Zahl gesunken

Weniger Gründungen in Offenbach und Hanau

Frankfurt/Offenbach - Angesichts des boomenden Arbeitsmarkts wagen immer weniger Menschen in Deutschland und der Region den Schritt in die Selbstständigkeit. Von Marc Kuhn 

Die Zahl der Existenzgründer sank 2017 im Vergleich zum Vorjahr unerwartet deutlich um 17 Prozent auf das Rekordtief von 557.000, wie aus dem gestern veröffentlichten „Gründungsmonitor“ der staatlichen Förderbank KfW hervorgeht. Der leer gefegte Arbeitsmarkt belastet auch die Gründer. Sie haben zunehmend Probleme, Mitarbeiter zu finden. KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner rechnet nicht mit einer Trendwende in diesem Jahr. Derzeit seien keine Impulse in Sicht, die die Gründungstätigkeit in Fahrt bringen könnten.

Holger Winkler kümmert sich bei der IHK Offenbach um Gründer.

Die aktuellen Zahlen für die Region Offenbach zeigen einen leichten Rückgang bei den Gründungen. „Dennoch liegt die Zahl der Gewerbeanmeldungen weiterhin über der Anzahl der Abmeldungen“, erklärte Holger Winkler, bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Offenbach für Existenzgründungen zuständig, unserer Zeitung. „2017 standen 6331 Anmeldungen 6170 Abmeldungen gegenüber. Im Vorjahreszeitraum gab es 6575 Anmeldungen und 6 199 Abmeldungen.“ Ähnlich ist die Entwicklung in Hanau verlaufen. „Der Arbeitsmarkt läuft gut, es gibt wenige Gründungen aus Mangel an Alternativen“, sagte Andreas Kunz, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern. „Zudem wirkt sich die Demographie aus – die besonders gründungsaffinen Jahrgänge zwischen 25 und 45 Jahren schrumpfen.“

Andreas Kunz ist Vize-Chef der IHK Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern.

Erfreulich sei jedoch, dass ein leicht wachsender Anteil von wachstumsorientierten Start-ups mit guter Vorbereitung an den Markt gehe. „Als einen Hinderungsgrund haben wir identifiziert: Ein Schlüssel zu mehr Gründungen ist spürbarer Bürokratieabbau“, erläuterte Kunz. Besonders kräftig war der Rückgang laut dpa bei Menschen, die sich mit einem Nebenjob selbstständig machen. Deren Zahl verringerte sich in Deutschland um 24 Prozent auf 323 000. „Eine abhängige Beschäftigung auch für den Hinzuverdienst zu finden, ist derzeit so einfach wie nie“, heißt es in der Studie. „Die Nachfrage nach nebenberuflichen Gründungen ist in der Region Offenbach auch deutlich vorhanden“, berichtete Winkler.

Die Zahl derjenigen, die sich mangels Alternativen selbstständig machten, sank ebenfalls deutlich um 37.000 auf 129.000 Menschen. Die Nachfrage nach Arbeitskräften boomt aktuell. Viele Unternehmen klagen über einen Mangel an Fachkräften. „Erwerbstätige haben aktuell die Qual der Wahl“, so die Autoren der Studie. Die Entscheidung falle immer häufiger gegen eine Selbstständigkeit. Auch Gründer selbst werden den Angaben zufolge vom guten Lauf auf dem Arbeitsmarkt gebremst. Die Hälfte der Neugründer mit Mitarbeitern hatte 2017 Probleme bei der Stellenbesetzung – „ein beispielloser Rekordwert“. Selbstständige, die 2017 mit einem neuen Unternehmen starteten, schufen mehr als 170.000 Vollzeitstellen.

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Rubriklistenbild: © Symbolbild:dpa

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