Kurze Wege und warmer Kaffee

Grundstein für Hafen-2-Umzug gelegt

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Mit vereinten Kräften legten (von links) Daniela Matha (Mainviertel GmbH), Andrea Weiß (suesswasser e. V.) und OB Horst Schneider den Grundstein. Zuvor hatten sie an dieser Stelle eine Zeitkapsel versenkt mit der gestrigen Ausgabe der Offenbach-Post, dem aktuellen und allerersten Spielplan des Hafen 2, dem Hafenretter-Button, den jeder Spender erhielt, der Spenderliste und dem Hafenbach-T-Shirt, das 2010 in Folge der Unsicherheit über den Fortbestand der Einrichtung entwickelt wurde.

Offenbach - „Der Neubau wird den Charme des Alten vermissen lassen.“ – „Wir haben viel Herzblut in die Suche nach einem neuen Standort gesteckt.“ – „Bisher kam niemand zum Tisch und fragte: ,Ist bei Ihnen alles recht?’. Hoffentlich bleibt das so!“. Von Fabian El Cheikh

Nicht erst seit gestern stecken zahlreiche Erwartungen, positive wie negative, in dem Neubauprojekt für den Hafen 2. Seit geraumer Zeit lastet großer Druck auf Andrea Weiß und ihrem Team vom Verein suesswasser, der den Hafen 2 seit inzwischen zehn Jahren betreibt.

Unzählige Groß-, Klein- und Kleinstspender, die mit ihren finanziellen Zuweisungen den geplanten Umzug überhaupt erst möglich machten, haben ihre ganz eigenen inhaltlichen und gestalterischen Vorstellungen vom Hafen 2 der Zukunft. Die Stadtverordneten, die mit ihrer Entscheidung, das Gelände am Main dem Projektentwickler für den Hafen kostenlos zur Verfügung zu stellen, eine weitere wichtige Hürde aus dem Weg räumten, setzen ihrerseits auf einen vollen Erfolg. Und auch Oberbürgermeister Horst Schneider und Daniela Matha, Geschäftsführerin der Mainviertel GmbH, setzen die Messlatte hoch, wenn sie vom Hafen 2 als einen „wichtigen Baustein für die Kreativszene“ in Offenbach sprechen.

Inhaltliche Gestaltung des Kulturprogramms

Zwischen all diesen Erwartungen gehen die Wünsche und Überlegungen des Betreibervereins suesswasser fast unter, die inhaltliche Gestaltung des Kulturprogramms möglichst unverändert fortführen zu können. Gleichwohl dies natürlich alle in der Stadt, die der Einrichtung wohlgesonnen sind, auch hoffen. Immerhin ist suesswasser gelungen, aus der Not eine Tugend zu machen, aus der notdürftigen, stets als Last empfundenen Interimslösung mit den Jahren eine unverwechselbare Einrichtung in der Region zu schaffen. Basierend auf einer reizvollen und einzigartigen Atmosphäre auf kulturell hohem Niveau. Letzteres zu halten bleibt die schwierige Aufgabe für Andrea Weiß in der nun sehr nahe rückenden Zukunft. Zumindest ein Teil dieses Erwartungsdrucks konnten sie und ihre Mitarbeiter des Kulturzentrums gestern von sich werfen, zeitgleich mit der Grundsteinlegung für das neue Gebäude in unmittelbarer Nachbarschaft zum Wiking-Vereinsgelände, das der Hafen 2 fortan zur Miete nutzen wird.

Noch schwankte Andrea Weiß zwischen Ungläubigkeit und erster Erleichterung. „Nachdem wir ein so anstrengendes Jahr 2011 hatten und zuletzt nicht mehr viel geschehen war, kam der Zeitpunkt zur Grundsteinlegung jetzt doch ziemlich überraschend“, sagte sie sichtlich erfreut. „Und schon müssen wir uns Gedanken machen, wo die Steckdosen hinkommen.“ Auch die eine oder andere Träne floss, als sich die mit viel Applaus bedachte Weiß erneut bei allen Beteiligten, vor allem den spendebereiten Bürgern für die bislang vermutlich einzigartige Unterstützung zu bedanken, die die Einrichtung in der Stadt bis heute erfährt.

230.000 Euro gemeinsam zusammengetragen

Zur Erinnerung: 230.000 Euro hatten unzählige Bürger, Vereine, Organisationen und selbst die Stadt Eschborn gemeinsam zusammengetragen. 20.000 Euro stellte die Getränkeindustrie als Darlehen zur Verfügung, sodass der Verein selbst nur noch 80.000 Euro als Kredit bei einer Bank aufnehmen musste, um seinen Anteil zur Finanzierung des 830.000 Euro teuren Gebäudes zu leisten.

Und noch immer gehen Spenden ein: „Wir haben die Kreditsumme bereits um zehntausend Euro gesenkt“, sagte Andrea Weiß gestern und gab sich zuversichtlich, dass der Verein bis zum Umzug einen Großteil der geliehenen Summe wird tilgen können, um dann möglichst bei Null neu zu beginnen.

Alles zum Neubaugebiet Hafen 2 lesen Sie im Stadtgespräch

Ab nächstem Jahr wird sich der Hafen 2 nicht mehr hinter wildem Wein verstecken, werden die Bedienungen sich über kürzere Wege und der Gast dann über warmen Cappuccino freuen dürfen. Mit umziehen auf das sehr großzügige und zum Wasser später mal flach abfallenden Außengelände werden natürlich auch die Gänse und Schafe. Von Wasser, Straße und Fahrradweg wird die Lokation sichtbar sein – am, wie Daniela Matha betont, bislang unscheinbaren Verkehrsknotenpunkt von europäischem Wanderweg, Radweg, Apfelwein- und Regionalparkroute und dem Grünring am Main, der dort zwischen MTW und Kingkamehama-Beachclub endet.

Radfahrer werden am Hafen 2 vorbeigeleitet auf einen neuen Radweg direkt am Mainufer entlang und vielleicht eine Rast am Hafen 2 einlegen. Die Brachfläche inspiriert Weiß, ebenso der viele sichtbare Himmel und die Nähe zur Städel-Repräsentanz am gegenüberliegenden Mainufer. Sie ist zuversichtlich: „Hier werden sich alle wohlfühlen.“

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