Mit grünem Daumen

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Um 11 Uhr begrüßen Landrat Oliver Quilling und Bürgermeisterin Birgit Simon die Gäste auf der Festmeile vorm Kreishaus in Dietzenbach.

Bürgel (mk) ‐ Mit einem Stöffchefest am Sonntag, 13. Juni, feiern Stadt und Kreis Offenbach das zehnjährige Bestehen der Regionalschleife der Hessischen Apfelwein- und Obstwiesenroute.

Um 11 Uhr begrüßen Landrat Oliver Quilling und Bürgermeisterin Birgit Simon die Gäste auf der Festmeile vorm Kreishaus in Dietzenbach. Dort präsentieren sich zwanzig Mitgliedsbetriebe mit hessischen Spezialitäten. Ausgeschenkt wird natürlich das „Nationalgetränk“ Apfelwein. Um eine feste Grundlage zu schaffen, gibt’s passend sicher Handkäs mit Musik und Schmalzbrote dazu. Mit dabei ist Alexander Lühn, dessen Apfel-Waschanlage, Mahlwerk und Packpresse derzeit stillstehen.

Herr Lühn, am Samstag vertreten Sie die Offenbacher Farben. Wie kommen Sie zu der Ehre?

Der Kreis Offenbach hat alle Mitglieder (Betriebe und Vereine) der Hessischen Apfelwein- und Obstwiesenroute angeschrieben und gefragt, ob diese zum Jubeltag am Festakt teilnehmen möchten. Da brauchte ich nicht lange zu überlegen, ob ich mit dabei sein möchte. Schließlich ist die Kelterei Lühn seit der ersten Stunde Partnerbetrieb dieser Schleife. Trotz eines zweiten Aufrufs, an dieser denkwürdigen Veranstaltung teilzunehmen, hat sich kein weiterer Offenbacher Betrieb bereiterklärt, irgendwelche Mühen auf sich zu nehmen. Um so mehr fühle ich mich daher geehrt, Offenbach zu vertreten.

Und was nimmt der Bürgeler Keltermeister alles mit in die Kreisstadt? Die Apfelwein-Saison ist ja schließlich schon lange vorbei.

Eine Saison beginnt immer im September mit der neuen Ernte und Produktion vom guten Stöffche und endet frühestens im nächsten September. Der Äppler muss schließlich immer noch ein wenig in die Folgesaison reichen, bis das neue Stöffche fertig ist. Somit ist immer für Flüssiges gesorgt, und es entsteht keine Trink-Langeweile. Auch vom Bag-In-Box-Apfelsaft ist noch reichlich vorhanden, damit auch die Autofahrer eine kühle Erfrischung genießen können. Ich selbst trinke den Saft am liebsten als Schorle.

Sind denn Ihre Lager noch gut gefüllt?

Die heiße Zeit beginnt ja gerade erst – endlich! Es gibt noch genügend Vorräte, auch wenn der Konsum jetzt steigt... Und ein Schoppen schmeckt besser als der andere.

Mal ganz ehrlich: Was macht denn ein Hesse in dieser Jahreszeit – außer auf den Start der Keltersaison im Herbst zu warten und das eine oder andere Schlückchen aus dem Gerippten zu schlürfen?

Zum Warten habe ich definitiv keine Zeit. Es laufen immer irgendwelche Vorbereitungen für die nächste Saison. Das Beste für dieses Jahr: 3000 Quadratmeter Streuobstwiese direkt hinter der Kelterei. Da wird man schnell zum Gärtnermeister. Privat bin ich bei guten Wetter immer im King Kamehameha Beachclub beim Volleyball zu finden. Das hält fit und macht riesig Spaß. Kaum zu glauben: Dort gönne ich mir auch mal zur Abwechslung ein kühles Hefeweizen.

Was macht das Obst? Haben Sie schon mal den einen oder anderen Blick auf die Streuobstwiese gewagt?

Ja. Immerhin: Unser Apfelbaum hängt voll. Ich hoffe, bei meinen Kunden ist es genauso. Zumindest gab es während der Blütezeit keinen Frost, und geregnet hat es im April und Mai auch genug. Somit sind meine Erwartungen hoch...

Und wagen Sie als erfahrener Kelterer im 25. Jahr schon eine Prognose: Wie wird der Jahrgang 2010?

Tja, im September beginnt tatsächlich unsere 25. Keltersaison. Irgendwie kann ich das selbst kaum glauben, schon so lange diesem Hobby zu frönen. In dieser ganzen Zeit habe ich viel erlebt und noch mehr gelernt. Und diese Zeit möchte ich nicht missen, selbst wenn solch ein ausgefallenes „Hobby“ viel Durchhaltevermögen verlangt.

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