Ein auserwähltes Schwein

+
Carsten Halmanseder (Dritter von rechts) und Kollegen vor dem „Grunz-Mobil“ auf dem Aliceplatz.

Offenbach - Wenn auf dem Aliceplatz Riesenschweine auf Anhängern zu sehen sind, ist das meist, um für Bratwürste oder andere Fleischwaren zu werben. Doch bei diesem Schwein ist es anders. Von Ramona Poltrock

Es trägt die Aufschrift „Heute vegetarisch essen – der Gesundheit, den Tieren, der Umwelt zuliebe. “ Es ist auserwählt, um Menschen auf quälerische Massentierhaltung und einen möglichst gesunden Lebensstil aufmerksam zu machen. Dabei hilft dem überdimensionalen Kunsttier das insgesamt fünf Meter hohe „GrunzMobil“.

Das Fahrzeug ist eine Initiative der Albert-Schweitzer-Stiftung für unsere Mitwelt. Carsten Halmanseder und sein Kollege Johannes sowie vier Helfer fragen Passanten, ob sie sich gegen Massentierhaltung engagieren möchten. Viele gehen an ihnen vorbei. Kommentare wie „Heute nicht“ oder „Nee, ein andermal“ sind zu vernehmen.

Doch einige bleiben stehen. Ein lautes Quieken schallt über die Einkaufsmeile und erregt ihre Aufmerksamkeit. Die Geräusche kommen aus den Lautsprechern der Videoinstallation, die im Hänger aufgestellt ist.

Konsumverhalten überdenken

Junge und alte Menschen bleiben interessiert stehen und schauen sich Kurzfilme an. Sie zeigen Aufnahmen von verstümmelten und kaum gefiederten Jungenten in deutschen Mastanlagen. Angeregt durch die gewonnenen Eindrücke, unterschreiben viele gleich die ausliegende Petition, die für eine Anhörung im Bundestag bestimmt ist. Andere sehen zwar die erschreckenden Bilder, aber für mehr als ein „O Gott, die können ja kaum noch laufen“ reicht es nicht. Die Menschen gehen weiter. Vielleicht nicht geradewegs zu einem Fleischer – in der Nähe ist keiner –, aber vielleicht zum nächsten Imbiss.

Die beiden Männer touren seit Oktober vergangenen Jahres mit ihrem „Grunz-Mobil“ durch ganz Deutschland. Der Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der Berliner Stiftung und Johannes haben zwei Ziele. Erstens möchten sie Unterschriften sammeln für eine Bundestagsverordnung gegen Massentierhaltung beziehungsweise eine Änderung des seit 2002 bestehenden Tierschutzgesetzes. „Die Haltungsbedingungen müssen den Tieren angepasst werden und nicht der Industrie“, fordert Halmanseder.

Zweitens appelliert der Aktivist an die Menschen, ihr Konsumverhalten zu überdenken. „Jeder fängt bei sich selbst mit Messer und Gabel an.“ Man müsse bedenken, dass der Bürger durch hohe Fleischnachfrage die quälerische Massentierhaltung der Industrie unterstütze. Halmanseder möchte den Bürgern jedoch kein schlechtes Gewissen einreden. Vielmehr will er sie auf die Vorteile eines fleischlosen Lebensstils und auf „leckere vegetarische Würstchen“ aufmerksam machen.

Kommentare