Die Grünen wollen den Chefsessel im Rathaus

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Die Grünen treten beim Oberbürgermeister-Wahlkampf an. Als sicher geltende Kandidatin: Birgit Simon.

Offenbach ‐ Die Vermutung ist seit Montagabend halb-offizielle Gewissheit: Die Grünen stellen mit Bürgermeisterin Birgit Simon eine eigene Kandidatin für die Wahl zum Oberbürgermeister, die vermutlich am 4. September stattfindet. Von Matthias Dahmer und Stefan Mangold

Offiziell verkündet Fraktionschef Peter Schneider fast am Ende der Mitgliederversammlung im Kolpinghaus nur, man werde einen Kandidaten ins Rennen schicken, die Mitglieder müssten am 14. März bestimmen, wer das sein wird. „Wir haben beschlossen, dass wir antreten“, bekräftigt Schneider gestern. Gleichzeitig lässt er durchblicken, eine anderer Grünen-Kandidat als Birgit Simon sei kaum denkbar.

Die ziert sich und formuliert fürs Protokoll: „Ich kann mir das vorstellen“. Weshalb ihr weder Aussagen zu den Schwerpunkten ihres Wahlkampfs noch eine Einschätzung dazu zu entlocken ist, ob mit ihrer Kandidatenrolle die Arbeit mit dem Amtsinhaber und wahrscheinlichen Mitbewerber Horst Schneider (SPD) im Magistrat schwieriger wird.

Eine Alternative

Seit die Grünen in Offenbach mitregieren, ist es laut Peter Schneider das erste Mal, dass sie einen eigenen Kandidaten stellen. „Wir wollen zeigen, dass wir eine Alternative sind“, sagt der Fraktionschef selbstbewusst. Um deutlich zu machen, dass die Kandidatur nicht von der Koalitionsfrage nach der Kommunalwahl am 27.März abhänge, habe man den Termin bewusst davor gelegt.

Zuvor stehen im Zentrum der Mitgliederversammlung die Inhalte. Wurden die in den Anfangszeiten der Grünen oft bis weit nach Mitternacht diskutiert, können am Montagabend die rund 30 Mitglieder nach zweieinhalb Stunden die letze Seite des 27 Seiten umfassenden Kommunalwahlprogramms 2011 aufblättern.

Zweimal wird daraufhin über einem „vegetarischen Tag“ abgestimmt.

„Mehr Wissen heißt auch besser genießen,“ lautet der abschließende Punkt. Die Grünen plädieren beim Verbraucherschutz für die Veröffentlichung amtlicher Kontrollergebnisse. Hier stehe „die Kommune in der Pflicht. Sie muss Bürgerinnen und Bürger schützen.“ Niemand spricht dagegen. Wie schon zuvor beim „konsequenten Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr.“

Nur einmal weht ein Lüftchen vergangener Parteitage durch den Raum, als es um den Punkt „klimafreundliche Ernährung - in Kita, Schule und Rathaus“ geht. Saisonal und regional geprägte Kost solle auf dem Speiseplan stehen. Der Landesvorsitzende Tarek Al-Wazir mahnt jedoch zur Vorsicht in der Formulierung, „sonst heißt es am Ende, mit den Grünen gibt’s nur Steckrüben.“ Zweimal wird daraufhin über einem „vegetarischen Tag“ abgestimmt.

Zuerst, ob man über den weiter diskutieren müsse, dann, ob die Partei einem fleischlosen Tag in den Kantinen das Wort reden solle. Nur eine Minderheit möchte sich noch weiter darüber austauschen. Die Mehrheit stimmt dennoch für den Tag ohne Tier auf dem Teller.

Ansonsten stellt sich niemand gegen ganztägige, mehrsprachige Grundschulen oder klassische Themen wie die Förderung alternativer Energien. Der Ausbau der Energiegewinnung durch Biomasse weise die Richtung.

„Weil die Inhalte zählen,“ lautet der landesweite Wahlkampfslogan der Grünen. Einstimmig nehmen die Offenbacher Mitglieder das lediglich in Nuancen überarbeitete Programm an.

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