Grundstein im Erdgeschoss

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Mittlerweile kann jeder ein Lied von der Entwicklung der Beethovenschule singen: Der Schulchor ebenso wie Schulleiter Konrad Ertinger.

Offenbach - Der Schulchor hat es mit Beethovens zur Schul-Hymne umgedichteter „Ode an die Freude“ etwas eilig. Als die Knirpse mit ihrem Text schon durch sind, läuft die Musik vom Band noch ein paar Sekunden. Spielt natürlich keine Rolle. Von Marcus Reinsch

Zum einen ist hier nicht die Jury eines Sangeswettstreits zu begeistern, sondern die Grundsteinlegung für den Neubau der Beethovenschule zu untermalen. Und zum anderen besteht das Publikum größtenteils aus Menschen, die Disharmonien ganz anderer Art gewohnt sind – und auch selbst verursachen.

Unter allen Schulbauprojekten, die die Stadt bisher abgeschlossen oder gerade in der Mache hat, hat sich die Beethovenschule als das mit dem größten Streit-Potenzial erwiesen. Vor allem die Solisten der Parteien, die Kandidaten ins bald zu entscheidende Rennen um das Offenbacher Oberbürgermeisteramt geschickt haben, geigen sich seit Wochen möglichst öffentlich und möglichst verstimmt ihre gegenläufigen Meinungen über die Kostenexplosion beim Schulbau. Fürs 32 Schulen umfassende Gesamtpaket lautet die Prognose mittlerweile 334 statt ursprünglich hochgerechneten 250 Millionen Euro. Das hat für einen Paukenschlag gesorgt, kommunalpolitisch ebenso wie beim nun kräftig mit dem Rotstift hantierenden Regierungspräsidium als Wächter über den Offenbacher Haushalt.

Eröffnung ist für den Beginn des Schuljahrs 2012/2013 angepeilt

Die Beethovenschule wird inklusive ebenfalls neuer Zwei-Feld-Sporthalle mit knapp 24 Millionen zu Buche schlagen. Der Firma Hochtief, die das Ersatzdomizil an Stelle des schönen, für eine Rettung aber zu maroden und im Juli 2010 gefallenen Altbaus hochzieht, sind vertraglich zwar nur 21,9 Millionen Euro versprochen. Doch weitere zwei Millionen müssen für eine von der Stadt vor Jahren erstellte Planung für einen Neubau unter eigener Regie und die Beseitigung eines bei den Erdarbeiten entdeckten Löschteichs aus Weltkriegszeiten addiert werden.

Sind die Neubauten fertig –die Eröffnung ist für den Beginn des Schuljahrs 2012/2013 angepeilt – wird Hochtief auch für Instandhaltung, Hausmeisterdienste, Außenanlagen und Energieversorgung zuständig sein. Der Mitte vergangenen Jahres geschlossene Vertrag nach ÖPP-Regeln (Öffentlich-Private Partnerschaft) läuft 22 Jahre.

Geht man nicht gerade vom ursprünglich Denkbaren aus, ist der Schulbau im vorgegeben Takt. Die Grundsteinlegung erfolgt mehr als ein Jahr nach dem eigentlichen Startschuss, das Ritual findet auf der Bodenplatte des schon bis über das Erdgeschoss hinausgewachsenen Rohbaus statt. Der Schulgemeinde kann’s nur recht sein. Sie ist momentan in Unterrichtscontainern untergebracht, muss aus dem Gedanken ans Neue Trost schöpfen.

Statt 380 Schülern wird die Beethovenschule rund 500 aufnehmen können

Die jetzt noch vierzügige Beethovenschule wird künftig fünf Parallelklassen pro Jahrgang haben. Statt 380 Schülern wird sie rund 500 aufnehmen können. Alles dafür Nötige – Hauptbau im Passivhausstandard mit Pausenhalle und vier Treppen zu den farblich sortierten Klassenräumen mit tiefgezogenen Fenstern, Caféteria, Stadtteilbüro – entsteht auf dem 10 .200 Quadratmeter großen Grundstück an der Beethovenstraße. Die Bruttogeschossfläche umfasst knapp 8. 000, die Niedrigenergie-Sporthalle etwa 1 .600 Quadratmeter.

Die Außenanlagen der Grundschule werden zirka 6 600 Quadratmeter groß. In diesem Punkt allerdings wird die Ode an die Freude, in die zur Grundsteinlegung auch Schulleiter Konrad Ertinger einstimmt, von ein paar Tönen in pädagogischem Moll durchbrochen. „Wenn wir hier wirklich eine Ganztagsschule mit Angeboten von 8 bis 15 Uhr aufbauen wollen“, sagt er, „ist das Gelände reichlich eng bemessen.“ Der Schulhof solle ja nicht nur Schulhof im klassischen Sinne sein, sondern auch ein Areal, der den „Austausch mit dem Stadtteil“ ermögliche. Und dazu habe der Plan der klammen Stadt, einen Teil des Schulgrundstücks an einen Wohnungsbauinvestor verkaufen zu wollen, noch nie gepasst.

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