Tipps von der IHK

„Gründer-Gen“ nicht nötig

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Unterschiedliche Aussteller gaben Gründungswilligen in den Räumen der IHK reichlich Informationsmaterial an die Hand.

Offenbach - Wer sich selbstständig machen will, muss viel bedenken. Es geht nicht ohne Plan. Diesen zu schmieden: Da sollte der Gründertag der Industrie- und Handelskammer behilflich sein. Von David Heisig 

„Wer nix wird, wird Wirt.“ Auf die Realität bezogen, steckt in dem platten Spruch ein Funken Wahrheit. Gastronomie kann Lebensgrundlage sein. Bernd Eckmann von der Industrie- und Handelskammer (IHK) würde den Plan, Wirt zu werden, so nie ausdrücken. Er sagt aber, dass vor einiger Zeit, als es schwieriger war, Jobs zu finden, die Selbstständigkeit für viele eine hoffnungsvolle Alternative gewesen sei. Stichwort: „Ich-AG“. Das habe sich mit dem brummenden Jobmotor verschoben. Der Gründer-Samstag zielt auf andere. Auf jene mit Plan, am besten einem Business-Plan: Finanzierung, geplanter Ertrag und Sozialversicherung sind Themen, die an Infoständen und in Impulsreferaten erläutert werden.

So bei Martina Lewe, Modedesignerin aus Langen. Sie hat sich 2013, nach langer Tätigkeit in Angestelltenverhältnissen, selbstständig gemacht. Etwa 40 Leute hören ihren Ausführungen zu, darunter nicht nur Damen. Ein paar Hippe sind dabei, aber auch viele Bodenständige. Mode sei mehr als Glamour auf Laufstegen, betont Lewe, als sie die „künftigen Mitstreiter“ begrüßt. Es geht ihr darum zu erklären, wie es sich anfühlt, selbstständig zu sein. Irgendwann sei der Punkt erreicht, den Absprung zu wagen. Wie bei ihr, mit familiärem Hintergrund, der sie unterstützt. Alleinstehend, mit zwei Kindern hätte sie das nicht gemacht.

Ohne vorher zu überlegen, wie der Weg sein soll, gehe es nicht. Dritte, die das Unterfangen unterstützen, Banken oder Behörden, wollen einen Businessplan sehen. Ist ihrer aufgegangen? Das könne man nicht sagen. So vermiese die Ukrainekrise einen Großteil des Geschäfts mit Russland. Andererseits seien neue Aufgaben, etwa als Dozentin, dazu gekommen, an die sie gar nicht gedacht habe. Die Spezialisierung auf Design von großen Größen und Hosen sowie auf nachhaltige Strickware sei richtig gewesen. Auch wenn man Durststrecken einplanen solle.

Die Köpfe der Wirtschaft in Stadt und Kreis Offenbach

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Ein „Gründer-Gen“ müsse man nicht haben. Erfahrungen in der Branche, Ausdauer und Kompromissbereitschaft müsse man mitbringen. Und die Bereitschaft, sich beraten zu lassen. Da sieht Eckmann gute Fortschritte. „Die, die kommen, sind schon etwas weiter“, sagt er mit Blick auf die Unternehmenspläne. Dennoch gelte es, auf „Fallstricke“ hinzuweisen. Vor allem mit der Finanzierung steige und falle der Unternehmenskurs. Immerhin bräuchten die meisten Fremdkapital. Elisabeth Neumann von der Gründerstadt Offenbach, einem Netzwerk, das Gründern helfen soll, kann das nur bestätigen. Auch müsse an viele Genehmigungen gedacht werden. „Eine Bäckerei zum Beispiel kann man nicht einfach so aufmachen.“

Da hilft das Netzwerk. Vom ersten kostenlosen Infoabend über eine umfassende Beratung könne es viel bieten. Immer im Bewusstsein, dass Geld bei Gründern meist knapp ist. Ansprechpartner für Genehmigungen ist die Beratungsstelle der Regierungspräsidien in Hessen. Eckmann weiß, dass in Offenbach der Anteil der Neugründungen über dem Bundesschnitt liegt. Die Nachfrage ist hoch; das beweisen die 350 Besucher. Fokussiert müsse man sein, betonen die, die’s geschafft haben. Lewe ergänzt, was noch nötig ist: „Spaß, Kunden, die zahlen, und Rückhalt in der Familie!“

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