Grünschnitt für den Badespaß

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Ein Spezialboot kürzt die Pflanzen im nur drei Meter tiefen See. Der Grünschnitt landet in einem Container.

Offenbach - Weder Blaualgen noch Badegäste - keiner der üblichen Besucher ist gestern am Schultheisweiher zu sichten.  Von Matthias Dahmer

Erstere hat die Seesanierung weitgehend vertrieben, letztere das Wetter. Weshalb ein Boot seine Kreise ziehen kann, von dem aus es den Pflanzen des Gewässers an den Kragen geht. „Das ist der übliche Pflegeschnitt während der Saison. Er dient der Sicherheit des Badebetriebs und hat nichts mit der Sanierung des Sees zu tun“, sagt Helmut Teichmann, der sich im städtischen Umweltamt um den Schultheis kümmert.

Die noch Anfang des Monats ausgesprochene Warnung vorm erneuten Auftauchen der Blaualgen ist kein Thema mehr. Die Wasserqualität hat sich laut Birgit Simon gewaltig verbessert. „Das Ökosystem des Schultheisweihers ist nach seiner fünfjährigen Sanierung wiederhergestellt. Er kann mit den Einflüssen von außen eigenständig umgehen“, verkündet die grüne Bürgermeisterin via Pressemitteilung.

Nach einer sehr langen monotonen Wetterlage mit extrem starker Sonneneinstrahlung seien zwar nicht nur die Wasserpflanzen sehr gut gewachsen, sondern auch die Restbestände der ungeliebten Blaualgen. „Doch in dem intakten Ökosystem haben sich die biologischen Gegenspieler der Blaualgen durchgesetzt. Die Grenzwerte für notwendige Hinweise auf Gefahren werden wieder weit unterschritten“, so Simon. Im Schultheisweiher könne nun wieder problemlos gebadet werden.

Zehn bis zwanzig Kubikmeter Grünschnitt sollen aus dem See geholt werden

Zehn Hektar ist der See groß, auf vier davon dürfen sich Badegäste tummeln. „Wir schneiden auf etwa der Hälfte des für Schwimmer reservierten Bereichs“, erläutert Helmut Teichmann. Die Pflanzen im nur knapp drei Meter tiefen See werden maximal bis auf auf 30 Zentimeter gekappt. Vorwiegend handelt es sich um das Raue Hornblatt, eine untergetaucht, frei schwimmende oder mit Sprossen ohne Wurzeln im Boden verankerte Wasserpflanze.

„Und die tut dem See gut“, versichert der Umweltfachmann. Zehn bis zwanzig Kubikmeter Grünschnitt sollen bei der Aktion, die auch heute noch läuft, aus dem See geholt werden und in einem bereitgestellten Container verschwinden. Christian Schuller, beauftragter Gewässerökologe überwacht die Mäharbeiten, prüft dabei die Wasserqualität. Umwelt- und Gesundheitsamt, sagt Teichmann, kontrollieren den See während der Saison regelmäßig, lassen alle zwei Wochen chemische Analysen erstellen.

Heike Hollerbach, Chefin des Umweltamts, betont, mit der Seesanierung sei es gelungen, das Ökosystem des Weihers zu reaktivieren, das völlig am Boden gelegen habe. Das habe zusammen weniger als 400 000 Euro gekostet. Sie widerspricht damit der CDU. Die hatte vor kurzem kritisiert, die Stadt habe seit 1993 mehr als eine Million für den Schultheis ausgegeben und trotzdem sei keine grundlegende Verbesserung zu erwarten.

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