Familie ausgeholfen. Mittlerweile sagt sie: „Ich bin in den schwarzen Zahlen.“

Ernüchternd sei auch der Kontakt zum Bundesverband Bild und Rahmen gewesen, erläutert Jost, bei dem sie wegen Hilfen für den Businessplan angefragt hatte. Die kurze Antwort habe ihr überhaupt nicht weitergeholfen. Wesentlich besser sei die Beratung der Wirtschaftspaten aus Bruchköbel gewesen, jenen Managern im Ruhestand, die ehrenamtlich arbeiten. Zudem habe die Industrie- und Handelskammer Offenbach sie umfassend informiert und Kontakte hergestellt. Belastend seien bei einer Gründung auch die enormen Kosten, sagt Jost. So klagt sie zum Beispiel über Zahlungen an die Berufsgenossenschaft. Von ihnen sollten Gründer in den ersten drei Jahren freigestellt werden, fordert sie. Danach solle sich die Höhe der Gebühren nach dem Umsatz richten.

Teuer sind für sie auch die zahlreichen Telefonbucheinträge geworden. Nötig seien sie allerdings, berichtet Jost. Denn: Was nützt die beste Arbeit, wenn der Kunde nicht den Weg zum Handwerker findet.

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