Gründertag der IHK in Offenbach

Idee wird Geschäftsmodell

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IHK-Gründungsberater Holger Winkler lässt sich die Kuchen-Kreation von Nadine Brams schmecken. Die Geschäftsinhaberin von Caketales, die unter anderem lustige Tortenständer vertreibt, ist mit ihrem Unternehmen auf der Erfolgsspur.

Offenbach - Jungunternehmer und solche, die es werden wollen, nutzten am Wochenende den 12. Existenzgründertag der IHK Offenbach zum Ideen- und Erfahrungsaustausch über Geschäftsmodelle und Selbstständigkeit. Von Harald H. Richter 

Ihnen standen dazu auch zahlreiche Branchenfachleute Rede und Antwort. Wird Nadine Brams nach einem Tipp für Gründer gefragt, könnte der lauten: „Machen Sie etwas, das zu Ihnen passt und Sie mit Freude erfüllt.“ Diesen Ratschlag beherzigend, hat die junge Mutter nach der Elternzeit nicht etwa den Weg zurück ins Büro genommen, sondern ist das Wagnis eingegangen, sich beruflich selbstständig zu machen. Als Geschäftsinhaberin von Caketales vertreibt die längst in Offenbach verortete gebürtige Sächsin nicht nur lustige Tortenständer, die aussehen wie drollige Schafe, kesse Mädchen und naseweise Jungs. Die 31-Jährige entwirft neue Figuren auch für Snacks und Desserts, bringt Deko-Ideen und Anleitungen unter die Leute und initiiert Kuchen-Partys.

Beim Existenzgründertag der IHK Offenbach am Samstag ist sie das erste Mal vertreten und zählt zu den acht Referenten, die in Impulsvorträgen belegen, dass mit Geduld und Beharrlichkeit, Mut und Überzeugungskraft aus einem simplen Einfall ein geschäftliches Erfolgsmodell werden kann.

Nach der Vox-Sendung „Die Höhle des Löwen“, in der sie Investoren mit ihrem Konzept zu überzeugen vermochte, ist eine Menge Bewegung ins Leben der jungen Geschäftsfrau gekommen. „Es geht voran. Bei mehreren Versandhäusern sind meine Kuchenschafe zum Renner geworden“, erzählt Brams. Der Marken-Discounter Netto vertreibt die 40 Zentimeter hohen Figuren online, sogar der Teleshopping-Sender Channel 21 hat sie beworben. „Anfang April eröffne ich in Gravenbruch auf 70 Quadratmetern ein Ladengeschäft mit Showküche, sodass dort auch Events stattfinden können“, kündigt die Jungunternehmerin den nächsten Schritt ihrer Wegstrecke an.

„Wer mit einer neuen Geschäftsidee auf den Markt kommt, hat beim Entwickeln seines Plans selten Vorbilder und kaum Anhaltspunkte für die Gestaltung von Umsatz und Ertrag“, sagt Waldemar Haux vom Verein für Existenzgründungen in Kelkheim. „Daher kann es eine attraktive Alternative sein, eine Firma als Nachfolger zu übernehmen.“ Belastbare Daten seien vorhanden, oft gebe es einen zufriedenen Kundenstamm und ein Mitarbeiterteam, dessen Motivation sich neu wecken lasse.

So jung und schon Chef: Wenn Berufseinsteiger Firmen gründen

Holger Winkler, Teamleiter Existenzgründung und Unternehmensförderung bei der IHK, sieht das ähnlich. „Wir haben festgestellt, dass klassische Firmenweitergaben an eigene Nachkommen inzwischen nicht mehr das Gros ausmachen.“ Der Verkauf über Nachfolgebörsen sei eine Option, zunehmend jedoch würden langjährige Beschäftigte den Schritt ins Unternehmertum wagen. Vorteile: Sie kennen den Betrieb, und nicht selten bleibt der bisherige Firmenchef als Mitgesellschafter noch eine Weile dabei. „Außerdem gibt es Förderdarlehen, um notwendige Neuinvestitionen tätigen zu können.“ Kein Wunder also, dass mehrere Kreditinstitute, wie die Wirtschafts- und Infrastruktur- sowie die Bürgerschaftsbank Hessen, zu den 30 Ausstellern zählen, die mit ihren Experten am Existenzgründertag für Beratungsgespräche zur Verfügung stehen.

Auch Marketingexperte Sven L. Franzen aus Dreieich, der 2005 mit gerade mal 16 Jahren sein erstes Unternehmen gründete, gibt sein Know-how an Interessierte weiter. Großkonzerne und mittelständische Familienbetriebe gehören inzwischen zu Franzens Kunden. Am Stand nebenan wirbt sein Geschäftskollege Haikal Khair mit dem Slogan „We code it“ für ein Start-up aus Frankfurt, das darauf ausgelegt ist, digitale Wünsche zu erfüllen. „Das kann ein einfaches Makro sein oder ein komplexes Programm, eine private Homepage oder eine Firmenwebsite.“ Der Clou: Informatik-Studenten programmieren mit frischen Ideen und innovativen Ansätzen, das Projekt- und Qualitätsmanagement erfolgt durch Profis. An das „Unibator“-Gründerzentrum der Goethe-Universität angebunden, entwickelt sich das junge Unternehmen so erfolgversprechend, dass es bei der am 20. März beginnenden Cebit in Hannover am Firmengemeinschaftsstand des hessischen Wirtschaftsministeriums dabei sein darf. „Damit setzen wir ein Achtungszeichen und ermutigen andere, ebenfalls den Weg in die Selbstständigkeit einzuschlagen“, hofft Entwickler Khair.

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