Grünes Licht für die Umweltzone

Stoppschild für alte Stinker?

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Michael Kreienberg mag nicht einsehen, dass er seinen kaum genutzten VW-Bus für 2500 Euro aufrüsten müsste, um ihn in der Umweltzone fahren zu dürfen.

Offenbach - An der grundsätzlichen Sichtweise hat sich nichts geändert: Die Offenbacher Koalitionäre sind ebenso für die Einrichtung einer Umweltzone wie die Deutsche Umwelthilfe. Von Martin Kuhn und Robyn Schmidt

Dagegen lehnen IHK, Handwerkskammer und Kreishandwerkerschaft in einem Positionspapier die Einführung ab. Die FDP bezeichnet sie gar als Irrweg. Wohl aber stehen die politischen Vorzeichen seit Januar anders. Mit dem Offenbacher Tarek Al-Wazir führt bekanntlich ein Grünen-Politiker das Verkehrsministerium. Wann kommt also grünes Licht für eine lokale Umweltzone? „Hoffentlich baldmöglichst“, sagt Bürgermeister Peter Schneider, ebenfalls Grüne. Er erinnert an den für seine Partei sicher leidvollen Diskurs pro oder contra Umweltzone. „Offenbach ist die einzige Stadt in Hessen, die einen Luftreinhalteplan nur als Entwurf hat. Andere Städte sind da viel weiter, haben diesen längst umgesetzt.“

Nach Schneiders Worten sei das hessische Umweltministerium stets der Auffassung gewesen, dass dieser Plan umzusetzen sei. Ein Einvernehmen sei auf Grund einer „Blockadehaltung“ des Verkehrsministeriums (bisher unter FDP-Mann Florian Rentsch) nicht zu erreichen gewesen. Der Bürgermeister stellt klar: „Wir müssen alles tun, um sinnvolle Effekte zu erzielen.“ Ein Maßnahmenkatalog liegt bereit – vom nächtlichen Lkw-Durchfahrverbot über eine Taktverdichtung der Buslinie 101 in der Hauptverkehrszeit bis zur Förderung von Fahrgemeinschaften. Es gehe in Offenbach vor allem darum, den Pendler- und Lieferverkehr (insbesondere leichte Nutzfahrzeuge) aus den östlichen Gebieten nach Frankfurt so zu lenken, dass nur noch Fahrzeuge mit grüner Plakette durch Offenbach fahren, heißt es auf der Internetseite der Stadt. Also: Alle Stinker raus!

89,3 Prozent aller Fahrzeuge mit grüner Feinstaubplakette

Gut gerüstet für eine Umweltzone scheinen die Offenbacher Autofahrer: Nach den Daten des Kraftfahrtbundesamtes (Stichtag: 1. Januar 2013) haben 89,3 Prozent aller Fahrzeuge eine grüne Feinstaubplakette. Zum kleinen Rest, in der Summe immerhin 5747 Fahrzeuge, gehört auch der VW-Bus von Michael Kreienberg. Der T3, Baujahr 1988 und mit einem Diesel bestückt, erfüllt die Voraussetzungen für die grüne Plakette nicht. Dass Kreienberg mit dem T3 tatsächlich fährt, kommt einmal im Monat vor. Er bezeichnet ihn als „Dauerparker“. Die Möglichkeiten, die ihm bleiben, sind überschaubar. Der Offenbacher könnte den Bulli aufrüsten. Das kostet in einer Spezialwerkstatt gut 2500 Euro, rechnet er vor. „Dann steht der Wagen hochgradig ertüchtigt, wie gewohnt kaum benutzt, am Straßenrand.“ Alternative: Kreienberg lässt den Wagen ohne Plakette vor seinem Haus stehen lassen und kassiert hin und wieder ein Knöllchen. Oder er wartet bis 2018. Dann könnte er ein H-Kennzeichen für Oldtimer erhalten, mit dem man in einer Umweltzone fahren darf.

Von diesen gibt es in Deutschland bereits 48. Ab 1. Juli 2014 sind dann auch in den Umweltzonen Bonn, Köln, Langenfeld, Mönchengladbach, Neuss, Remscheid, Hagen und Ruhrgebiet nur Fahrzeuge mit grüner Plakette zulässig. Das führt auch Peter Schneider an: „Umweltzonen sind nichts Neues in Deutschland...“ Aber was ist mit Fahrzeugen wie Kreienbergs T3? „Sie können davon ausgehen, dass wir keine andere Regelungen finden als andere Städte – sprich: Übergangsfristen und Ausnahmeregelungen.“

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Alles Dinge, die nach Kreienberg an der Sache vorbeigehen. Sein VW Bus produziere zwar wie jeder Dieselmotor Ruß, allerdings als grobe Partikel. Die seien laut Experten des Fritz-Haber-Instituts der Max-Planck-Gesellschaft deutlich weniger gefährlich als Nanopartikel, die modernere Autos meist ausstoßen. „Ältere Autos werden durchweg benachteiligt, schlecht geredet und müssen mit hohem Aufwand nachgerüstet werden.“ An dieser Sichtweise wird der Bürgermeister wenig ändern können. Allerdings hat er Michael Kreienberg einen Brief geschrieben und ihm erklärt, warum etwa der Verkauf von grünen Tagesplaketten nicht machbar ist: „Das würde eine neue, bundesweit einheitliche gesetzliche Grundlage erfordern.“

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